Die Franzosen haben einen schönen Begriff für die Zusammenkunft nach dem Sommer: „La Rentrée“, die Rückkehr. Es ist eine Atmosphäre zwischen dem, was war und was kommen wird, heiter, wehmütig und erzählerisch. Ach, war er schön, dieser Kultursommer St. Severin 2026. Ich wollte gar nicht weg von der Insel, den Tagen am Meer, zwischen Euch, …
DER LETZTE ABEND
Der letzte Abend in der kleinen Kapelle am Meer, fast hätte ich gesagt, in meinem “sakralen Wohnzimmer”, aber damit hätte es vielleicht wieder Proteste gegeben, von wegen Entweihung, Tütü & Co. Es fühlte sich einfach vertraut an, als wären wir alle miteinander in einem „Zuhause“, nennen wir es so. Ich stelle mich gar nicht mehr …
EIN BISSCHEN BOULEVARD MUSS SEIN
Die “Insel der Schönen und Reichen”, diese einseitige Betrachtung von Sylt haben wir in unserem Kultursommer bravourös umschifft. Wenn es um “Besitz” ging, dann vornehmlich den geistigen. Aber, um mit der gerade verstorbenen Dolly Parton zu sprechen: Wenn Aussehen nebensächlich ist, warum nicht gut aussehen! Und somit genossen wir schick und bestens gelaunt vor zwei …
INGEBORG BACHMANN. UNDINE GEHT
Die chronologische Reihenfolge der Berichte aus diesem Kultursommer ist schon lange durcheinander, die einen besitzen die spontane Frische, die anderen die fabulöse Erinnerung. Zu letzteren gehört die Lesung von Ingeborg Bachmanns Novelle “Undine geht“, veröffentlicht in dem Erzählband “Das dreißigste Jahr” (1961). Erneut sind es die Schriftstellerin Birgit Haustedt und ich, die das Programm bestreiten, …
MORNING READING: EMILY DICKINSON
Es ist kurz nach 5:00 Uhr. Die Sonne zeigt eine zarte Verfärbung am Himmel, mehr nicht, ein scheues Rosé und ein zerrissenes Dunkelblau der ausgehenden Nacht. Ich schlendere über den Friedhof am Meer und denke an Emily Dickinson (1830 – 1886). Sie lebte im Haus ihrer Eltern in Amhearst, Massachusetts, USA. Seit ihrem dreißigsten Lebensjahr …
RILKES ERSTE DUINESER ELEGIE
Ein Schloss am Meer, Duino an der Adria. Eine Kirche am Meer, St. Severin in Keitum. Zwischen unserem Midnight Reading der 1. Duineser Elegie von Rilke und seiner Niederschrift im Schloss der Fürstin Maria von Thurn und Taxis liegen 114 Jahre, zwei Weltkriege, eine verlorene Zeit, die Belle Époque, als Duino einer der wichtigsten Treffpunkte …
DIE ZWÖLF NOVIZEN
Für die meisten ist der “White Cube” der ideale Ausstellungsort, nichts lenkt ab, ein nüchternes Rechteck mit weißen Wänden möglichst ohne Fenster, aber gerichtetem Scheinwerferlicht, museal. Ich höre das diskrete Murmeln der Besucher*innen und den ehrfurchtsvollen Blick. Umso herausfordernder sind die anderen Räume, die ihr Eigenleben besitzen, die sich möglicherweise verweigern, unsere Wohnzimmer, schäbige off-Spaces …
“MOBY DICK” – EIN JAHRHUNDERTROMAN
Es regnet, müde sitze ich an dem großen Holztisch. Katerchen ist gerade von seinen nächtlichen Streifzügen zurückgekehrt. Zwei Wochen ist es her, dass wir in der von Kapitän Petersen 1912 gestifteten Kapelle auf dem Friedhof am Meer besammen saßen. “Moby Dick“, ein Jahrhundertroman. Es ist der Auftakt einer Trilogie mit der Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Birgit …
EIN NETZ VOLLER WUNDER
Es ließe sich ein Buch schreiben über Toska und die Spinnweben von St. Severin, ein Bildband mit Texten über diese mystischen Wesen und wie daraus Kunst entstehen kann. Im Gottesdienst am Sonntag Morgen hatte Susanne Zingel von einem “Netz voller Wunder” gesprochen, von Bezugspunkten, die sich zu einem Geflecht erweitern, das ständig größer wird, voller …
AUF DER SUCHE NACH DEN FEENGEWÄNDERN
Der Kultursommer St. Severin hat mich in seinen Strudel gesogen, ein besonderer Event folgt dem anderen, ich komme kaum hinterran mit meinen Beiträgen. Über die Vorstellung der Sommerlektüre mit Robert Eberhardt (Felix Jud), Pastorin Susanne Zingel und mir berichte ich demnächst. In den Mittelpunkt stelle ich heute das Making of von Toska Tyszkiewicz, die den …