Coco Chanel sagte einmal, zuerst müsse man den Stoff verstehen, bevor man ihn verarbeitet. Recht hatte sie, das gilt vor allem für die expressiven Materialien der (Haute-)Couture, die ihr Eigenleben besitzen. Wir nehmen uns den Glitzerstoff aus Frankreich vor, entworfen von der talentierten Cathérine Malecki, die über viele Jahre die ausgefallenen Bouclés und Jacquards für Chanel entwickelte. Nun sind wir es, die ausprobieren und prüfen, was der in Streifen komponierte Glitzerstoff will, und was er absolut nicht will. Wichtig ist auf jeden Fall, den Verlauf der waagerechten Fäden und Bordüren zu beachten, damit sie sich über die Schnittteile auf gleicher Höhe fortsetzen.


Die textile Schönheit mag auf jeden Fall nicht jede Maschine und nicht jeden Stich. Unter dem Bügeleisen läuft sie an unterschiedlichen Stellen ein, möchte sich bockig am liebsten auflösen in ihre raffinierten Bestandteile. Kurzum, im ersten Durchgang verweigert sich das edle Material wie ein störrisches Kind. Aber die machen uns ja bekanntlich besonders neugierig und möchten gezähmt werden.


Anne schlägt vor, den Stoff komplett zu fixieren, heißt mit einer Einlage zu versteifen, was ihm seine “Eigenmächtigkeiten” verbietet. Aber das will ich vermeiden, denn für mich braucht er den weichen Fall, die Beweglichkeit, die mit jedem Schritt mitgeht und sich deswegen so angenehm bequem anfühlt.

Aber bändigen müssen wir ihn schon, denn er soll langlebig und robust sein, seine Form bewahren, die Nähte müssen halten, damit der Rock zu einem täglichen Begleiter wird, mit dem man die Treppen hinauf-und-hinab laufen kann, im Wald wandern geht, die Nächte durchtanzt. Einfach in den Koffer stopfen, um auf Reisen zu gehen, im Regen am Times Square von New York oder im Glitzerlicht von Rio de Janairo (denk ich mir so aus). Ersteinmal muss er sich jedoch an mir im Park bewähren.


Ucayali Bluse und Vintage Armband, Italien 1970 (€ 550)
Es ist gelungen! Weich schmiegt er sich an Taille und Hüften. Die Querstreifen waren eine richtige Entscheidung, nicht senkrecht, auch darüber haben wir intensiv diskutiert. Sie machen keineswegs mollig, im Gegenteil sie modellieren unsere weibliche Figur und entsprechen der Charakteristik des Stoffes. Der wollte quer! Und das passende Futter kann sich jeder selbst aussuchen (hier die Kolibris.)

Die Länge des Wickelrockes ist noch variabel. Ich überlege, ob ich noch ein paar Zentimeter dazugeben sollte oder beinstraffendes Pilates verabrede, mich doch zu einer Strumpfhose entschließe. Das lässt sich alles machen, wir haben den Schnitt so angelegt, dass er flexibel verändert werden kann. Jedes Bein und jede Figur ist anders. Und ein wenig ladylike sollte man schon in diesem Modell sitzen. Ich lerne das auch noch.


Mutig probiere ich mich im T-Shirt-Rock-Experiment, wie im letzten Beitrag beschrieben: Ucayali-Tropenwald-Bluse, schwarzes Hemd oder Slogan-T-Shirt, mit Schmuck, ohne Schmuck, auf jeden Fall müssen es die Budeapester High-heels von Taglia Scarpe sein. Sexy und trotzdem saubequem, fast so wie ein Hausschuh.

In letzter Minute werfe ich mir noch den Vintage Burberry Trench von meinem Mann über die Schulter. Cool. Das ist mein Look für heute!
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GLITZER-WICKELROCK, MULTI
€1.200,00 inkl. Mwst. -
BLUSE UCAYALI, MULTI
€698,00 inkl. Mwst.




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