Beim Blättern in einem kleinen Büchlein habe ich das Wort geklaut: “schönheitstrunken”. Es ging um die Farbe Grün, das Frühlingsgrün, das Tropenwaldgrün, das Grün des wiedererwachenden Lebens. Roma ist bei mir in Hamburg eingetroffen. Sie bleibt, auf der Insel Juist ließen sich ihre kulinarischen Träume nicht verwirklichen. Mit ihr Katerchen Alembert. Aber die “Encyclopédie” ist nicht mehr vollständig, Diderot, das Zwillingskätzchen starb von wenigen Wochen. Nun wird Bonnie trösten als Schwester-Hund, und gemeinsam bilden wir eine Wohngemeinschaft oben im 4. Stock zwischen der Kunst. Heute ist meine Tochter das Modell für den Neubeginn inmitten von exotischem Grün.

Ich mag ihre Exzentrik, ihren Witz und ihre Selbstverständlichkeit, außergewöhnliche Teile zu tragen. Sie war schon immer diejene, die vom Pyjama in die Couture schlüpfte, die sich im YSL Kostüm beim Imbiss verabredete und die sich nie darum scherte, ob etwas over- oder underdressed ist. Man kann Roma nicht erfinden, sie erfindet sich selbst mit ihrer erfrischenden Unangepasstheit. Solche jungen Frauen mit widerspenstigem Charakter brauchen wir.

Während wir durch Planten un Blomen gehen, diskutieren wir die Begrifflichkeiten, ist es nun ein Garten oder ist es ein Park, und was wäre der Unterschied? Sie läuft mit ihren wesentlich kleineren Schritten neben mir, während ich weit aushole, meinen Blick schweifen lasse für das richtige Motiv. “Park” ist eine gestaltete Grünfläche, ein großer “Garten”.

Nun könnten wir uns weiter darüber auslassen, was “groß” genug ist, um das Wort “Park” zu verdienen. So war es schon immer mit ihr, eine Antwort führte zur nächsten Frage, in ein endloses Mäander von Neugierde zwischen Mutter und Tochter.

Ich habe das richtige Set-up gefunden, ein riesiger umgekippter Baum, der in den Teich ragt, umgeben von Blattwerk in allen Schattierungen. Still und Grün. Die Jogger*innen scheinen noch zu schlafen.

Roma balenciert, ich balanciere. Bloß nicht mit dem schönen Outfit in die Brühe unter uns fallen. Sie trägt den langen Baumwoll-Tüll-Rock mit Applikationen von gewebten Bändern aus Peru. Weich fällt er um ihre nackten Beine. Oben drüber die schwarze Basic Bluse aus Baumwolle mit Kragen und Manschetten aus dem handbemalten Kunst-Paneel von Daniel, dem jungen Shipibo-Conibo aus dem peruanischen Dschungel. Dazu der Strohhut von Elke Martensen (€ 595).

Es sind die leuchtend roten Haare von Roma, die perfekt in die Szenerie passen. Ich erzähle ihr von den rot gefärbten Frisuren der indigenen Völker, dabei denke ich an Mario Vargas Llosa und seinen “Geschichtenerzähler”. Sie spricht von Norwegen und einem Kochangebot, ich vom Sommer auf Sylt. Das Leben ist bunt!

Währenddessen laufen wir durch den gartenartigen Park, sie in der Jacke mit dem Puma auf dem Rücken, ein Piece of Art, und ich ungekämmt in kurzen Hosen und Turnschuhen. Es ist unsere “Normalität” in den Tag hinein.
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€1.400,00 inkl. Mwst. -
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