Ungeduldig warte ich, dass sich eine Lücke ergibt im täglichen Atelierbetrieb mit den Aufträgen, die abgearbeitet werden wollen, und mit den neuen Modellen, die an die Stange gehören. Aufgeregt schiebe ich die exotischen Kunstpaneele dazwischen, die ihre ganz besonderen Geschichten erzählen aus dem Tropenwald von Peru. Daniel, ein junger Künstler der Shipibo-Conibo, hat auch dieses Bild auf Baumwolle gemalt, warm leuchtet das Blau als Hintergrund. Darauf die Schlange, ein mystisches Tier, die Schmetterlinge, vier Frauen in den Ecken sowie Blüten, Blätter und Linien, die zu verschlungenen Pfaden werden. Rot die Umrandung, der Fluss, die Erde.

Wie legen wir die Schnittvorlagen, damit möglichst alles erhalten bleibt und dennoch genügend Platz für eine neue Shipbio-Conibo Jacke ist? Rückenteil, Front links und rechts, Kragen und Manschette. Es muss gelingen. Nicht noch ein weiteres Paneel verwenden, das brauchen wir für die Ausstellung in der nächsten Woche.

Es ist ein sensibles Puzzlespiel, bei dem wir zusätzlich auf die Symmetrie achten müssen. So kann es gehen, das Quadrat mit seiner Komposition erlaubt die Drehung horizontal und vertikal. Dann hebt Anne die Schere wie zu einem “Hab-Acht!” – Soll ich schneiden?” – Ich nicke, und es passiert, Stück für Stück zerlegen wir das Kunstwerk, um eine neues daraus zu machen.

Wo passen die Manschetten am besten hin, sollen sie sich voneinaner unterschrieden oder lieber einen Fortlauf des Bilders zeigen? Entscheidungen, die wir kurz diskutieren und dann einvernehmlich umsetzen.

In jedem noch so kleinen Element steckt der Künstler, seine Herkunft, die Sprache, die sich seine Ahnen über die Jahrhunderte wortlos überlieferten. Die Älteren gaben es vor und die Jüngeren machten es zu ihrem eigenen Vokabular. Nichts wegwerfen. Alles wird aufgehoben und verwendet. Kragen und Unterkragen fügen sich ein. Und ich lauere mit meiner Klarsichtfolie, in die die Mini-Reste wandern. Wer weiß wofür.

Als Futter für den Unterkragen wählen wir den Tropenwald. Und wie selbstverständlich verbinden sich die kulturellen Sprachen miteinander, die Stoffe, die Muster, spirituelle Träume und westliches Wissen wie ein Netz von Beziehungen, von dem schon Alexander von Humbodt sprach.

Ich sitze an meinem Schreibtisch zwischen Ordnern und Notizen, Stoffschnipseln und Stiften. Eigentlich wollte ich aufräumen, aber stattdessen warte ich nur auf Nachrichten, wann es wieder etwas zu sehen und zu fotografieren gibt.

Es dauert Stunden, die unglaublich kurzweilig erscheinen. Ein Unikat entsteht, eine Jacke mit Knöpfen aus Kokosnuss, und doch zugleich viel mehr. Ich kann mich nicht sattsehen.

Intensiv arbeiten wir die nächsten Tage an der kommenden Ausstellung upstairs, Johannes-Brahms-Platz 9, in der wir Stoff-Malereien und Stickereien von Shipibo-Conibo Künstler*innen zeigen, konfrontiert mit unseren Modellen. “Soul Objects – Indigene Kunst und Highfashion Design”. Mittwoch, den 17.6.2026, ab 18:00 Uhr. Unbedingt notieren!
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BLUSEN-JACKE SHIPIBO-CONIBO, BLAU
€1.400,00 inkl. Mwst. -
BLUSEN-JACKE SHIPIBO-CONIBO, MULTI
€1.400,00 inkl. Mwst.




Sehr schön Euch geht es also WUNDERBAR
ICH KOMME GERNE