Mein Gast, die Schriftstellerin Birgit Haustedt, und ich, wir könnten ewig plaudern, egal auf welchem Niveau, ob es einfach eine Episode aus der Sommer-WG im Pastorat von Tinnum ist oder Rilkes Duineser Elegien in der Kirche St. Severin in Keitum. Natürlich müssen wir Moby Dick erwähnen oder wie wir am Strand spazierten, vertieft in Gespräche. Zwischendurch berichten wir über das Bad im Meer, die Camping-Brötchen von Bäcker Speck und und und. Gerade diese Potpourri machte unseren Sommer aus, und um den ging es am vergangenen Dienstag in der Poolstrasse 30.

Wir beschreiben Stefan Hartmann, wie er mit donnernder Stimme aus Moby Dick vorlas, und wie es auf berührende Weise in der Seemanns Kapelle widerhallte, gefüllt bis auf den letzten Platz mit unterschiedlichsten Gästen, von schön und reich und klug und neugierig. Lassen wir diese Attribute jedoch einfach weg und sprechen von einer gut gelaunten Zuhörerschaft, die Pastorin Susanne Zingel jedesmal auf ihre besondere Weise willkommen hieß und mit einem Segen in den Abend entließ.

Ganz nebenbei wurde darüber Wasser zu Wein, und die Gespräche setzten sich draußen fort. Auch davon erzählten Birgit und ich, und wie aufgeregt wir waren, abends in der Kirche zum “Midnight Reading”, Stefan, der diesmal die ganze Zerrissenheit eines Rilke in seine Stimme legen musste, und Dmitry Egorv, der Bach an der Orgel spielte und dazu engelsgleich sang. Wie unvergesslich diese Erinnerungen sind.

Dicht gedrängt war das Programm, manchmal nur ein paar Stunden zwischen den Events. Ich vermisse diesen Kick, wenn es sich anfühlte, als wäre es kaum zu bewältigen, das intensive Lesepensum und die Details der Vorbereitungen. Aber dann klappte es doch, und wurde gut und erfüllt mich und uns weit über die vergangenen Monate hinaus. Ach, jetzt müssten Susanne, Paco, Katharina und Katrin da sein … und Janina, die Prädikantin (mit “ä”). Ich war immer die erste im Bad, kurz nach 6.00 Uhr, dann Birgit H., und so gab es die amüsanten Routinen. Auch davon sprechen wir lachend, es ist ja schließlich ein “Rentrée” und kein ernster Vortragsabend.

Kurz schweife ich ab und stelle Philip Hoares Buch “Leviathan oder der Wal” vor, eine breitgefächte Schilderung über ein Jahrhundert, das durch den Walfang geprägt war. “Eine Fundgrube für alle, die nicht von Moby-Dick loskommen”, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung spricht von einer “Fahrt ins Herz des Walreiches”.

Der Kultursommer verlängert sich, wie es scheint. “Das Meer ist immer in meinem Kopf, es hilft mir, mich auf der Erde zu verorten”, schreibt Hoare und spricht mir damit aus der Seele. Die Lektüre gibt es als Geschenk mit die nächsten “Arktische Fauna” Online-Bestellungen.

Und dann lesen wir ein paar Passagen aus Ingeborg Bachmanns Novelle “Undine geht”. Auch so ein literarisches Meisterwerk, das einen begleitet. Ich glaube, was diesen ersten Kultursommer von St. Severin so einzigartig machte, waren die großen Themen, vor denen wir uns nicht scheuten: Liebe und Tod, die existentiellen Zweifel und Fragen an die Welt, wie wir trauern und wie wir Glück definieren. “Die Dinge neu denken”, erfüllte sich als unser Motto an einem ungewöhnlichen Ort in der Kirche, der Kapelle, umgeben von Gräbern.

All das schwang atmosphärisch an diesem Abend mit und ließ uns noch lange beisammen bleiben bei Wein und Prosecco sowie den köstlichen Wal-Snacks von meiner Tochter Roma.


Bild oben: Karo-Tüll Jäckchen in lindgrün, rosé und creme. Ab morgen im Online Shop.
Das “Rentree” geht weiter am kommenden Montag, den 21.9.2026, nur das diesmal die Kunst im Mittelpunkt steht mit der Ausstellung “Sylt goes Hamburg”, UPSTAIRS in meiner Wohn-Galerie mit Blick auf die Laeiszhalle (Johannes-Brahms-Platz 9). Als “Platzhalter” waren “Benedikt”, der Jüngste aus der Serie der Novizen von Monika Czosnowska und der “Kelch” von Toska Tyszkiewicz aus Silberdraht und Spinnweben am Dienstag Abend in der Poolstrasse anwesend.

Monika Czosnowska, “Benedikt” aus Novizen, 2004. Toska Tyszkiewicz, “Kelch”, 2026
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GROSSES TROPENWALD TUCH, MULTI
€249,00 inkl. Mwst.


… vielen Dank für die Nachlese von > La Rentrée… an dem Abend konnte ich bedauerlicherweise nicht in Hamburg sein. Beim Lesen dieses Rsumées wurden aber natürlich auch Erinnerungen wach….an die wunderbaren Veranstaltungen in der Kapelle und der Kirche St. Severin…an die so angenehme Lesestimme von Birgit Haustedt, an die pointierten Zusammenfassungen der Gräfin und auch an den so sehr gemischten, interessierten Zuhörer-/ Besucherkreis auf Sylt.
Vielen Dank nochmals für magische Kennenlern-Momente, Spirits und gute Gedanken im Kopf !
🙏Eine vielschichtig-nachhaltiger Kultursommer, der Hamburg, Sylt, Fashion, Literatur und Philosophie grenzüberschreitend und empathisch-vorbehaltlos zusammengeführt hat.
Herzlichst, Ulla