Versierte Hausfrauen und Hausherren zu deren vertrautem Lebensraum die Küche zählt, können diesen Beitrag überspringen. Sie wissen um Messeinheiten, Zutaten, ob der Ofen vorgeheißt werden sollte oder nicht, sind mal virtuos alchimistisch unterwegs oder präzise wie die Apotheker. Bei mir ist alles, was mit Kochen und Backen zu tun hat, ein aufregendes Neuland. Vor kurzem hätte ich noch gesagt, ich wäre eine bekennende “Nichtköchin”, aber dann machte mich ein Vernissagen-Gast darauf aufmerksam, dass ich nicht damit kokettieren sollte. Kochen und Backen kann jeder!

Es ist 19:00 Uhr. Ich bin gerade von einen Kurztripp nach Hagen in Westfalen zurückgekehrt, darüber ein anderes Mal. Hund Bonnie wartet ungeduldig auf den Spaziergang, im Kühlschrank nichts, und in der Schale liegen schwer angegammelte Bananen. Da ich nichts wegschmeiße und auch noch den Yoghurt esse, wenn er schon brausig schmeckt, bitte ich Roma um ein Bananenbrot Rezept.

Nichts leichter als das, erst alles auf französisch, ich verstehe nur die Hälfte, vor allem, was die Zutaten anbelangt. Dann die Übersetzung, immer noch Schwierigkeitsgrad “advanced”, was mich anbelangt. Bonnie und ich laufen los zu meinem Lieblings Supermarkt in der Schanze, der für mich genau die richtige übersichtliche Größe besitzt.

Dennoch bitte ich sofort panisch um Hilfe, erzähle laut und deutlich, dass ich eine Küchen-Niete bin, so dass es jeder bis hinter die letzten Regale mitbekommt. Eine freundliche Hausfrau bringt mich zum Brandwein-Essig, ein tätowierter Hausbesetzer zeigt mir das Natrium-Salz, Begriffe, die ich noch nie gehört habe und für mich eher in die medizinische Abteilung gehören.

Der Korb füllt sich, dabei dachte ich, ich geh hier mit einem Leichtgewicht von Backpulver und Vanille-Extrakt wieder raus. Stattdessen zwei schwere Tüten links und rechts an der Hand und über der Schulter, und das vor dem geplanten ausgiebigen Parkspaziergang. Logistisch ungünstig. Aber, was man hat, das hat man und so puckele ich mich die nächste knappe Stunde mit meinem Einkauf und Bonnie an der Seite durchs abendliche November-Laub.

Zurück in der Küche, mein Outfit entspricht dem Anforderungsgrad: Joddinghose, Schlabberpullover, Arbeitskluft. Die Zutaten sind ordentlich aufgereiht, die Liste für meine abendlichen Gedächtniskapazitäten allerdings zu umfangreich.

Ich schaue zehnmal, was kommt next, wann ist was wie an der Reihe (ging gleich durcheinander, nur so viel vorab). “Butter, Zucker, Eier und Vanille schaumig schlagen.”

Es ist bestimmt das erste Mal, dass ich den alten Bosch-Mixer in Funktion bringe. Komme mir vor wie als Kind mit der neuen Carrera-Rennbahn. Vorsichtig drehe ich den Hebel auf Stufe 1, nur um festzustellen, dass sich sofort der Block Butter in dem Quirl verfängt. In Würfel schneiden, Roma, Du musst wirklich für Mami alles bis aufs Kleinste notieren. Ärger mit den Verschlüssen, ich hole die beliebte Zange, Schraubzwinge kann noch im Werkzeugkasten bleiben (Ihr erinnert Euch?).

“Die trockenen Zutaten sieben.” Siehste, das habe ich prompt überlesen und stattdessen Punkt 3 vorgezogen: “Milch und Essen miteinander verrühren (um Sauermilch zu erhalten).”

