Wann sind Blumen am schönsten, darüber streiten sich die Gemüter. Mein Strauß mit Pfingstrosen wäre bei vielen schon auf dem Kompost gelandet, ich liebe ihn gerade jetzt, bevor die Blüten herabfallen. Man sieht das ganze Spektrum der Farben vom Erblühen bis zum Vergehen, das helle Braun der verwelkten Blätter, das zarte Rose, wie gekräuselter Schaum, dem die Pigmente langsam entweichen, so duftig wie ein Tütü von Roma e Toska aus Kindertagen, und dann wieder das kraftstrotzende Pink.

Zufällig liegt das Buch über die Accessoires von Yves Saint Laurent neben der Vase auf der Vitrine mit dem Vintage Schmuck. Nichts wird inszeniert, es ergibt sich einfach.

Abb: Exzeptionelles Collier von Robert Goossens für Yves Saint Laurent, Herbst-Winter Kollektion 1983.

Schon entsteht aus dem beliebigen Arrangement ein Spiel. Ich blättere vor und zurück in dem Buch. Auch für die nächste Seite gibt es Beispiele aus meiner Schublade: Die Herzen mit Kristallen von Goossens für Yves Saint Laurent, Sommer 1983, Haute Couture Collection.

Vorsichtig drapiere ich die Pretiosen in den Blüten-“Nestern” der Pfingstrosen, die Broschen aus den späten siebziger Jahren mit dem emaillierten Büten … Natürlich darf der Schmetterling ebenfalls nicht fehlen.

Yves Saint Laurent liebte den Modeschmuck, groß ohne protzig zu sein. Die Anhänger, Armspangen, Ohrclips und Ketten sind keine kurzweilige modische Geste, ganz im Gegenteil, sie besitzen allesamt Stil und sind ein Statement an die Schönheit. Die Blütenblätter in meinem Strauß erinnern an die außergewöhnlichen Entwürfe des großen Couturiers.

Das reicht, nur noch schnell die kleine Kette, die so bescheiden charmant gleich von meinem Hals herabhängt soll. Und dann darf der Strauß noch bis morgen seine Farben in seiner poetischen Vergänglichkeit zeigen … Ich fühle mich bereichert und inspiriert.