Tag 1 auf Sylt. Nennen wir es “Ortsaneignung”. Die erste Nacht im Pfarrhaus Tinnum liegt hinter uns. Die Hauswirtschafterin von St. Severin hat alles blitzblank geputzt, die Betten bezogen, die Küche ausgestattet. Es wird unser Zuhause für die nächsten zwei Monate. Warm strahlt die Sonne durch die Gartentür hinein, und im Geiste verteile ich schon die Stangen, die Puppen, die Möbel, die Vitrine und die Bilder. Holen wir das Gemäuer aus dem Dörnröschen Schlaf.

Michael Steiner kam gestern früh mit seinem Transporter aus Hamburg. Wir laden aus, nachdem Toska die Spinne gerettet hat, die sich quer über das Fahrrad ihr Netz gesponnen hat. Ein gutes Omen. Anschließend beginnt mein intuitives Puzzle, das über die nächsten 36 Stunden andauern wird. Alle Dinge brauchen ihren richtigen Platz. Ramona bringt Stühle, Freund Eric tut ständig neue Möbel auf, die er mit dem Transporter ankarrt. Wieder ein Bett, noch ein Tisch, eine Bank … Was braucht Ihr sonst?

“Pimp the Pfarrhaus”, sein frecher Titel. Wir müssen lachen. Dazwischen sein “Mega”, und “das wird, das wird gut!” – Wird es! Ich lasse mich ein auf niedrigere Decken, andere Lichthältnisse, versuche den Mix zu spüren zwischen elegant und shabby chic. So etwas erfordert eine Präzision und gleichzeitig eine gewisse Nonchalance.

Outfit “Arktische Fauna” und Kupferstiche von Fischen und Walen aus dem 19. Jahrhundert. Keramik und Bücher zu den verschiedenen Sammlungen.

Ich bin in meinem Element, vergesse komplett die Zeit, vergesse, dass wir nichts zu Essen eingekauft haben, dass es noch keinen Kühlschrank gibt, und dass in Tinnum und Keitum die Bürgersteige um 19:00 Uhr hochgeklappt werden. Wir sind nicht in Kampen, hier laufen die Uhren anders.

Toska und ich müssen uns in dieser Logistik noch üben. Roma fehlt, aber die kocht viele hunderte Kilometer entfernt an einem Ort namens Sæbø, irgendwo unterhalb des Polarkreises in Norwegen für andere. Hunger! Susanne Zingel rettet uns nach dem Mittwochkonzert mit Pasta. Dann komatischer Schlaf und weiter geht es.

Foto oben: Romas neues Koch-Domizil in Norwegen. Unten: Arrangement mit Kolibris.

Die Kleiderstangen, die Bilder, die Ketten und Accessoires, alles wird langsam stimmig. Katerchen fühlt sich heimisch und findet die unmöglichsten Kuschelplätze. Bonnie wählt jede Nacht aus einem der acht Zimmer ihre persönliche Schlafstätte. Und ich entdecke die schönsten romantischen Ecken für ein schnelles Foto.

Zum Schluss fehlt noch ein Bild:  “Der Novize” von Monika Czosnowska. Wie die Aura dieser Fotografie alles noch einmal dreht und wandelt. Living with Art, egal wo man ist und für wie lange. Nun ist das Haus bereit für Euch als Gäste. Ich bin gespannt, wie es sich in den kommenden Wochen anreichert mit Ideen und Diskussion. Dann sind wir es gemeinsam, die diese besondere Atmosphäre leben und prägen.

Monika Cszosnowska, Der Novize, Fotografie.

Was Toska die ganze Zeit macht, wollt Ihr wissen ?! Davon erzähle ich morgen. Mittlerweile scheint es, als hätte sie mit ihrem Charme schon die halbe Insel für sich gewonnen. Auf jeden Fall sind diverse Sylter Expertinnen und Experten involviert, damit die Spinnweben von St. Severin eingefangen und zur Kunst mutieren. Fortsetzung folgt.

Toskas Atelier im Pfarrhaus in Tinnum und oben im Dachgestuhl von St. Severin aus dem 12. Jahrhundert.

Wer vorbeikommen möchte, meldet sich einfach unter: 0172-4313905. Ich freu mich auf Euch!