Die Lichter der ausgehenden Nacht glitzern auf dem Wasser, am Himmel wird es langsam hell. Paris revielle, Paris erwacht. Es ist 7:30 Uhr, wir stehen unter der Trauerweide an der Spitze der Île de la Cité. Man hört das Grummeln und Poltern der alten Lastenkähne, die rechts von uns vorbeifahren, dunkle Ungetüme. Auf der anderen Seite, der Rive-Gauche, wirkt es noch ruhig, fast verschlafen. Es ist der 21. Oktober, Geburtstag meines Mannes, der sich wünschte, dass wir hier um ihn trauern oder besser ihm gedenken und seinen letzten Willen erfüllen.

Stumm nehmen wir uns drei an die Hand und blicken flussaufwärts, der Louvre, die Tuillerien. Wie schön Paris ist. Um uns herum bilden die Äste und Blätter einen Raum wie in einer Kapelle. Dann steigen wir die schmalen dunklen Steinstufen hinab und lassen Toskas Blüten aus Zwiebeln in die Seine.


Der Ostwind nimmt sie mit, lässt sie sanft zwischen den herabhängenden grünen Bändern von uns treiben als wären sie seine poetische Eskorte.

Wenn die Trauerweide blüht, versprach er als junger Mann, wird er wieder hier in Paris sein. Er hielt sein Wort und kam zurück im nächsten Frühjahr. Das ist viele Jahrzehnte her. Paris in den sechziger Jahren, Revolten, Liebe, Kunst, ein Bohemian Leben, das sich tief in ihm verwurzelte.

Eine Weile sitzen wir auf den kalten Steinen und blicken den Blüten hinterher, Arm in Arm, jeder in seinen Gedanken, bis die Lichter der Stadt ausgehen und der Tag übernimmt. Leise Tränen, die sich mit dem Lächeln der Erinnerungen verbinden. Davon wollte ich erzählen, und dass es liebevoll in die Zukunft reicht.

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