Es gehörte zu den Gewohnheiten meines Mannes, leise zu gehen, wenn die Party noch läuft, ein “polnischer Abschied” oder “à la française”. “Mann tritt ab”, wie wir oft schmunzelnd kommentierten. Die Party in Hamburg hatte gerade erst begonnen: improvisiertes Weihnachten in der neuen Wohnung, Sylvester mit Blick auf die Laeiszhalle, Besuch von politischen Salons, von Ausstellungen, die Bahnfahrt durch den Schnee mit den Töchtern nach Polen. Das letzte Fest war die Preview Wednesday upstairs. Zeit für ihn, die Runde zu verlassen, gestern Morgen in der Früh.


Wie oft habe ich über ihn geschrieben, den Grafen, den Koch, den Charmeur, seine Herkunft, seine Geburtstage, seine Rezepte. Alle liebten ihn und warteten gespannt auf mein Buch von unserer Bohemien-Ehe. Er hatte klar definiert, wie er sich vom Leben verabschieden wollte. Umfallen, am liebsten zwischen Blumen, und einfach tot sein. Der Wunsch ist ihm nicht ganz erfüllt worden, aber er ist so still und erfüllt gestorben, dass es sich trotzdem richtig anfühlt.

Eine lang geplante Herz-OP stand an, sorgfältige Voruntersuchungen im Februar, dann die Operation, Komplikationen, Herzstillstand, Reanimation und künstliches Koma. Wie oft habe ich in den letzten Wochen diesen Verlauf geschildert. Danach wollte er auf der Intensiv Station von St. Georg nicht mehr aufwachen. Und hier beginnt unsere Geschichte.

Toska kam aus Paris geflogen, Roma von der Insel Juist, wo sie gerade als Restaurant-Chefin begonnen hatte, Goya, die älteste Tochter, eilte zurück aus ihrem Urlaub. Sie und ich hatten seit Jahren keinen Kontakt, blockierte Telefon-Nummern, Kommunikation nur auf Umwegen. Nun standen wir plötzlich um das Bett herum und schauten auf den Vater und Ehemann, der künstlich beatmet wurde. Es war doch sein Wille, still und sofort zu gehen. Die Älteste aus erster Ehe hatte er zur Advokatin seiner letzten Wünsche gemacht. Aber wann ist etwas zu Ende, und wie lange besteht noch Hoffnung? Wir lernten, uns zu verständigen, einvernehmlich, jeden mit in die Entscheidungen (für das Leben) einzubeziehen.

Täglich besuchten wir Krzysztof oder Tata, wie “Papa” auf polnisch heißt. Wir streichelten seine Hand, massierten die Füße, berichteten von Alltäglichem. Toska und ich wollten ihn mit unseren Schilderungen zurücklocken, was alles noch bereit steht. Die Party hatte doch gerade erst begonnen. Es gab den Tag der schönen Frauen, den Tag der Kunst, die Woche der guten Nachrichten. Jeder für sich hatte etwas Bezauberndes vorzutragen, warum wir ihn liebten, warum er zu uns gehört, gebraucht wird und in unserem Herzen seinen Platz besitzt. Goya und ich hielten uns an der Hand, wenn die Ärzte Zwischenergebnisse vortrugen. Hat das Hirn einen Schaden genommen? Wir lernten Computerbilder lesen. Unmerklich fühlten wir uns verbunden, wie wir es all die Jahre nicht für möglich gehalten hatten. Wir tauschten uns aus, bis wann ein selbstbestimmtes Leben möglich sei, folgten den klugen ehrlichen Empfehlungen des Chefarztes. Jeder neue Tag war wie vor dem 2. Staatsexemen oder dem Rigorsum. Herzklopfen, Übelkeit. Telefonate mit Roma, die auf der Insel ihre neue Küche organisieren musste. Liebevoller Zuspruch von den engsten Eingeweihten.

Jeden Abend die tiefe Erschöpfung spüren, Toska untergehakt, im Hellen und im Dunkeln von der Busstation, Bonnie neben uns trottend, zurück in den 4. Stock und ins Bett. Keine Tränen, stattdessen Zuversicht. Wir sammelten tapfer jedes noch so kleine positive Mosaiksteinchen.

