Es ist Trend, alles übereinander zu tragen. Nicht neu, aber alle Jahre wieder, Chanel macht es vor und auch auf den anderen Laufstegen ist es zu sehen. Man nennt es stylisch den “Lagenlook”, leicht über schwer oder umgekehrt, dick über dünn, transparent oben oder unten… Von Anfang an reizten mich die bestickten Tülle mit ihrem Grid (gitterartigen) Muster, federleicht und doch robust, mehr als ein Nichts in Kombination mit einer Bluse oder einem Hemd. Beinahe ein Ersatz für einen Blazer, aber es geht auch im Duo. Der Lagenlook hat nichts mit Kälte oder frieren zu tun, sondern ist ein lässiger experimenteller Umgang mit Mode.

In den vergangenen Tagen verarbeitete Anne sorgfältig an den bestickten Tülle, Rechts-Links-Nähte, Kragen und Unterkragen,  breiter Saum, schmale Manschetten. Die handwerkliche Präzision ist wichtig für die Wechselwirkung von sichtbar und unsichtbar. Währenddessen schiebe ich Stoffschnipsel hin-und-her, wähle Knöpfe aus und mache aus dem Grid-Jäckchen einen optischen Alleskönner.

Begonnen haben wir mit dem Gitterjäcken aus Beige-weißem Bouclé-Garn, Bändchen aus zartem Rosenholz und Lindgrün. Raffiniert zwirbeln sich dazwischen schwarze Fäden mit Lurex umwickelt, Orange, Silber und Türkis als Verlauffarben. Federico und Antonio, die Stoffkünstler aus Italien, scheinen geahnt zu haben, wie vielfältig ich dieses Modell kombinieren möchte.

Wer Angst hat, so ein Leichtgewicht wäre nichts für den Alltag, der irrt, man könnte damit den Garten umgraben und im Anschluss daran ins Theater gehen. Kein Problem, vielleicht nur einmal die Hände waschen und die Schuhe wechseln.

Taglia Scarpe, Budapester Pumps bordeaux (€ 450), Fliege Kolibris (€98)

Das nächste Grid-Jäckchen in Blau-Orange ist eine Bestellung für die Freundin aus Köln. Sie wünschte sich dazu die ornamentierten Muschelknöpfe, eine edle Variante. Und wenn wir schon mal dabei sind, fertigen wir zusätzlich noch ein Unikat mit Vintage Knöpfen aus einer Sammlung. Ich sag nur: spielerisch mit Mode umgehen, der Fantasie keine Grenzen setzen, dann entsteht etwas Einzigartiges.

Einzelstück mit gemischter Vintage Knopfleiste (links), in der Mitte die Muschel-Ornament-Knöpfe, rechts eine weitere Variante.

Auch dieses Jäckchen möchte fotografiert werden trotz Nieselregen. Die Kulisse ist das blaue Geländer im Park gleich vor der Tür. Unbeirrt trabt ein Jogger an mir vorbei. Eine Nachbarin bleibt stehen und fragt, ob ich mit diesen Fotos berühmt werden möchte. Nein, keineswegs, aber das Jäckchen möchte!

Nächstes Foto mit dem Spencer Blazer darüber. Ein Herr möchte assistieren. Vielen Dank, mach ich lieber selbst mit meinem Ministativ, das etwas kippelig auf dem Geländer schaukelt. Fühlt sich gut an, meine Kombi mit der shabby-chic Marlene Jeanshose und dem alten Gürtel von Yves Saint Laurent um die Taille geschnürt. Klick. Klick!

Anschließend wieder oben auf dem Balkon. Ich schreibe und Katerchen ist besorgt, was mir noch alles einfällt. Oder besser: nicht besorgt, sondern neugierig. Denn so langsam komme ich in Schwung, könnte als Nächstes von den Trendfarben “Yellow Clash” und “Rosiness” berichten, die sich durch das Jäcken No. 3 schlängeln. Aber soweit ist Anne noch nicht, das steht erst in ein paar Tagen an. Dafür such ich mir die Herbstblümchen als Kulisse.

PS: Das Grid Jäcken ist kastig geschnitten und endet kurz über bzw. auf der Hüfte. Die Ärmel sind großzügig weit, damit darunter komfortable eine Bluse oder ein dünner Pullover passen. Ich trage die Größe S.