Am vergangenen Dienstag war der mare Verlag bei uns zu Gast, vertreten durch Judith Weber, Leiterin der Buchabteilung, und Martina Wimmer, die als Kulturchefin für die Zeitschrift mit verantwortlich ist. Soll ich gleich mal beginnen, meine Adjektive schwärmend zum Besten zu geben? Nun, denn, die Beiden saßen auf dem roten Sofa und erzählten: kompetent, ruhig und souverän mit einer Bescheidenheit, die Menschen ausstrahlen, die wissen, was sie tun, begeisterungsfähig und engagiert mit einer Vision: verantwortungsvollen guten Journalismus zu betreiben und “Bücher mit Salzwasser und Tiefgang” zu veröffentlichen, die Geschichten zu erzählen, für die das Meer die inhaltliche Klammer bildet.

Judith ist mittlerweile 19 Jahre im Verlag, sie kam als Praktikantin und blieb. Martina ist seit 21 Jahren dort, als freie Journalistin hätte sie sich vorher nie so etwas vorstellen können. Und auch die meisten anderen Redakteurinnen und Redakteure sind dort ähnlich fest verankert, um im maritimen Vokabular zu bleiben.

Martina schildert die redaktionellen Anfänge des aktuellen Heftes mit der Titel-Story über Goethe. Warum nicht den Dichter-Fürsten, flapsig hatte sie es in die Runde geworfen, eine Schnapsidee, aus der eine gründliche Recherche wurde, eine Wunderkammer sich öffnete mit 23.000 gesammelten Objekten, und ein Fotografenpaar, das die Highlights daraus in Weimar fotografierte. Sie liest ein Gedicht daraus vor.

Weiter geht es zu den Büchern. “Radio Silence” von Ulrike Draesner hatte ich vor kurzem vorgestellt. “Was wir von ihr Wissen” von Rebecca Fallon lese ich gerade. Judith beschreibt kurz den Inhalt und warum sich die Redaktion dafür entschied (Vorstellung kommt). Es wirkt so persönlich und nahbar, genauso wie ich mir Verlagsarbeit wünsche.

Dann berichtet sie weiter von dem Klassik-Programm, das hauptsächlich aus männlichen Autoren bestand, aber das sollte sich ändern. Nun freue ich mich auf Elinor Mordaunt, denn Judith berichtete so eingängig von dieser bemerkenswerten Frau und Schriftstellerin und ihren schicksalshaften Reisen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Als der Verlagsgründer, Nikolaus Gelpke, Anfang des Jahres Ausschied, hatte er zuvor gründlich nachgedacht, wie er sein Lebenswerk vor dem Zugriff der großen Verlagskonglomerate sichern könnte. Er kam auf die Idee, aus dem mare Verlag eine Genossenschaft zu machen und die Verantwortung an sein langjähriges Teams zu übergeben.

Die Zwanzig sind nun Genossenschaftseigner*innen, ein kleiner Fischschwarm, der ständig wächst, denn jeder von uns kann für € 500 einen Genossenschaftsanteil erwerben und so miterleben, wie Bücher und Zeitschriften entstehen, exklusiv die Veröffentlichung mitfeiern und helfen, dass der Schwarm nicht von den großen Fischen geschluckt wird.

Ich finde das toll! Vieles erinnert mich an meine eigenes Unternehmen, das im November 25 Jahre alt wird. Da fließt auch eine Menge Meer durch. Wir brauchen solch ein Engagement, von Menschen lektoriert und kreiert mit “Stoffen”, Texten und Übersetzungen ohne KI. Nie mit einem Fingerzeig, immer von Geschichten getragen, die zum Inhalt haben, das Leben zu preisen und das Schöne zu bewahren.

Die Welt vom Meer aus betrachtet.

Danke Judith, danke Martina, wir werden gewiss noch eine Menge gemeinsam machen. Gerne bin ich zukünftig dabei, wenn es darum geht, den Schwarm um einen Fisch zu erweitern!