Die großen Museen in Paris haben es vorgemacht: Couture vor Kunstwerken wird selbst zur Kunst. Ähnlich ist meine Idee zur Ausstellung mit Ani Alvarez Calderon, eine der führenden Designerinnen Perus. Sie kam vorgestern aus Leipzig, wo das Grassi Museum “The Soul of Objects” Design und Kunsthandwerk aus Lateinamerika eröffnete. Und wie jedes Mal, wenn wir uns sehen, müssen wir erst einmal uns austauschen, wer was macht, was alles zwischen letztem November und jetzt passiert ist? So ziemlich alles, was man sich nicht vorstellen konnte. “Lass uns spielen”, ruf sie irgendwann, und wir beginnen Mannequin für Mannequin zu stylen.

Mutig kombinieren wir: ihre mitgebrachten Teile, meine Kollektion, Yves Saint Laurent Vintage, indigener Schmuck, Ketten von Pierre Cardin, Hüte von Elke Martensen und Schuhe von Taglia Scarpe. Alles ist erlaubt. “Follow your intuition”, flüstert sie mir zu, als ich noch überlege, ob es geht oder nicht. “So möchte ich die Frauen gekleidet sehen”, ihr gutgelaunter Kommentar. “Genauso”, meine lachende Antwort.

Es gibt diese inneren Übereinkünfte, die alles miteinander verweben. Ist das nicht erstaunlich?! Der Apfelschal mit den Stickerein der Shipibo-Conibo aus der Ucayalli-Gebiet, tausende Kilometer von hier entfernt, Gürtel und Rock von YSL aus Paris der 1970er Jahre. Es ist ein Fest: Es passt zusammen, was nicht zusammengehört (frei nach Shakespeare).

Die nächste Puppe, der lange Mantel von Ani Alvarez Calderon, der gelbe Godet-Rock und die hellblau Puffarm-Bluse von Roma e Toska, der Gürtel von Pierre Cardin aus der Space Age Periode Anfang der 1960er. Aber es scheint noch etwas zu fehlen? Richtig, das Vintage Seidentuch von Hermès. Blumen und Schiffe, Schmetterlinge und Ornament … Positioniert vor dem Bücherregal, in dem es ebenso von unterschiedlichsten Inhalten wimmelt. Side-by-Side!

Fashion ist ein Statement. Wer möchte ich (heute) sein? Wie fühle ich mich? Wohin geht es? Vom Red Carpet bis in den Alltag hinein. Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt, bunt und exotisch. Wo sonst darf man so unbedarft spielen, wie in der Mode. Gute Laune vorprogrammiert, soviel kann ich versprechen.

Die Modelle von Ani (Ani Alvarez Calderon) und die ihrer Tochter (Beneai) sind Unikate, die in Zusammenarbeit mit den Künstlern aus der Dschungel-Region Perus entstanden, handbemalte und handbestickte Stoffe der Shipibo-Conibo. Wie selbstverständlich gesellt sich der Pergament-Mantel aus der Encyclopedia Kollektion dazu.

Beide Designerinnen tragen wesentlich dazu bei, dass alte Fertigkeiten nicht verlorengehen, Frauen, statt auf dem Feld zu arbeiten, mit ihrem Kunsthandwerk das Einkommen der Familie sichern. Mode erhält dadurch ihren Wert zurück, ist Kulturgut, wird zu Kunst, die wir mit Stolz tragen. Alte und neue Geschichten erzählen sich einträchtig. Living in Fashion.

An zwei Tagen hintereinander werden sie und ich das Thema “Fashion & Art” zelebrieren. Heute Abend ab 18:00 Uhr UPSTAIRS Vernissage und Verkaufsausstellung in meiner Wohngalerie am Johannes-Brahms-Platz 9, gleich gegenüber der Laeiszhalle. Dort sind auch die Fotos entstanden vor den Bildern von Nele Budelmann, Irene Andessner und Volker Hildebrandt.

Morgen, den 12.5.2026, ab 17:30 ist Ani zum  IT’S A DIENSTAG mein Talk-Gast. Wir werden mehr erfahren über die Menschen, mit denen sie seit vielen Jahren künstlerisch zusammenarbeit. Wie sie leben, wie ihre Kultur mehr und mehr verschwindet. Eintritt/Gutschein € 25,00. Snacks und Drinks. Anmeldung unter: info@romaetoska.de