Ein wenig zögere ich, wie der Titel zu diesem Beitrag lauten könnte. Geht es nun um Roma oder um die Quiche? Ist es ein Rezept oder das Porträt meiner Tochter? Am besten es beides aufzuführen, so wie Roma es nicht trennen würde. Kochen ist ihre Profession und ihre Leidenschaft, wie sie mir immer wieder auf meine Fragen, warum denn nicht die Philosophie, erklärt. Es geht ihr um Ursprünglichkeit, um Genuss und Lebensqualität und schlussendlich um die beste Version von sich selbst. So simpel wird alles miteinander vereint, dass ich nichts erwidern kann. Beginnen wir mit der Quiche Lorraine, einem “Reste”-Essen, einer schlichten Köstlichkeit mit Zutaten, die weniger als zehn Euro kostet.

Roma grinst: “Köche sind Piraten.”

Stundenlang könnte sie über das Kochen reden, über die Philosophie, über Epikur, was sie gleich einkaufen möchte, warum der Wohnungsmarkt in Toulouse so schwierig ist. Wir schlendern über den Flohmarkt, sitzen im Café, später in der Poolstrasse. Sie telefoniert mit Frankreich …. Wie selbstverständlich trägt sie den Pilzrock, dazu meinen alten Pullover mit den Löchern am Ärmel, die bestickte Tasche, als käme diese direkt aus dem Rokoko zu ihr über die Schulter. Alles kein Widerspruch.

Schon als Kind mischte sie alles miteinander, lebte mir vor, wie das Unvereinbare zusammenpasst. Ähnlich wie bei einer Quiche, in der vermengt wird, was sich im Kühlschrank finden lässt. Damit steht sie in der Tradition ihres Vaters und ihrer Großmutter, die im Nachkriegs-Polen eine Kolumne schrieb, wie man aus Nichts etwas kochen kann.

Roma in der Koch-Charts-TV-Serie neben ihrem Vater.

Es gibt mindestens zwei Freundinnen, die schon sehnsüchtig auf das Rezept warten. Und außerdem kocht Roma es für mich, damit ich allein klarkomme, wenn sie wieder zurück nach Toulouse reist. Ich soll also nicht nerven, sondern zugucken, nicht lange rumtüddeln mit der Kamera und dem Handy: Es wird gekocht.

Die Speckwürfel in die kalte Pfanne werfen und erhitzen. (Vegetarierer lassen diesen Abschnitt weg). Den Haiko Kürbis nicht schälen (nie gehört den Namen, scheint aber bekannt), in Würfel schneiden und mit ein wenig Öl in der zweiten Pfanne anbraten.

Eine Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. (Ich bitte sie, es etwas langsamer für das Foto zu machen. Geht nicht, schon sind sie in der Pfanne.) Anschließend den Salbei (oder das Salbei?) in kleine Streifen schnibbeln. Soweit easy, kann ich mir merken. Alles zusammen in die rosa (!) Pfanne geben und noch einen Würfel Butter dazu.

„Butter, butter, butter”, wir erinnern es aus Julia Child, gespielt von Meryl Streep. Es darf ruhig sapschig sein, dient alles dem Aroma. Die Schinkenwürfen dazugeben. Kochen muss nicht ewig dauern, was mich schon mal ziemlich entspannt.

Pro Person ca. eineinhalb Eier, heißt für eine Backform, wie wir sie verwenden, sechs Eier in eine Schale schlagen. (Wieder unscharf, sie ist einfach zu schnell für mich.) Dazu einen Schuss Milch und verrühren. Zur Quiche Lorraine kommt kein Parmesan!!! Wäre ein geopolitischer Frevel.

Die Mengenangaben sind übrigens nur ungefähr, das hat sie von ihrem Vater gelernt. Zum Kochen gehört ein wenig kreatives Fingerspitzengefühl wie eben bei Freigeistern und Piraten. Um uns herum die Stapel mit Kochbüchern, gesammelt in all den Jahren. Inspiration und Bilderalbum. Schon als kleines Mädchen tauchte sie in der Serie “Koch-Charts” für Super RTL auf. Unsere damalige Erfolgsproduktion, in der Kinder gutes Kochen lernten und keine Pizza mit Gesichtern.

Zurück zur Quiche. Zum Ei und der Milch noch ein wenig gutes Öl gießen, eine Prise Salz und etwas Pfeffer. Verrühren. Meine Bilder bleiben unscharf wie die Gemälde von Gerhard Richter. Roma will kochen und keine Hochglanz-Bilder. C’est la vie! Und das Licht in der Küche ist zudem ein wenig schummrig.

Mittlerweile sind die Kürbisstückchen “al dente” (sag ich einfach so), heißt, man kann mit der Gabel reinstechen, ohne dass sie zerfallen.

In der Backform den Blätterteig auf dem Backpapier auslegen und an den Rändern hochziehen, mit der Gabel kleine Löcher pieksen, damit der Teig nicht aufbläht. Bis dahin, habe ich alles kapiert, fühle mich klug und ganz bei der Sache, brauche keine Notizen.

Kochrezepte sind leider wenig poetisch, man hangelt sich wortkarg und mit einer verbalen Einfallslosigkeit durch die Prozesse: Die Kürbis-Mixtur in die Backform schütten, schön gleichmäßig verteilen, darüber das Ei-Gemisch gießen und ab damit in den vorgewärmten Offen bei 200°C für die nächsten 20 min.

Wer so wie ich jetzt E-mails und Texte schreiben würde, stellt sich besser einen Wecker. Roma und ich bleiben allerdings in der Küche sitzen, front row mit Blick auf den Ofen, dazu ein Glas Wein und ein schönes Gespräch.

Katerchen ist dabei. Ich glaube, er hatte wie Roma schon ein Leben davor als Professor, man sieht es an seiner klugen Entspanntheit. Wenn man bedenkt, dass er als Baby das kreolische Essen auf der Réunion genossen hat, dann Berlin, danach die Nordsee-Inseln und nun Hamburg. Bald geht es auch für ihn weiter nach Toulouse.

Hhhmh, wie gut das aussieht. Wenn das Ei noch Beulen schlägt, geduldig ein paar Minuten warten, dann sackt die Delle von alleine ein. Inzwischen decke ich den Tisch und genieße die Vorfreude. Ein Essen für vier Personen oder für Singels für die nächsten zwei Tage (wäre meine Option ab November).

Santé! Auf die Köche, die Piraten, die Freiheit und eine Quiche, die beinahe so viele Varianten besitzt wie das Leben. Auf die beste Version von uns selbst!

Heute gibt es das kleine Seiden-Georgette-Tropenwald-Tüchlein (70×70 cm) als Roma Edition (1 –10) zum Sonderpreis von € 98,00. Denn das Auge isst bekannt mit und damit ist nicht nur das Essen auf dem Teller gemeint.