Dann kam die schwere Lungenentzündung vor einer Woche dazu. Wir entschieden uns, das Antibiotika verabreicht werden sollte, aber keine künstliche Beatmung. Mittlerweile konnten wir die Kurven auf dem Monitor routiniert lesen. Sauerstoffgehalt, Atemfrequenz. Wir mussten lachen, als mit meiner ungeschickten Fussmassage die Grafiken komplett aus dem Ruder liefen. “Mami, hör auf, das bereitet nur Stress.” Wir mussten lachen, als ich meinem Mann sagte, er solle nicht erschrecken, wenn er jetzt aufwacht und seine Lieblingsfrauen alle um ihn herum stehen, er wäre noch nicht im Himmel, so etwas Verschöhnliches ist auch auf Erden möglich. Es besteht doch Hoffnung oder nicht?

Aber am Freitag war es klar, dass er gehen wollte, erschöpft, erst die Lungen, dann die Niere, die sich verabschiedete. Sein Wille war so klar formuliert, einfach nur umfallen zwischen Blumen. Wir haben seinen Lieblingswein besorgt, den er so gern in Paris getrunken hat, haben damit seine Lippen benetzt und mit ihm getrunken. Chat Becker spielte “My funny Valentine”. Gestern früh hat er sanft seinen letzten Atem getan, so friedlich. Die Töchter kamen dazu, wir saßen um ihn herum.

