Wohngemeinschaften waren in grauer Vorzeit ein Horror für mich. Meist verbarrikadierte ich mich in meinem Zimmer und lernte, die Streberin. Wollte ich raus, so schaute ich auf Zehenspitzen aus meiner Tür nach links und rechts, ob keiner zu sehen war, um dann schnell ins Badezimmer oder in die Küche zu huschen. Wer allerdings behauptet, der Mensch könne sich nicht ändern, der irrt. Unsere Tinnumer Pastorats-WG ist mein Geschenk des Sommers!

Das Haus Kampende 48C, ist keine Schönheit, aber es besitzt eine gastfreundliche Atmosphäre mit seinem verwilderten Garten rundherum. Im ersten Stock gibt es fünf Zimmer, spartanisch eingerichtet mit jeweils einem Bett, einem Stuhl und einer Lampe. Unten zwei große Salons, in denen ich mich und meine Kollektion ausgebreitet habe, ein Atelierraum, die Küche, ein einsturzgefährdeter Wintergarten.


Es ist ein Kommen und Gehen. Die Treppe hoch nach rechts zieht Paco ein, der Philosoph, daneben wohnt Janina, die Predikantin und Assistentin von Pastorin Susanne Zingel. Zur anderen Seite an dem einzigen Badezimmer vorbei ist Birgit Haustedt untergebracht, die Schriftstellerin und Rilke Expertin. Für mich bleibt das letzte Zimmer mit Sonnenaufgang. Die Theologin Dr. Katharina muss unten im Atelier auf der Matratze vorlieb nehmen, geht auch.


“Birgit T. räumt nie auf”, höre ich aus dem Salon über mich lästern, stimmt, ich schaffe ständig wachsende “geologische Alltagsschichten”. Birgit H. kann dafür kochen, Paco philosophiert im Garten, Katharina hört zu, und Kurzgast Steffi verstaut manisch die Restkrümel in Plastik-Aufbewahrungsbeutel. Janina reserviert die Dusche für 7:15 Uhr, Bonnie räckelt sich genüsslich und Katerchen kommt zurück von seinen Streifzügen. Ich schreibe.


Einer inneren Uhr folgend, habe ich den Tagesplan im Kopf: 8:45 Uhr Aufbruch zum Strand (die Gelehrten unter uns ignorieren das Meer, vertieft ins Gespräch). Nach dem Bad gibt’s die Camping-Brötchen von Bäcker Speck, das Rührei vom Grafen und meine selbstgemachte Marmelade. Jawohl, Confiture à la Brigitte, wenn ich sonst ein Küchen-Looser bin, die kann ich. Die Geschirrspülmaschine braucht 3:55 Stunden, die Waschmaschin 2:40 Stunden. Ich schreibe weiter.


Paco reist ab und wär doch gern geblieben, Katharina verlängert, Katrin Ribbe, die Fotografin und Artist in Residence, trifft aus Hannover ein. Sternschnuppen in der Nacht. Dazwischen findet man uns auf Sylter-Society Partys abgelichtet. Scheint, als ließe die gut gelaunte Truppe nichts aus.



Im Kühlschrank drängeln sich Hafermilch und Käse, die Weinbestände werden ständig nachgefüllt. Jefferson, der Hairstylist, und Michel, sein Mann, belegen das Zimmer hinten links für’s Wochenende. Besucherinnen lassen sich friesieren und meine Salzwasser-Locken werden elegant geglättet. Pizza in der Nacht.



Nächste Runde. Morgen kommen die Künstler*innen Monika Czosnowska, Bernhard Prinz und Claudia Pegel, Vernissage am Dienstag, den 18. August, 17:30 Uhr in der Kapelle. Betten abziehen, waschen, neu beziehen, saugen, fegen, wischen. Wer denkt, ich bin nur “Kulturwesen”, der irrt. Hauswirtschaft ist Teil meiner neuen Bestimmung. Good Morning – Good Night!

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FLIEGENBAND KOLIBRI, MULTI
€98,00 inkl. Mwst. -
KARO BLAZER, MULTI
€898,00 inkl. Mwst.



