Die “Insel der Schönen und Reichen”, diese einseitige Betrachtung von Sylt haben wir in unserem Kultursommer bravourös umschifft. Wenn es um “Besitz” ging, dann vornehmlich den geistigen. Aber, um mit der gerade verstorbenen Dolly Parton zu sprechen: Wenn Aussehen nebensächlich ist, warum nicht gut aussehen! Und somit genossen wir schick und bestens gelaunt vor zwei Wochen den Abend mit Katrin Sachse, stellvertretende Chefredakteurin BUNTE. Ein wenig Boulevard tut jedem gut, ob konsumiert beim Friseur, im Strandkorb oder mit ernsten Zwischentönen in der Kapelle auf dem Friedhof am Meer.

“D’ailleur c’est toujour les autres qui meurent”,

ließ Marcel Duchamps 1968 auf seinen Grabstein meißeln. Lapidar der Satz, wie eine Nebensächlichkeit: “Im Übrigen sind es immer die anderen die sterben”. Es war das Motto für unser Gespräch. Das Leben der anderen lenkt uns ab von dem eigenen, ist unterhalbsam, bedient unseren Voyeurismus und das für beinahe 4 Millionen wöchentliche BUNTE Leserinnen und Leser.

Die Zeitschrift ist so alt wie die Republik. Die erste Ausgabe erschien 1948. Sie ist in gewisser Weise Abbild unserer Gesellschaft im Wandel, mit einem enormen Netzwerk und einer Chefredaktion, die das zweitgrößte Telefonbuch nach dem Kanzleramt besitzt, wie Katrin Sachse schelmisch verrät.

“Ohne die BUNTE wäre es nur eine Nordseeinsel.” (Werbesolgan)

Zweimal waren wir immerhin in diesem Kultursommer in der Society Rubrik der BUNTE, gleich neben Prinz Harry. Und Freund Johannes steht gerade in der Kolumne als “Der King, der jetzt ein Ritter ist”. Wenn sonst die schlechten Nachrichten den Vorrang haben, so dreht die BUNTE es um. Hier wird vornehmlich über die schönen Seiten des Lebens berichtet, über besagte gutaussehende Reiche und ihren Lebensstil. Und wenn einer stirbt, dann klingt es teilnahmsvoll, respektvoll, dass es uns beinahe tröstet, sind ja nicht wir.

Katrin Ribbe, Artist in Residence. Vielleicht schreibt die BUNTE irgendwann über ihre “Alten und Neuen Sylter in Trachten”. Und Jefferson (links) macht uns hübsch.

Noch ist eine Garde von Journalistinnen und Journalisten am Ruder, die sich einem ethischen Nachrichten-Kodex verpflichtet fühlt. Jüngere drängen nach, die die sozialen Medien bedienen. Auch das ist Abbild einer sich verändernden Gesellschaft, das auch die alte Dame BUNTE nicht unbehelligt lassen wird.

Heute lasse ich mir das Haar durchwehen, schreibe meinen Bericht, koche gleich Brombeermarmelade und denke, dass ich es mit dem letzten “Morning Reading” am Montag, den 31. August, um 5:30 Uhr wohl nicht noch einmal ins Boulevard-Blatt schaffe.

Aber (!), ich mach mich hübsch, lade den Ritter-King ein und hoffe, dass meine kluge mutige Mitstreiterin, Pastorin Susanne Zingel, ihren Wecker ähnlich früh stellt. Was für ein Sommer! Danke Katrin Sachse, das wir wieder gemeinsam vor Publikum plaudern konnten.

Und wenn ich irgendwann einmal mit meiner Brombeer Marmelade in Deiner Kolumne lande, dann geh ich damit in Serie: Countess Bridget wird Queen of Confiture. (Das Tüchlein als Markenzeichen.)