Die Überschrift ist viel zu lang, aber sie führt so poetisch zu dem, was mit einer gehörigen Portion Absurdität gerade wahr geworden ist: Roma e Toska wird im Juli und August wieder auf Sylt sein. Wo? In Keitum in der Kapelle auf dem Friedhof von Sankt Severin. Allein der Gedanke daran zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht. Ich finde es “himmlisch”! Genau das, was ich liebe, dieses Nicht-Vorhersehbare, diese “abandoned places”, die irgendwie zu mir kommen: das Elbschlösschen, das Herrenhaus, der Tempel und nun die Kapelle aus dem 19. Jahrhundert, die verwunschen inmitten der alten Gräber liegt.

Solche Verrücktheiten geschehen nicht ohne Verbündete. In diesem Fall war es die Pastorin Susanne Zingel, die auf die geniale Idee kam, ihre unbenutzte Kapelle mir anzubieten. Vor ein paar Tagen hat der Kirchenrat einstimmig sein OK gegeben für ein ambitioniertes Kulturprogramm von Literatur, Kunst, Philosophie und Religion, von Sternen und Seefahrer-Geschichten, Delfter Walen und Encyclopedia Mode. Das Motto dazu:

Ein Ort, um die Dinge neu zu denken.

Wer alles dabei sein wird? Ich sammele noch. Überraschend begegnete mir gestern das Ehepaar Dr. Josef Kleinheinrich und seine Frau Bernadette. Es gibt keine Zufälle. Natürlich werden wir etwas gemeinsam verabreden. Mit Robert Eberhardt von Felix Jud traf ich mich morgens zum Brainstormen. Zum Auftakt des Sommers stellen wir unsere Lieblingsbücher vor. Ein anderes Mal geht es um das Buch der Gräber. Er veranstaltet seine Strand-Lesung und ich mein Midnight Reading, wenn im August die Sternschnuppen vom Sylter Himmel regnen. Ich wünsch mir was!

Roma und ich werden unsere Reihe fortsetzen “Töchter erklären Müttern die Welt”. Vielleicht reden wir über die Wette von Blaise Pascal (1623 – 1662), die uns zu William James und den amerikanischen Pragmatismus führt. Sie hat es mir vor kurzem ausführlich beschrieben,und ich hörte gebannt zu. Außerdem würde ich den Dialog über die Philosophie der Kosmologie gerne fortsetzen, Paco wir sprechen! Und Karen wir überlegen auch, wie wir den großen kunsthistorischen Bogen von der Insel in die Welt schlagen.

Mit der Schriftstellerin Birgit Haustedt nehmen wir uns die Schwergewichte der Literatur vor und ihre existenziellen Fragen des Lebens: Rilke, Kafka, Bachmann und unbedingt Melville mit “Moby Dick”. Nachdenkliches zum Frühstück und in den Abendstunden.

Meine Kollektion wird sich auf besondere Weise in diesen Raum mit dem Tonnengewölbe integrieren. Es wird ein besonderes Zusammenspiel sein, mit einem Ort, der von sich aus schon die Stichworte vorgibt: Friede, Sylt, Meer und nicht zuletzt der ewige Kreislauf des Lebens.

Ich zeige Kunst und empfange illustre Gäste als Gesprächspartner*innen. Mit der Zusage der Kirchenvertreter*innen kann ich nun planen. Gestern an Himmelfahrt schien die Sonne zwischen weißen Wolken, duftete es so sehnsuchtsvoll nach salzigem Meer, frischem Gras und Frühlingsblumen. Es wird ein aufregender Sommer!

Wenn ich mir die Fotos von meinem Ausflug anschaue, dann entdecke ich wieder mein altes Lächeln. Wie schrieb eine Freundin spät: “… aber ja, der Himmel und das Meer stehen Dir schon ganz besonders 💙.”