Jeder Mensch hat ein “Ich-denk-an-Dich”, auch die, die sich einsam und verlassen fühlen, wir müssen nur ein wenig überlegen und schon kommen die Erinnerungen hoch, werden vielleicht Sehnsüchte wach oder huscht ein Lächeln über das Gesicht. Die Aktion, das Tun, das An-einen-Denken wird zu einer Personifikation, die alle Wesen mit einschließt, nicht nur uns Menschen. Heute um 15:46 Uhr beginnt kalendarisch der Frühling. Ich gehe spazieren, neben mir Bonnie mit ihrer Schleife. Wir denken an Samy unter dem Regenbogen und ich knote für ihn ein Tüchlein an den Baum.

Weiter geht es. Mir kommt das kleine Kärtchen von Hannelore aus Siebenbergen in den Sinn. Wir kennen uns nicht, sie hatte eine meiner Sylt-Kolumnen gelesen und mir daraufhin geschrieben. “Man kann es üben, diese Momente zu schaffen, die Sinne wieder wach zu rufen, das Lächeln in sich hinein – es soll glücklich machen, und das ist wahrer Luxus”, zitierte sie daraus. Ich hoffe, sie hat die Kraft und Zuversicht gefunden für eine “andere” Zeit in ihrem Leben. Sie bekommt auch einen Seiden-Knoten von mir.

Steffi, Du bist auch ein besonderes “Ich-denk-an-Dich” und die Merseburger Zaubersprüche, von einem Mönch vor über 1.000 Jahren aufgeschrieben, in denen etwas heil wird, wenn man es ordnet, eine höhere Mathematik anwendet, sich die Dinge richtig zueinander fügen. Dafür könnte ich dankbar einen ganzen Baum mit Tüchlein versehen.


Phol und Wodan begaben sich in den Wald.
Dort wurde dem Fohlen Balders der Fuß gerenkt.
Da besangen ihn Sinhtgunt und Sunna, ihre Schwester.
Da besangen ihn Frija und Volla, ihre Schwester.
Da besang ihn Wodan, so wie er es gut verstand:
Wenn Knochenrenkung, wenn Blutrenkung, wenn Gelenkrenkung:
Knochen zu Knochen, Blut zu Blut, Glied zu Glied!
So seien sie zusammengefügt!

Mein inniges Ich-Denk-an-Dich ist in diesen Tagen und Wochen mein Mann. Es geht ihm nicht gut. Wir sind beisammen und erzählen ihm von dem Frühling und all den Geschenken, die das Leben bereithalten kann, von den Blumen im Park und dem Schillern der Sonne auf dem Wasser, den Tüchern in den Ästen, aber auch von dem Olivenbaum vor unserer Tür, wie er kämpft um das frische Grün nach den eisigen Wintertagen.

Mit jedem Einkauf gibt es ein Tüchlein geschenkt, für das Handgelenk, um den Taschengriff getragen, als Einstecktuch. Überlegt, wer Euer Ich-Denk-an-Dich sein soll.

Und wer ganz viele Ich-denk-an-Dichs hat, der kauft gleich ein Bündel Tüchlein dazu.