Kaum ist sie hier, ist sie auch schon wieder weg, das haben Kinder so an sich, egal, wie alt sie sind. Eltern sind eine Zwischenstation auf der Suche nach dem eigenen Leben. Diesmal ist es ein “Ausflug” für meine Tochter Roma, zunächst nach Brüssel, dann weiter nach Paris und Toulouse sowie auf dem Weg zurück mit Station in Berlin. Ein Teil aus unser Kollektion wird sie begleiten: “Tagebuch einer Jacke”, so Romas Idee, mit der sie mich lockte.

Die “Entstehungsgeschichte” beginnt mit der Kunst von Daniel Renfigo Silvano aus dem Dschungel Perus. Er hat die beiden Sackleinen-Stücke bemalt. Der Puma soll es unbedingt sein mit den beiden Schlangen zu seinen Seiten, mystische Wesen der Indigenen. Die Jacke wird kürzer als die anderen, was an der Höhe des Motivs liegt, aber es gefällt mir ebenso und passt zu Romas Figur.

Anne und sie besprechen die Details, was wo hingehört, wie die Muster für Kragen und Manschetten aussehen, welches Futter am besten passt: die Kolibris, so ihre Wahl.

Dann ist die Schneidermeisterin an der Reihe. Sorgfältig fügt sie die Schnittteile aneinander. Der Ärmel entsteht aus dem dünnen Pergament-Stoff, den Frederico und Antonio aus Italien extra für uns entworfen haben. Das Material besitzt die Leichtigkeit (und ist doch extrem robust) und die abstrakte Neutralität, die zu den Malereien passen.

Erste Anprobe. Die Größe XS passt perfekt und fügt sich zu den verschiedenen Outfits. Was dieser Jacke wohl alles noch widerfahren wird? Wem sie begegnet? Dem Professor für Anglistik, zum Beispiel, der aussieht wie ein Wikinger und mit Roma auf’s Heavy Metal Konzert geht.

Bin gespannt auf die Kommentare der Anthropologin und Expertin für die Präkolumbianische Kultur, die Roma auf ihrer Reise besuchen wird, die beiden sind seit langem befreundet. Genauso wie Sibylla, Repräsentantin des deutschen Papierverbandes in Brüssel. Toska in Paris. Der Freund in Toulouse, der Philosophie studierte, anschließend Förster wurde und nun Gartenarchitekt ist. Besondere Menschen.

Nur noch die Knöpfe und die Jacke ist fertig. Heute Abend wird Roma sie zum Dienstag Rentrée tragen und übermorgen geht’s damit in den Zug nach Brüssel. Ich werde es mit meinen Notizen im Skizzenbuch begleiten.

PS: Wer auch so eine Jacke möchte, der kommt vorbei. Es gibt noch vier bemalte Kunst-Paneele, aus denen wir individuelle Modelle schneidern können.