Für die meisten ist der “White Cube” der ideale Ausstellungsort, nichts lenkt ab, ein nüchternes Rechteck mit weißen Wänden möglichst ohne Fenster, aber gerichtetem Scheinwerferlicht, museal. Ich höre das diskrete Murmeln der Besucher*innen und den ehrfurchtsvollen Blick. Umso herausfordernder sind die anderen Räume, die ihr Eigenleben besitzen, die sich möglicherweise vereigern, unsere Wohnzimmer, schäbige off-Spaces oder eine Kapelle auf dem Friedhof am Meer. Zu Gast ist die Künstlerin Monika Czosnowska mit ihrer zwölfteiligen Fotoarbeit “Novizen”, entstanden 2004 in und um Posznán in Polen.

Sie studierte Fotografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen, erhielt ein Stipendium der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich, war 2004 Preisträgerin junge deutsche Fotografie. Es folgten weitere Auszeichnungen sowie internationale Ausstellungen, in denen u.a. auch immer wieder die Serie der “Novizen” zu sehen war.

Mit dabei ist unser gemeinsamer Freund und Wegbegleiter, der Künstler und Professor für Fotografie, Bernhard Prinz. Wir lassen den schlichten sakralen Raum auf uns wirken. Ich möchte daraus eine Gesamtinstallation machen, sie schlagen vor, die hintere umlaufende Bank zu nutzen, den Blickwinkel zu verändern, alles um 180° zu drehen. Der Altar ist nun im Rücken der Besucher*innen. Stattdessen schauen sie auf zwölf junge Menschen zwischen 16 und 19 Jahren.

Intuitiv haben wir ein Arrangement gewählt, wie es typisch ist für die “Neulinge” in einem Noviziat, die in der hintersten Reihe sitzen müssen, nebeneinander, zuhören, studierend, fragend, bevor sie das Ordensgelübde ablegen.

Monika Czosnowska, v.l. nach re: Benedikt, Daniel, Adrian, Larissa, 2004, Auflage 5 + 2 AP (€ 4.700)
Ein Jahr dauert ihr Studium, in dem sie sich selbst befragen, ob sie bereit sind für ein Leben im Zolibat, Gott und der Kirche gewidmet. Monika Czosnowska hat eine klassisch-strenge Inszenierung gewählt, verzichtet auf räumliche Details und Attribute. Die Aufnahmen entstanden bei Tageslicht, jeden Person ist in ihrer Ordenstracht zu sehen. Die Handabzüge hat die Künstlerin selbst gemacht, unbearbeitet und nicht manipuliert.

Monika möchte nicht vorne stehen und sprechen, ihr reicht die nonverbale Sprache. Bernhard und ich übernehmen, der Professor und die Kunsthistorikerin. Was bildet die Fotografie ab? Für ihn steckt die Wahrheit in der Oberfläche, für mich in dem Moment, wo innen und außen zusammenkommen, wo sich Wesenhaftes verdicht. Porträt oder ein Menschenbild?

Monika Czosnowska, Rafael, 2004, Auflage 5 + 2 AP (€ 4.700)
Die Abgebildeten haben von Monika andere Namen erhalten: Adrian, Justus, Larissa, Thomas … Sie stülpen sich über das Individuelle und lassen sie zu jungen Männern und Frauen werden, wie wir sie überall auf der Welt finden möchten, ernsthaft und zweifelnd, eingefangen in einer zarten Stille. Nicht “instagramable”, nicht festgehalten in flüchtigen dokumentarischen Handy-Fotos, die die Cloud bevölkern und kaum den Moment überdauern. Jeder trägt in sich ein Geheimnis.

Vor der Vernissage telefonierte ich kurz mit meiner Tochter Roma, meiner Philosophin, die gerade im Norden von Norwegen kocht. Ich fragte sie nach dem Guten im Menschen. “Rousseau” antwortet sie, “er geht davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut ist, erst die Gesellschaft macht ihn böse.” In den Fotografien der zwölf Novizinnen und Novizen ist diese Unschuld zu sehen, wahrhaftig.

Monika Czosnoska v.l.nach re.: Tibor, Rebekka, Thomas, Johanna, 2004, Auflage 5 + 2 AP (€ 4.700)
Ich muss an die letzte Sonntags-Predigt von Susanne Zingel denken, in der es um den Apostel Thomas ging. Sie beschreibt ihn als denjenigen, der die richtigen Fragen stellt, den wir brauchen, um besser zu verstehen. Auf ganz andere Weise rührt der Jüngste der Novizen uns an, “Benedikt”. Er war es sechzehn als das Foto entstand. Wie es ihm wohl in den 22 Jahren danach ergangen ist?

Monika Czosnowska, links: Benedikt, rechts: Daniel, Auflage je 5 + 2 AP (€ 4.700)
Und wo mag “Adrian” heute sein? Seine Benediktiner Kleidung hatte er kurz nach den Aufnahmen abgelegt und verschwand. Was macht Larissa, die so andächtig nach unten schaut? Anlass für viele intensive Gespräche.

Kapelle und “Novizen” sind auf besondere Weise miteinander verschmolzen, eingehüllt in ein sich verändernde Sonnenlicht. Wer hätte noch vor einigen Wochen geahnt, dass dieser aus dem Dornröschenschlaf erweckte Ort sich so modern und zeitaktuell präsentieren kann.

Die Ausstellung “Novizen” ist noch bis Ende August zu sehen: Offene Kapelle, Donnerstag von 16 – 18 Uhr, Samstag nach der Andacht, ca. 18:30 Uhr, Sonntags nach dem Gottesdienst, ca. 11:30 Uhr, Montag zum Morning Reading, 5:30 Uhr und nach Vereinbarung.
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FALTEN ROCK, ROSA
€498,00 inkl. Mwst. -
PUFFARM BLUSE, SCHWARZ
Ursprünglicher Preis war: €398,00€300,00Aktueller Preis ist: €300,00. inkl. Mwst.






Eine sehr würdige Präsentation für diesen Ort.
Die kuratierte Anordnung gibt Sinn und lässt die Novizen lebendig werden. Sie nehmen Platz in der Kapelle.
Monika Czosnowska schätze ich sehr, die Arbeit „Helen“ haben wir damals für die Teutloff Collection angekauft. Heute ist sie im CNA in Luxemburg und Teil der Contemporary Family of Man.