Ein Film und ein spontaner Abend mit Philipp Hochmair, dem Schauspieler, dem Jedermann, Mephisto, Werther, der alles gibt, laut und erratisch und doch ganz still und privat sein kann. Wie immer läuft es spontan zwischen uns, mal meldet er sich, mal ich, dazwischen große Abstände, ein Jahr und mehr. So auch vor ein paar Tagen: “Lieber Philipp, Du bist in Hamburg, wie ich gerade gelesen haben … Wollen wir was machen? Hättest Du Lust!” – “Das ist aber nett. Sehr gerne”, antwortet er, wenige Minuten später.

Zeisekinos Hamburg. “Jedermann und ich” heute Vorstellung um 20:00 Uhr.
Der Film “Jedermann und ich” lief gestern um 11:00 Uhr im Zeisekino, und für den Apero ab dem frühen Abend lud ich ein paar Freundinnen und Freunde ein, dazu gab’s ganz simpel von Roma die Makrelen-Butter und Brot, Wein, Kerzen in der Wohnung verteilt, Kunst rundherum, Bonnie und Kater zwischendrin, sowie ein ungeplantes Gespräch in der Runde.


Ich mag die Wohung, die Rotunde, den Abendhimmel, die private Atmosphäre und wie sich jeder eine Sitzgelegenheit schnappt und alle miteinander ins angeregte Plaudern kommen. Das ist für mich bester Salon-Gedanke, unkompliziert und improvisiert.


Bloß keine Standards fragen, keine Lebensnacherzählung einfordern. Beginnen wir bei dem Film und seiner Intimität, die teilweise verstörend wirkt in ihrer Offenheit. Die Regisseurin Katharina Pethke versucht sich dem Künstler und dem Mann Philipp Hochmair zu nähern, indem sie ihn einlädt mitzumachen, mitzuspielen, sich zu zeigen. Wer ist dieser Mensch? Gibt es diese Trennung von Schauspieler und Privatperson überhaupt? Die Aufnahmen entstanden 2013/14. Dazwischen ist viel passiert, zum Theater gesellte sich der Film, kam die eigene Band mit Jedermann Reloaded (Konzert am 21.10. in der Elbphilharmonie, es gibt noch Karten).


Wo ist der Schutzraum des Künstlers? Jetzt, nach all den Jahren und den verschiedenen Umschnitten des Filmes, könne er ihn sich wieder anschauen, hat die nötige Distanz gefunden, erzählt er. Die durchgängigen Schwarz-weiß Aufnahmen helfen dabei zu entfremden. Herrliche Sequenzen gibt es dazwischen so zart und fein, wie ein liebendes “Catch-me-if-you-can!”. Keiner weiß, ob es irgendwo hinführt oder sich selbst genügt.


Und die Langeweile, die Routine, wie geht der Rastlose damit um? Er liebt das Spiel und das Spielen, antwortet er, in der Wiederholung entdeckt er ständig Neues. Auf meine Frage nach Wunschrollen und Traumrollen weicht er aus. Neue Möglichkeiten würden zur rechten Zeit sich ergeben. Innerlich applaudiere ich, dass er mir entwischt. Nicht alles preisgeben, also doch. Manche Geheimnisse gehören nur einem selbst.



Dann bin ich gespannt auf die nächste Textnachricht: “Bin in Hamburg.” – Und ich werde antworten: “Lass uns was zusammen machen? Soll ich einladen?” – Hoffe, dass die Antwort ist: “Ja gerne!”

Danke Philipp für diesen zauberhaften Abend, der wie jede Theateraufführung einmalig bleibt.
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