Und von Minute zu Minute wurde sein Gesicht entspannter bis in unserer Mitte ein schöner Jüngling lag, der auf seine Reise geht. Seine letzte noch aussstehende Aufgabe in diesem Leben, dass wir wieder zu einer Familie werden, hatte sich erfüllt.
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Liebe Birgit, Roma, Tosca, Goya,
es fehlen oft die richtigen Worte für das Abschied nehmen, auch mir in diesem Fall für Krzysztof, Deinem lieben Ehemann, Birgit und Eurem “Tata”. Deshalb heißt es wahrscheinlich auch immer in “Stiller Trauer”. Was bleibt ist meine von Herzen kommende “Stille Anteilnahme”. Ich sende Euch und Krzysztof einen stillen, verzauberten, blumigen Gruß des Frühlings, der Wiedergeburt und des Neuanfangs.
Nichts geht für immer. Es verändert nur seine Form und hinterlässt Spuren im Sand.
Liebe Birgit,
auch von mir über diesen Weg noch einmal mein aufrichtiges Beileid.
Dein Nachruf hat mich bewegt; Deine fein ausgewählten Worte, tiefgründig und Einblick gebend in das Ehe- und Familienleben.
Alles Gute für Dich und Euch Lieblingsfrauen.
Michaela
45 Jahre lang hatten wir eine On-Off-Beziehung, Krysztof und ich.
Angefangen in den 80ern mit einigen Werbefilmen, er an der Kamera, ich Produktion.
Ende der 80er Anfang der 90er die tolle Zeit in der Rothenbaumchaussee. Ein Zufallstreffen Mitte der 90er vor einem Baumhaus auf den Seychellen wo ich Birgit kennenlernen durfte.
Unsere Nachbarschaft auf dem Gut Neverstaven Anfang der Nullerjahre. Die Zeiten in der Löwenstrasse wo im Winter die Eisblumen an den Scheiben glitzerten weil das Geld für die Heizung fehlte und Krysztof trotzdem aus einer Zwiebel und einer halben Kartoffel ein Menu für uns alle zauberte. Der 80ste auf Sylt mit den inzwischen erwachsenen Kindern. Was hängen nicht alles für wunderbare Geschichten an dieser Zeit, wie z.B. mein Treffen mit Roman Polanski in Paris das Krysztof vermittelt hatte (die beiden hatten auf der Filmhochschule in Lodz studiert). Es könnte ein Roman werden, aber an dieser Stelle halte ich inne. Leider habe ich ihn in den letzten Monaten in Hamburg nicht mehr sehen können. Sein ‘Gehen’ hinterlässt mich sehr traurig, zum Glück aber bleibt die Erinnerung an die vielen gemeinsamen Erlebnisse.
Welch ein berührender Abschied! Aber es ist ja kein Abschied, eher ein Neubeginn – die Familie wieder vereint, der Pater familians zufrieden und in Gedanken
wachsam und stets beteiligt dabei. So kann und wird es weitergehen, immer weiter…….
Liebe Birgit
Meine guten Gedanken begleiten Dich und euer liebevolles miteinander . Mit herzlich, verbundener Umarmung grüße ich Dich
Monika
Liebe Birgit, liebe Roma, liebe Toska,
unser ganz herzliches Beileid! 🕊️
Wir werden Krzysztof liebevoll im Herzen behalten. Was hatten wir für schöne gemeinsame Abende…in der Milchstraße und auf Sylt! Haben ihn bewundert für seine Kochkünste und es uns schmecken lassen.
Ihn hat immer eine so besondere Aura umgeben!
Ganz viel Kraft für Euch in dieser schweren Zeit, die aber dann doch noch in einer von ihm lang ersehnten Versöhnung mündete.
Wir denken an Euch.
Kathrin und Jochen
Mein herzliches Beileid
Liebe Birgit,
Mein aufrichtiges Beileid sende ich Dir und Deinen Lieben.
Ich wünsche Euch viel Kraft und Trost in diesen schweren Stunden.
Die Liebe und Dankbarkeit im Herzen gibt Kraft und Zuversicht.
Liebe Birgit T., wie traurig, aber was für ein
„Schöner“ Tod im Kreis der Lieblingsfrauen !
Wir denken an Sie – Birgit und Erko Rath
Dear Birgit,
I am sending my deepest condolences on the passing of your beloved husband. My thoughts are with you and your entire family. Love to all.
Liebe Birgit, Dir und Deiner Familie mein herzliches Beileid. Der liebevolle Abschied und das loslassen. Der Abschied hat mit Goya, dir und deinen Töchtern ja zu einen versöhnlichen Neuanfang geführt. Ich umarme dich. Ilgard
Liebe Birgit,
mein herzliches Beileid! Auch ich habe von den wenigen Begegnungen mit Deinem Mann besondere Erinnerungen mitgenommen.
Er wird in Frieden ruhen und Euch weiter begleiten, nur anders.
Konstanze
Meine liebe Birgit, Roma, Toska und Goya,
was für ein inniger, liebevoller Abschied, so viele gute Erinnerungen und Energien, die Euch für den Rest Eures Lebens begleiten werden!
Der geliebte Ehemann und Vater ist nicht weg, er ist weiterhin in Euch!! Mit all seinem Charme, seinem guten Humor, seinen Sprüchen lebt er mitten unter Euch fort.
Danke, liebe Birgit, dass Du uns alle teilhaben lässt und diese Nähe zulassen kannst in dieser intimen Zeit des Abschieds. Wenn ich die klugen und herzlichen Beileidsschreiben lese, fühle ich aber auch, dass es stärkt und tröstet, umgeben zu sein von menschlichem Mitgefühl!
So eine gemeinsame Sterbebegleitung bringt die Familie auf wunderbare Weisen auch wieder ganz eng zusammen, das durfte ich auch kürzlich selbst erfahren.
Nun nimm Dir die Zeit, die es braucht, um alles in Würde zum guten Ende zu bringen. Du gibst den Takt vor. Haltet weiter zusammen, die Liebe ist das Wichtigste!
Sehr herzlich Deine Sabine
Ein herzliches Beileid auch von mir. Vielleicht ist ein Trost zu wissen, dass es für Ihren Mann eine Erlösung ist, so war es auch für meine Eltern.
Mein Vater pflegte zu sagen: Nicht traurig, dass es vorüber, sondern freuen, dass es gewesen!
Ihnen und Ihren Töchtern wünsche ich Kraft und Zuversicht.
Meine Liebe Birgit, ich wünsche dir und deinen Mädels ganz viel Kraft, dieses Ereignis -was ja mehr als einschneidend und unfassbar eigentlich auch ist – gut zu überstehen. Ich kann ja aus Erfahrung mit meiner geliebten Mutter sagen, dass sie immer in meinem Geist und Herzen dabei ist und so wird es bei euch auch sein, das kann ich euch versprechen. Gabriele
Was für ein schöner, trauriger, berührender Nachruf – auch von mir mein herzliches Beileid und viel Kraft und Zuversicht für die Lieblingsfrauen ! Die Liebe bleibt …
Betrübt über die Nachricht vom Tod Deines geliebten Mannes, sende ich Dir und der ganzen Familie mein tiefes Beileid. Möge Gott euch alle in diesen schwierigen Zeiten beschützen und begleiten.
Mit stillem Gruß und aufrichtigem Beileid. Wir wünschen Euch viel Kraft für die Zeit des Abschieds.
“Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei:
aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.”
-1. Korinther 13,13-
Ein Stiller Gruß fliegt zu allen die ihn liebten & sehr vermissen werden🩶🙏
Wünsche ganz viel Kraft & Nächstenliebe 🤍
Mein Beileid