Sie lässt das Essen anbrennen und kann keine Knöpfe annähen. Von dieser Sorte Frau gibt es sicherlich viele, ich gehöre dazu. Aber ich kann zuschauen und genießen wie Roma kocht und wie Anne den neuen Blazer näht. Mein Part ist die Idee, sind der Entwurf, die Proportionen, Details, Zutaten und Kombinationen. Für alles andere braucht es die Erfahrung und das Geschick der Meisterhandwerkerin. Ein Bericht aus dem “Maschinenraum” der Couture.

Als erstes gilt es die technischen Vorgaben zu klären. Wie sind die Einlaufwerte, wenn der Stoff gebügelt wird? Welche Partien müssen mit textiler Einlage beklebt werden, damit das Modell seine richtige Form erhält und das Material robust Langlebigkeit gewährt? Wie bei der Glitzer-Coco-Jacke wird der Rumpf mit dünnem Vließ versteift, bei den Ärmeln sind es nur die Kanten, die fixiert werden müssen.

Es ist wichtig, bei jedem Fertigungsschritt die aufwendige Webstruktur zu berücksichtig, die langen Schlaufen, die ganze Reihen überspringen. Faszinierend, wie sich Farben und unterschiedliche Garne verknüpfen. Fast so schön, wie ein abstraktes Gemälde: Grün und Khaki, Orange und Lachs, Variationen von Rosé bis Flieder, Kupfer und Gelb. Manches glitzert sanft, anderes ist wollig-weich

Die Vorbereitungen brauchen Geduld, lassen sich nicht industriell in mehrfachen Lagen zuschneiden. Hier braucht es die handwerkliche Meisterschaft, die man später beim Tragen der Jacke spürt und die sie zu einer geliebten Begleiterin macht. Fast könnte man sagen, jedes Modell ist ein Unikat.

Sie müsse nur noch die Ärmel einnähen, meint Anne, da ist es schon 16:00 Uhr. Neugierig verfolge ich das “Nur”, wie sie eine Naht wieder auftrennt, weil ihr die Passform nicht präzise genug ist, anschließend die Schulterpolster, die sie sorgfältig mit kleinen Stichen einnäht und darauf achtet, dass die Armkugel diesen berühmten Wulst erhält, ein optischer Genuss mit perfekter Passform.

Am Unterkragen zeigt sich das Motiv-Futter. Ich habe für diesen Prototypen die Alpenflora gewählt, aber es gingen genauso die Alten Apfelsorten, Pilze, Kolibris … Jede Kundin hat ihre eigenen Vorlieben für Farb- und Musterkombinationen.

Zum Feierabend ist die zukünftige Coco-Jacke im Oberstoff fertig. Es fehlen noch das Innenfutter, die Knöpfe und wie wir links und rechts die Tasche aufbringen, ob diese eine Patte erhalten sollte oder ob es bei einem schlichten Eingriff bleibt. Eine Entscheidung nach der anderen und dabei beobachten, wie sich dieses Kleinod Stück für Stück ausdrucksstark entwickelt.

Vintage Knöpfe aus rosa schimmerndem Permutt mit ungewöhnlichem Schliff

Montag wird die Orange-Rosa-Schönheit fertig und dann darf sie mit nach Paris reisen für den 72 Stunden Härtetest im Zug, in den Gassen, auf den Boulevards, an den Ufern der Seine, in den Cafés, im Bistros, den Museen und Galerien. Roma, Toska und ich werden meines Mannes gedenken, sein Geburtstag, sein Paris.

Bouclé Coco-Jacke, rosa-orange. Prototyp, halbfertig.

Der rosa Rock muss mit in den Koffer, die Arktische Fauna Bluse, die Ucayalli … Alles Leichtgewichte, die ins Handgepäck passen und faltenlos wieder herauskommen. Wer möchte, bestellt schon jetzt diese besondere Modell. Mit Platzhalter-Fotos steht die Bouclé Coco-Jacke ab jetzt im Shop.