Wo könnte nur ein Messbecher sein? Dank Dr. Google finde ich heraus, das 65ml Milch = 4,3 Esslöffel Milch sind. Etwas schwappt über, ich glaube, damit habe ich die 0,3ml gerissen. Gut, dass ich keine Pralineurin (?) geworden bin.

Die Bananen scheinen die richtige Konsistenz zu besitzen, obwohl sie optisch betrachtet schon längst den Zenit ihrer Existenzberechtigung überschritten haben. Ich mansche, bin moderat stolz auf das bisher Erreichte und schaue Richtung Foto an der Wand. Bin mir nicht sicher, ob mein Mann bis hierhin applaudiert hätte. Aber ich muss es ja schließlich selbst lernen. Hilft nix.

Noch einmal das Milch-Gemisch quirlen und zu den Bananen gießen, vermengen, und … ach, ich habe ja die “Trockenzutaten” vergessen: 225g Zucker, 230g Weizenmehl, 3/4 TL Natron, 1/2 TL Backpulver, 1/3 TL Salz, etwas Muskatnuss darüber reiben. Schon wieder muss ich die Zange zur Hilfe nehmen, um diese verdammten Verpackungen aufzubekommen. Alles verrühren.

Nun abwechselnd in drei Portionen Bananenmus-Milch-Brandwein-Essig (mit “d” oder mit “t”) und Mehl-Zucker-usw. in die Schale zum Butter-Ei-Vanille gießen. Verrühren. Das lass ich den Bosch-Mixer aus dem Museum machen. Putze inzwischen Teile der Küche bis die nächste Partie rein kann.

Hilfe, die Nüsse! Warum ich sie nicht gehackt gekauft habe, ist mir nachträglich ein Rätsel. Ich versuche mich an Roma’s Lieblingssendung “Top Chefs” zu erinnern, da sah es so leicht aus mit dem großen Messer. Bei mir fliegen die Walnuss-Stückchen durch die Küche und es droht ein Finger gleich mitzufliegen. Keine Sorge, es fließt kein Blut, für alle, die jetzt mit dem Schlimmsten rechnen. Zwei Handvoll Nüsse landen im letzten Drittel Mehl-Mix und anschließend in der großen Rührschale.

Ob ich den Ofen vorheizen muss, hat Roma wieder nicht geschrieben und zu erreichen ist sie auch nicht. Geht eigentlich gar nicht, für solche Aktionen bräuchte ich eine Emergency-Hotline. Ich heize vor und suche die Kastenform. Es fehlt der Pinsel, um sie mit Butter auszustreichen. Ich behelfe mich mit Folie. Die Küche muss definitiv aufgerüstet werden.

Wisst Ihr eigentlich, wie schwer es ist, die Schale zu halten, den Teig umzufüllen und gleichzeitig ein aussagekräftiges gestochen scharfes Foto zu machen? Ist es. Keine weitere Aufnahme von mir. Die Form in den Ofen schieben und ca. 35 – 40 min. backen lassen. (Bin eine Zeile verrutscht und sehe nur “ca. 60 min.” (das betrifft die große runde Backform).

Ich lese, zu lange, kann gerade noch einen kompletten Burner verhindern. Der Piekser mit dem Zahnstocher erübrigt sich eigentlich. Trotzdem, der Vollständigkeit halber. An den Rändern ist das Bananenbrot etwas dunkel geworden, aber sonst … Hey!

Es duftet herrlich und … Nun, was denkt Ihr? – Köstlich!!! Es wurde darüber Mitternacht. Der Adrenalinspiegel bleibt unterwartet hoch, dass ich bin 1:00 Uhr noch gelesen habe. Dann heute Morgen raus für das perfekte Foto zum “Das Rescue Mami Kochbuch”. Weiter so, würde ich sagen.

Wer mich heute in der Poolstrasse besucht (11 – 18 Uhr), kann vom “First Banana Brot” probieren, um sich selbst ein Urteil zu bilden. Und morgen gibt es das zweite Bananenbrot, diesmal mit Schokoladen-Guss.