“Können Objekte sterben?” – Eine Frage, die meine Tochter Toska in ihrer Masterarbeit in Ästhetik-Philosophie stellte. Sie hat mich beschäftigt, denn, wenn Dinge sterben, dann müssen sie zuvor auch leben. Ein einfacher Umkehrschluss, der mir in Vorbereitung auf das Gespräch mit der Malerei Feodora Hohenlohe oder vollständig Feodora Pinzessin zu Hohenlohe in den Sinn kam. Robert Eberhardt zeigt ihre Arbeiten als Sommerausstellung im Felix Jud Cottage, und bei uns war die Künstlerin vorgestern zu Gast in der Kapelle auf dem Friedhof in Keitum.

Eine kleine Auswahl an Bildern hatte ich mir dafür ausgesucht. Wir verabredeten uns zu einem ersten Gespräch, und schnell war klar, dass wir gutgelaunt vom Hundersten ins Tausendste geraten, wenn wir erst einmal loslegen, wie Stunden später in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Kapelle.

Der Begriff “Still-Leben” stammt aus dem Niederländischen: “stil” = unbewegt (unbelebt, reglos) und “leven” = Dasein. Die Franzosen nennen es “nature morte”. Da haben wir es wieder: die “gestorbenen Gegenstände der Natur”.

Sie wisse zwar nicht, warum sie sich so explizit für das Stilleben entschied, aber vielleicht lag es daran, dass die Blumen mit ihr sprechen und sich als Sujet förmlich aufdrängen. Schlicht und ehrlich klingt es aus ihrem Mund, auch wenn die Antwort uns Intellektuellen nicht genügen mag. Der Zugang zur belebten Natur besitzt immer etwas kindlich Anmutendes. Mein Mann sprach auch mit den Pflanzen in unserem Garten, lobte, wenn sie hübsch blühten, und schimpfte mit ihnen, wenn sie sich nicht zu allen Seiten räkeln wollten.

Einleitendes Gitarrenspiel von Sören Golz. Mehr am 22.7.2026, 20:15 Uhr zum Mittwochskonzert in St. Severin.

Feodora Hohenlohe studierte zunächst in London, anschließend von 1981 – 1988 bei Peter Schermuly in München. Als die Kunst ungegenständlich malte und nach Möglichkeiten suchte, sich konzeptuell über den Rahmen auszuweiten, wählte sie eine gegenläufige Position, altmeisterlich, detailverliebt. Sie suchte nicht die “Society Bühne”, wie es im Titel zu dem Abend hieß, sondern wählte den stillen Rückzug, das Atelier mit einem sorgfältigen Arrangement. Damit schuf sie sich ein kleines, in sich geschlossenes Universum, in dem die Schönheit und Poesie der Objekte regiert.

Feodora Hohenlohe, Stille Reise, Öl auf Leinwand (€ 950)

Die Ausstellung im Felix Jud Cottage, Am Kliff 5a in Keitum, geht noch bis zum 29. August 2026. In dieser Woche ist die Künstlerin anwesend.

Ich war heute früh wieder unterwegs zum 5:30 Uhr Morning Reading nach nächtlicher Fussball WM, trotz Sturm und Regen. Erneut das Spektakel, wenn unerwartet doch die Sonne zum Vorschein kommt. Morgen mehr zu einem der schönsten Liebesgedichte deutscher Sprache, geschrieben von einer Frau, die niemand kennt.