Sie bevölkern unsere Keller und Dachböden. Man findet sie zwischen Sträuchern oder morgens hinter dem Duschvorhang und abends unter der Decke: die Spinnen. Eifrig weben sie ihre Netze, die unseren Ekel und unser Staunen hervorrufen. Niemand käme jedoch auf die Idee, dabei an Kunst zu denken, eher an “kunstvoll”, wie sie mit dünnen Fäden Strukturen schaffen, die Feengewändern ähneln. Meine Tochter, Toska Tyszkiewicz, macht aus ihnen Kunstwerke, durchscheinend, schwebend und mystisch besetzt. @toska_tyszkiewicz


Ihre Arbeit bildet den Auftakt für die “Artists in Residence” in diesem Kultursommer St. Severin. Im Pastorat in Tinnum hat sie sich ihr Atelier eingerichtet. Und ab und an darf ich, dürfen wir ihr über die Schulter schauen, wenn sie ihre Skizzen und Zeichnungen anfertigt und die metallenen Skelette für die Spinnen-Skulpturen formt.

Ihre zweites Atelier wird in Keitum sein. Gleich am ersten Tag hatten wir die Ortsbegehung von St. Severin. Pastorin Susanne Zingel führte uns hinauf in den Dachstuhl, der zurück auf das Jahr 1216 datiert. Allein das ist schon ein Erlebnis. Die großen Quarder aus dem Mittelalter mich an mein Grundstudium der Architekturgeschichte.


Ein wahrer Energie-Ort, nicht nur im Kirchenschiff hinter den dicken Mauern, sondern auch im Gebälk, wo kaum jemand hingelangt. Wo versteckt sich das “Naturmaterial” für die Kunst? Toska ist auf Spurensuche. Unter der Empore, zwischen den Balken und in den hintersten Winkeln.


Überraschend trocken ist es im Dachstuhl, zu trocken für eine üppige “Spinnenernte”. Stattdessen sieht es aus, als wären hier gerade himmlische Heerscharen von Hausfrauen durchgefegt. Aber meine Tochter lässt sich nicht entmutigen, irgendwo müssen sie sein.



Dort in der Ecke schimmert etwas im Lichtstrahl und wird fotografisch festgehalten, damit wir die Stelle wiederfinden. Sie arbeitet hochkonzentriert, und ich versuche möglichst lautlos nicht zu stören.

Weiter geht es ohne die Pastorin die schmalen Holzstiegen hinauf bis zur Turmspitze (33 m hoch), wo es endlich feucht genug ist, um den Achtfüßlern ihr ideales Biothop zu schaffen. Übrigens können Spinnennetze an windgeschützten Stellen über 200 Jahre alt werden. Ich höre zu, was sich Toska in den Monaten an Wissen angeeignet hat.

Sie konsultierte Arachnologinnen und Arachnologen in Paris, die ihr von der Wissenschaft der Spinnen erzählten, wozu auch die Beschaffenheit der Netze gehört und wie man sie konserviert.

Die Ausbeute ist mäßig. Es wird nicht reichen für ein großes Objekt, andere Fundstellen müssen hinzukommen. Die Friedhofsgärtner versuchen Ratschläge zu geben. Aber jeder Ort besitzt seine eigene Spinnen-Beschaffenheit. Wir werden sehen, wie sich die Spinnen-“Textilien” zusammenfügen.

Bei anderen technischen Fragen halfen die Goldschmiedin Edda Raspé aus Morsum und Christoph Feier aus Keitum. So eine “Vernetzung” gehört auch zu einem “Artist in Residence”. Und dann braucht es einfach Zeit zum Nachdenken. Nicht paniken. Es werden sich Lösungen finden, selbst wenn die Zeit drängt.

Zur Abend-Andacht am 11. Juli, 18:00 Uhr soll ein Spinnen-Objekt in der Apsis von St. Severin hängen und eine Skulptur auf dem Sokel darunter. Im Anschluss daran findet in der Kapelle auf dem Friedhof die Vernissage statt mit Making of Fotografien, Zeichnungen und Skulpturen sowie einem Gespräch mit der Künstlerin. Ihr seid herzlich eingeladen (info@romaetoska.de).
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FRANSEN JÄCKCHEN, ROSA
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€498,00 inkl. Mwst.



