Es wird nur ein kleiner Beitrag heute Morgen, der Lust machen soll auf die Vernissage später am Abend (18 – 21 Uhr) mit der Anwesenheit von zwei der drei Künstlerinnen: Sylt goes Hamburg. Meine Tochter Toska konnte nicht aus Paris kommen, sie bereitet gerade eine Ausstellungs-Performance in Brüssel vor. Darum übernehme ich in Absprache mit ihr die Installation der “Spinnweben von St. Severin”. Zuerst muss ich den Raum neutralisieren, alles raus, was raus kann, um eine Leere zu schaffen für das Neue.

Vorsichtig entmantele ich die “Große Schriftrolle” mit dem Spinnwebengeflecht aus dem Pastorat und der Kirche St. Severin in Keitum auf Sylt. Wie wird sie aussehen nach dem Transport? Ein Hauch von beinahe Nichts, das frei zwischen den beiden Plexiglas-Scheiben schwebt oder sich an sie anschmiegt. Eine Transformation ist geschehen, die zu dem Objekt gehört und sich vielfach interpretieren lässt. Nichts ist verlorengegangen, aber es sind Risse entstanden, die sich nach hinten hin wieder verknüpfen, als wollten sich die Fäden ihrer Zugehörigkeit vergewissern. Das Objekt hat sich auf poetische zarte Weise an die veränderten Umstände angepasst, ganz so, wie es die Spinnen über Jahrmillionen machen.

Ich setze mich auf die weiße Superonda, das berühmte italienische Design-Möbel aus den siebziger Jahren, und lasse den Raum mit der Arbeit von Toska auf mich wirken. Das pinke Sofa von Poala Lenti muss bleiben, es ist extrem schwer und kann nirgendwo sonst stehen. Ebenso die dänische Holzbank, die ich von Sylt mitgenommen habe. Damit gibt es drei große Objekte, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, außer, dass sie besonders markant sind, was das Ausstellungsarrangement noch komplizierter macht.


Ich hätte ein Filmchen drehen sollen, wie ich die Fotos von Toska im Gebälk der mittelalterlichen Kirche hin-und-her an der Wand fixiere. Mit Kreppbank klebe ich eine Reihe, dann einen Block, eine nächste Reihe, etwas höher, etwas tiefer, ein Stück weiter nach rechts, nach links, ordne die Bildabfolge neu.

Den Sockel mit dem Kelch stelle ich davor. Es kommt auf den Zentimenter an und manchmal auch auf den Millimeter, und am Ende sind es doch die gefühlten Proportionen, die den Ausschlag geben.

Die Fotoarbeit von Katrin Ribbe, die ursprünglich nur die Installation von Toska “Großer Schriftrolle” in der Kirche dokumentieren sollte, erhält gerahmt ein künstlerisches Eigenleben und liefert einen wichtigen Akzent in dem Raum, der nun eine elegante Strenge ausstrahlt.


Und plötzlich fügt es sich. Noch einmal ein prüfender Blick aus allen Perspektiven. Ja, so könnte es funktionieren. Die Bilder schicke ich Toska nach Paris. “Mondieu, nice!”, kommt als Antwort. “Crazy, schön!” – Ehrlich, ich bin auch begeistert. Darüber wird es Abend und schummerig, das Licht diffus, und ich spüre bei jedem flüchtigen Vorbeigehen den Zauber der Spinnweben von St. Severin in ihrem neuen Zuhause.

Wer Zeit hat, kommt heute ab 18:00 Uhr vorbei: Johannes-Brahms-Platz 9, gegenüber der Laeiszhalle. 4. Stock mit Fahrstuhl. Stoßen wir an auf “Sylt goes Hamburg“. Dann werden auch die Arbeiten von Monika Czosnowska und Katrin Ribbe zu sehen sein.

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GRID JÄCKCHEN, BEIGE
€598,00 inkl. Mwst. -
BLAZER WOLL-CRÊPE, CREME
€698,00 inkl. Mwst.



