Heute ist mir unbedingt nach Glamour, nachdem die Welt gestern so unerwartet farblos und deprimierend grau war. Auch “natural born” Optimisten können mal durchhängen und Designerinnen in wenig inspirierenden dunklen Löchern versinken. Abends saß ich an der Elbe, um mich herum das pralle Leben. (Einzige Fotos: die zehn aus meiner Hosentasche, die ich gelöscht habe, rosa.) Ich knabberte an einem Brot, das nicht schmeckte, trank von dem Bier aus der Flasche, die Lektüre war zu anspruchsvoll, das Glück wurde verneint. Der Sand war dreckig, das Wasser schmutzig, ab und an musste ich meine Turnschuhe vor an paar Wellen retten, wenn ein Schiff samt Schlepper vorbeifuhr … Ich war alles, nur nicht glamorous.

Abb: Vintage Celine Lederrock aus den 1970ern, Hemd Cristaseya, Ketten Yves Saint Laurent. Titelfoto: Tasche Roberta di Camerino, 1960er (€ 1.200)

Zum Glück gibt es immer noch den nächsten Morgen. Heute mit kühler Sonne Frühstück in Rock und Bluse, ein paar Ketten um die Hals. Mit dem Fahrrad fuhr ich quer durch die Stadt. Blumenstrauss für die Reinigung, die gerade meine alten (glamorous) Teile gerettet hat. Ich merke, das Lächeln (mit Zahnspange) ist zurück. Habe schon unter der Dusche gesungen, gutes Zeichen.

Warum nicht einfach zwischendurch zum Friseur. Stichwort: glamorous. Ich bekomme einen Termin, auf den man sonst zwei Wochen warten muss, der Tag ist gelaufen, Glückstag sozusagen. Rosanna und ich lachen, wofür der ganze Aufwand. Na klar, für uns selbst und für all die anderen um uns herum. Wer braucht nicht sein Publikum, um sich besonders zu finden, strahlend, sprudelnd, erfrischend, extravagant und … unbedingt: verführerisch?

Die Poolstrasse 30 öffnet ein paar Minuten später. Die Designerin muss noch schnell glamorous werden. Ist sie schon, von innen nach außen und nun auch von außen nach innen. Peter Büchler, Dein Bild ist gerade jetzt so wichtig: I AM STILL LIVING IN A GLAMOROUS LIFE! Versprochen, ich pass auf mich auf, dass das so bleibt.

Abb.: Peter Büchler, I am still living in a glamorous life,1999, 184 x 135 cm, Mixmedia, Galerie Holthoff

Ich mag den Berliner Künstlers und seine Arbeiten. Die Schrift ist wie mit Kreide auf einer Schiefertafel geschrieben, dazu seine subtile, brüchige Malerei der Grautöne. Ist es unten der Hut von Beuys? Der war irgendwie auch glamorous. Und selbst wenn ich den Holzstamm daneben als Motiv überstrapaziere, eines ist gewiss, ich kann auch in kurzen Hosen schillern, wenn ich nur will. Es ist Dienstag, der 15. Juni 2021. Wer will, vermerkt es im Kalender: Heute glamorous sein!