Heute mache ich mir einmal den Spaß und wende das Handwerkszeug der Kunsthistorikerin auf den aktuellen Wickelrock an. Ich übe mich wie in einer klassischen Bildbeschreibung. Zunächst die Fakten: Roma e Toska, Wickelrock Bouclé bunt, 2020/21, Wollstoff in den Farben schwarz, hellrot, dunkelrot, lila, grau, khaki, ocker, weiß. Die Materialien stammen aus Frankreich und Italien. Produziert in Hamburg. Ausgestellt in der Poolstrasse, im Kapitänshaus auf Sylt und Online. Provenienz? Wer ihn schon trägt? Nun, ein paar ausgewählte Kundinnen und ich. Kleine Auflage, made to order.

Abb: Vintage Bluse Dries van Noten. Im Hintergrund Terrakotta Objekte von Luca Lanzi, Galerie Holthoff.

Beginnen wir mit der Frontseite, dem eigentlichen Spektakel, denn eine steil diagonal verlaufende Linie gliedert das Modell in zwei Hälften. Die linke Seite ist ein wenig kürzer, die rechte ragt mit einem frechen Zipfel bis zum Knie herunter. Damit entsteht eine schwingende Dreidimensionalität und bei jedem Schritt wippt das zuoberst liegende Element ein wenig vor und lässt das Bein dadrunter hervorblicken.

Wir könnten jetzt von Symbolik sprechen, aber nennen wir es einfach Lebensfreude. Ein raffiniertes Spiel von “angezogen” und “kokett”, das ich als Schöpferin dieses Rockes so liebe. Außerdem gehöre ich zu den Frauen, die weit ausschreiten, schnell gehen, sich auf’s Fahrrad schwingen und im Sitzen ein Bein über das andere schlagen. Damit erzählt dieser Rock auch ein wenig von mir und meinem Alltag.

Das Bündchen ist in einem leichten Bogen zugeschnitten, so dass es weich auf den Hüften anliegt. Als Gürtel-Fetischist ziehe ich den Rock allerdings immer ein wenig hoch und schnüre ihn enger. Dann wird er kürzer, was besser zu meinen Beinen passt. Aber wie in der Kunst, entsteht das Werk erst mit seinem Kontext, in diesem Fall an der individuellen Figur seiner Trägerin.

Meine abschließenden Worte gehören der sogenannten Textur, der Oberfläche. Der Bouclé-Stoff besitzt einerseits die lebhafte Struktur der unterschiedlichen Garne, trotzdem bleibt er flach, als wäre er leicht gepresst worden. Damit trägt er nicht auf, macht nicht mollig, sondern gibt uns lediglich das Gefühl von weich umspielender Exklusivität und Wärme.