Noch einmal kehre ich zurück zu diesem Schicksals-Datum, dem 11. September 2001, “9/11”, das eine Zäsur markiert im Weltgeschehen und im Miteinander der Menschen. In meinem Beitrag vor ein paar Tagen “25 geschenkte Jahre” steckten einige Fehler. Ich vertauschte Monat und Tag und aus 2001 machte ich 2011. Diese sind nun korrigiert, aber ich frage mich, warum es zu diesem Kuddelmuddel in meinen Kopf kam. Vielleicht ist es das irritierend Gegenwärtige dieses Terroranschlages, dass die Zeiten sich verwischen und sich das Geschehen von damals nicht mehr trennscharf darstellen läßt.

Simon Hehemann, Installation “Wie die Teile fallen”, 2026. Galerie Feinkunst Krüger Hamburg.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb heute morgen in ihrem Newsletter, dass 9/11 aus “einer Nation der Furchtlosen ein Land der Furchtsamen” machte. Es könnte immer und überall wieder passieren, das war und ist die grausame Botschaft dahinter, aus der sich das tägliche Mißtrauen speist. Wir sind verwundbar als Einzelne, als Gruppe und als Gesellschaft. Vielleicht habe ich solche Begriffe schon früher verwendet, gewiss. Auf jeden Fall erhielt ich über die versteckten Algorithmen auf Instagram täglich Reels über Rescue-Rooms, Escape Spaces, luxuriös eingerichtet, damit wir auch den Notfall stilvoll begehen. Anschaulich wurde dargestellt, wie man die edlen Schutzräume schnell erreicht, Türen in letzter Sekunde verschließt, um sich so über einen gewissen Zeitraum vor der Gewalt von außen zu schützen.

Wie schrecklich. Ich möchte nicht mit solchen Alternativen leben. Ich möchte frei durch die Straßen schlendern und lächelnd nach links und rechts grüßen. Ich möchte keine Angst mit mir herumtragen, keine Vorverurteilungen hegen gegen Menschen mit Bärten und dunkler Haut (ehrlich, das ist manchmal gar nicht so einfach, aber es muss gelingen).


Mein ganzes Leben (auch schon als Kind) folge ich einem spontanen Reflex, wie kann ich das Böse umdrehen in etwas Gutes, Negatives in Positives verwandeln. Ich werde diesen Gedanken heute mit mir tragen, selbst oder gerade wegen der verstörenden Bilder von damals. Eine Freundin schrieb mir soeben, dass in ihrer weltweiten Organisation der Falsche an die Spitze gewählt wurde. Vetternwirtschaft und geschickte Manipulation. Weitermachen oder sich zurückziehen? Weiter machen!

Neben mir liegt der kleine Katalog von Dries van Noten zu seiner Ausstellung in seiner Fondation in Venedig: “The only true protest is beauty“, Provokation und Transformation. Handwerk ist für ihn Träger von Emotionen.

Machen wir es wieder klein, schaffen wir neue Inhalte und Werte durch das, was wir gerne tun, wo unsere Talente ruhen. Ein Anfang. – Und plötzlich schickt mir Instagram Angebote von verwunschenen Schlössern und cosy Tiny Houses in wilder Natur.
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