Der letzte Abend in der kleinen Kapelle am Meer, fast hätte ich gesagt, in meinem “sakralen Wohnzimmer”, aber damit hätte es vielleicht wieder Proteste gegeben, von wegen Entweihung, Tütü & Co. Es fühlte sich einfach vertraut an, als wären wir alle miteinander in einem „Zuhause“, nennen wir es so. Ich stelle mich gar nicht mehr vor und Susanne Zingel muss es eh nicht tun, jeder kennt sie. Gemeinsam lassen wir den Kultursommer Revue passieren und mit uns die Gäste, die beinahe zu einer eingeschworenen Gemeinde geworden sind. Viele von ihnen waren fast jedes Mal da, 14 Veranstaltungen über zwei Monate hinweg. Die Morning Readings besitzen ihre eigene Zählung.

Die inhaltliche Verzahnung zwischen Gottesdienst, Andacht und Kultursommer ist gelungen, die Pastorin hat die Themen aufgegriffen, die Bälle wieder zurückgeworfen. Sei es die Spinnen, die ihre Netze weben oder vieles, vieles mehr. Die Passagen werden mir wieder einfallen, wenn ich ab morgen Abend zurück in Hamburg bin.

Und so erzählen wir uns im Wechsel diesen Sommer, der uns alle auf überraschende Weise eingefangen hat. Als wir anschließend draußen stehen bei einem Glas Wein (über das sich kleingeistig aufgeregt wurde, dabei kann man auf kaum schönere Weise das Gesagte und Gehörte gesellig verlängern), also wir stehen beisammen und überlegen, welches die richtigen Adjektive sind für diese Erlebnisse. Ich sage “innig”, eine in der Gruppe ergänzt: “berührend”. Edda Binné, die Goldschmiedin aus Morsum, hat den intellektuellen und kreativen Geist vom früheren Sylt gespürt. Jemand meint versonnen, dass es “magisch” war. Ja, dass finde ich auch, dieser vergessene Ort hat seine Magie entwickelt.

Nun stellt Euch vor, es gab keine Fotos bis auf dieses eine (!). Niemand hat Fotos gemacht von diesem besonderen, innigen, magischen letzten Abend, an dem wir viel länger verweilten als alle Abende zuvor. Wir nannten uns beim “Du”, obwohl wir uns kaum kennen. „Eine berührende Verbindung“, unterbricht triumphierend die ältere Dame, die immer noch nach den treffenden Begriffen sucht. Keiner möchte gehen.
Wir haben über diesen Sommer eine Neugierde auf das Leben geteilt, fühlten die Vertrautheit in einem geschützten Raum, der uns das Recht gab, leise zu Weinen und sich herzlich lachend zu umarmen. Darüber haben wir einfach vergessen Fotos zu machen. Es war plötzlich nicht wichtig. Ihr müsst ohne auskommen, den feuchten Duft der Abendhecken riechen, den dunklen windigen Himmel über uns sehen und wie wir in kleinen Grüppchen stehen, plaudernd vor der von Kerzen erleuchteten Kapelle am Meer.
So wie in diesem Sommer, wird es niemals mehr sein. Das ist wertvoll, weil es unwiederbringlich aus dem Augenblick lebte. Schätze der Erinnerung. Wenn es eine Fortsetzung des Kultursommers St. Severin geben wird, dann wird er seine eigenen zukünftigen Akzente setzen.
PS: Morgen gibt es noch das letzte 5:30 Uhr Reading. Und wenn Freund Johannes King nicht verschläft, bringt er das Brot, und ich die selbstgemachte Marmelade und die Butter. Susanne will sich auch den Wecker stellen. Seid gespannt, was ich dieses Mal für ein Gedicht der Weltliteratur gewählt habe. Es führt uns in das vorrevolutionäre 18. Jahrhundert.
-
BLAZER WOLL-CRÊPE, CREME
€698,00 inkl. Mwst. -
KARO FALTEN ROCK, MULTI
€698,00 inkl. Mwst.



