Es war ein Samstag, der 28. März 2026, als mein Mann frühmorgens sanft einschlief. “Leise gehen, wenn die Party läuft“, habe ich es überschrieben. Heute ist wieder ein 28., ein Montag. Ein halbes Jahr ist darüber vergangen. Es hätte ihm gefallen oder es gefällt ihm, ich weiß immer nicht, ob ich mutig das Präsens verwenden soll oder die konditionelle Vergangenheitsform. Auf jeden Fall gehe ich davon aus, dass er schmunzelnd verfolgt, wie wir Frauen uns durchschlagen. Ich bewege mich durch die Wohnung mit unseren gemeinsamen Möbeln, seinen Büchern, meinen Büchern (selten, dass wir den gleichen Literaturgeschmack teilten), die Bilder an den Wänden, seine Garderobe in den Schränken, die Schachteln mit den Holzfiguren, die sich in den Regalen stapeln, die Vinyl-Schallplatten…. Als wäre er nicht weg oder: als ist er einfach da.

Die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits lösen sich manchmal auf, besonders wenn wir dünnhäutig sind, gedankenverloren ins Nichts schauen oder wenn wir kreativ arbeiten, schreiben und kochen, Spinnweben einfangen, Stoffe kleben und Texte dazu schreiben. Dann sind wir in diesen Zwischenräumen, in denen sich mein Mann so gern aufhielt, versponnen, “nicht ganz von dieser Welt”, wie die Freunde sagten.

Gestern stand ich in der Poolstrasse an dem großen Tisch, der einst unser Esstisch war, nun schneiden wir darauf die Modelle zu oder nehmen unser Team-Frühstück und das gemeinsame Mittagessen ein. Ich mag es, dort zu stehen, übergebeut um zuzuschauen, was Anne und Melle machen, oder um meine eigenen Ideen zu entwickeln.

Im November feiern wir 25 Jahre Roma e Toska. Ich erinnere mich genau, wie alles begann, jede Einzelheit, jede Absurdität, einfach so ohne Plan in die Welt mit all dem dazugehörigen Chaos, wirklich ein crazy Family-Busines. Erst nähte ich die Kleidchen für die Töchter und für Püppi bis die Schränke überquollen.

Mein Mann bastelte das Logo mit den von Roma und Toska handgeschriebenen Namen (Toska konnte das “S” nicht richtig, deswegen ist es umgekehrt). Viele von Euch kennen die Geschichten.

Intuitiv fing ich gestern an, die restlichen Stoffe aus Encyclopédia zu sortieren und die Farbstreifen auszuschneiden für ein Jubiläumsmodell: Ein Doppelreiher Blazer mit der Alpenflora als Futter oder der Arktischen Fauna oder gar beides. Es gibt so viele Erinnerungen an diesen Blazer, den es schon in der Kinderkollektion gab. Fesch sieht man darin aus, angezogen und adrett und doch mit einem Bohemien Twist, der in unserer Familie niemals fehlen durfte.

“Off-Beige” und “Off-Green” erhalten mehr Strahlkraft, wenn man ihnen “Black-Khaki” und “Black-Brown” an die Seite gibt. Dazu die dunklen Knöpfe mit der Grafenkrone, die mein Mann damals im November 2001 entwarf. Neun Zacken müssen darauf sein, mehr gibt es nicht und weniger sind nicht richtig.

Dazu unbedingt ein Tütü-Rock aus dem bestickten weißen Tüll. Hell und dunkel, Höhen und Tiefen, schmeichelnd und warm side-by-side. Eine Kundin kam zur Tür herein und meinte: “Wie friedlich ist es hier.“ Ja, ganz innig und versunken. Sie drehte ihre Runde und verabschiedete sich, um meine Kreise nicht zu stören.

So erzählt sich Roma e Toska über all die Jahre, die vergingen, ausgebreitet in dicken Folianten, auf dessen Seiten sich Unvergessliches tummelt. Schnipsel und Reste, alles fügt sich zu neuen Bildern zusammen.

Als ich heute Morgen im Halbdunkeln auf den Balkon trat, der vom Schlafzimmer rausgeht auf die große Kreuzung, war da eine Rose, obwohl sich der Strauch längst verwelkt vom Sommerblühen verabschiedet hatte. Auf die Zeichen achten!

Der Doppelreiher-Blazer in black-brown ist limitiert, nummeriert und signiert (€898). Rechtzeitig fertig und ausgeliefert zum Juliäum (15.11.2026), kann er jetzt schon reserviert werden (Anzahlung € 500).