Roma ist zurück aus Norwegen, wo sie zweieinhalb Monate als Köchin arbeitete, zwischen atemberaubenden Fjorden und Bergen, mit einem Himmel, an dem eine Weile die Sonne nicht unterging. Sie hat es genossen, ins Wasser zu springen, das zum Schluss nur noch knappe 10°C besaß. Tausche Natur gegen Stadt. Aber halt, ich entführe sie noch schnell in meinen ganz eigenen Dschungel mit handbestickten und bemalten Stoffen aus dem echten Tropenwald, auf denen sich Schlange, Kolibris und Meerjungfrauen tummeln. Sie ist mein Model mit den frisch geröteten Haaren und der bleichen aristokratischen Haut, auf die sich keine Sommersprossen verirren.

Ich mag dieses Foto, es zeigt den Charakter meiner Tochter, selbstbewusst, von dieser eigenwilligen Schönheit mit einer Prise Ungeduld und Protest. Sie kann edel und trashig, low- und high-fashion. Vielleicht habe ich deswegen diesen Hintergrund gewählt mit dem Bauzaun vor der Tropenhalle im Park von Planten un Blomen. Sie trägt die Iskonawa Bluse aus schwarzer Baumwolle mit handbemaltem Kragen und Manschette, sowie den soeben fertig gewordenen Faltenrock aus dem großen Kunstpaneel der Shipbio Conibo aus Peru. Dazu ihr geliebter Gürtel von Vivienne Westwood.

Wir laufen ein Stück nebeneinander her, am liebsten würde ich sie fragen, wie sie die letzten Wochen und Monate verändert haben. Aber das spare ich mir für später auf, es passt nicht zwischen die Foto-Sequenzen. Und doch ist jedes Bild eine unterschwellige Befragung. Ob sie sich traut, auf dem Baumstamm zu balencieren, frage ich sie. Ich könnte sie halten. Nein, sie vertraut sich lieber selbst. Ich muss schmunzeln, “überleben trotz Mutter”, war doch immer die Devise von uns beiden auf Augenhöhe.

Den Mantel trägt sie, als wäre es ihrer. “Gefällt er Dir?” will ich wissen. “Hast Du eben schon gefragt”, antwortet sie. “Habe ich? Und was Du geantwortet hast.” – “Ich finde ihn schrecklich!”, meint sie frech grinsend und dreht sich weg. “Also gut?” – “I love it. I want!” – Wir lachen, das wollte ich hören! Anne und ich haben die vergangenen Tage daran gesessen. Jeder Faden der aufwendigen Stickerei ist an den Schnittkanten mit der Pinzette eingefangen. Sorgfältig haben wir die Schablonen gelegt, damit die Bild-Erzählung erhalten bleibt. Am Unterkragen zeigen sich die Kolibris, der Beleg ist aus bemaltem Stoff. Dies Modell ist schmaler als der erste Mantel, aber genauso ein Piece of Art, ein Unikat.


Für Roma war Mode schon immer Ausdruck ihrer selbst. Als Kind trug sie drei, vier Röcke übereinander, und wenn ich mein Mißfallen äußerte, erwiderte sie, dass ich doch erklärt hätte, dass jeder tragen soll, was er mag. Stimmt, hatte ich. Und so stolzierte sie als “More-is-not-enough” in die Schule. Für sie gab und gibt es kein “passend” oder “unpassend”. Roma ist Roma, man kann sie nicht erfinden. Sie erfindet sich selbst.


Und ich bin jedes Mal stolz, wenn ich etwas kreieren kann, das ihr Prädikat “I want!” erhält. Entworfen für Frauen, die sich nicht drum scheren, was die anderen sagen, wenn es um Mode und Geschmack geht!

Indigene Ketten aus Peru (je € 150)
“War’s das?” – “Ja, das war’s (für heute).” Insgeheim freue mich schon auf das nächste Fotoshooting, vielleicht morgen. Jetzt drängt sie mich zum nächsten Flohmarkt, dann will sie noch Bummeln, ein paar Dinge zum Essen einkaufen. Später geht’s ins Kino, morgen in die Ausstellung … dazwischen abhängen und plaudern. Dann frag ich sie: “Wie haben Dich die letzten Monate verändert?” – Ähnlich, wie sie mich verändert haben? Und ich erzähl ihr von meinem Traum mit den Schmetterlingen…
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SHIPIBO-CONIBO MANTEL, MULTI
€2.200,00 inkl. Mwst. -
SHIPIBO-CONIBO FALTENROCK, WEISS-SCHWARZ
€890,00 inkl. Mwst.



