Der neue Abschnitt von Encyclopedia führt mich nach Peru, in den Tropenwald des Amazonas mit den Kolibris und zum Rio Ucayali, wo die indigenen Gemeinschaften der Shipbo-Conibo und der Izconawa leben. Ihre Malereien und Stickereien auf Stoff erzählen von den Flüssen, den Wäldern, Pflanzen und den mystischen Tieren. Sie sehen das Universum als ein Ganzes und versuchen mit ihrem künstlerischen Handwerk die Verbindungen zwischen Erde und Himmel herzustellen.

Sara Flores. Abbildung: Musuk Nolte. Welt.
“We are all interconnected” sagte Sara Flores vor ein paar Tagen in einem Interview auf der Biennale in Venedig. Sie ist eine Shipbo-Conibo und vertritt ihr Land Peru, das damit ein deutliches Bekenntnis zu seiner indigenen Identität liefert. Im vergangenen Jahr stellte sie in der White Cube Gallery in London aus, seit 2018 ist sie in den Sammlungen des Guggenheim und Metropolitan Museums vertreten. Ihre Kunstwerke erzielen mittlerweile fünfstellige Summen. Minimalistisch, streng und von einer verblüffenden Symmetrie sind ihre Muster, die sich an der Natur orientieren. Es ist eine non-verbale Sprache, “calm, presence and grounding”, wie sie erzählt. Damit gehört sie in das Konzept der Biennale: “shifting to a lower gear”, einen Gang runterschalten, um nach den Harmonien zu suchen, die die Wunden der Welt heilen.


Ich muss an meine Pilze denken, wie sie unter der Erde ihre Kontakte knüpfen, ihre Allianzen bilden. Plötzlich findet sich das nachhaltige animistische Gedankengut der alten Völker überall wieder, vor allem in der Kunst. Kader Attia, Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, ist auf der Biennale vertreten mit seinem “Wisper of Traces”, in dem es um eine “metaphysical anthropology” geht, um die Schamanen, dem Spirit des Amazons, die unsere Zivilisation “heilen” können (wieder dieser Begriff). Seine Masterstudentin, Leonie Wahler, zeige ich am 20.5,2026 im meinem Kontor für junge Kunst UPSTAIRS am Johannes-Brahms-Platz 9. Unbedingt kommen (ab 18:00 Uhr).


Oben: Leonie Wahler, Detail aus Triptychon. Unten: Neyra Perez, Izconawa Künstlerin Peru
Ani Alvarez Calderon, die Designerin Perus, hat es während ihres Besuches bei mir zusammengefasst: Es geht darum, eine Ordnung wieder herzustellen, Energien auszuspüren, die uns helfen, den Blick auf das Leben zu verändern.


Das Wort “Trend” ist abgedroschen, aber wenn wir es übersetzen als das, was kommen wird, dann sind wir doch gerade dabei, den Zipfel von etwas Schönem zu packen, das uns ein wichtiges materielles und immaterielles Werkzeug liefert gegen das Ungemach des täglichen Geschehens.


Nun hat es mich doch weit hinausgetrieben in meinen Ausführungen, dabei wollte ich nur erzählen und beschreiben, wie ich zitathaft die handbemalten Stoffe der Shipibo-Conibo, der Izconawa und Dine, in meine Kollektion integriere, als Kragen, als Manschetten und was mir noch alles in den nächsten Wochen einfallen wird.


Beinahe homöopathisch ist die Dosis, aber sie wirkt und lässt uns als Trägerinnen teilhaben an dem alten Wissen, dass etwas mehr ist, als nur eine Bluse. Wer zur Biennale nach Venedig reist, sollte sich jetzt schon mit Roma e Toska goes Peru einkleiden. Es wäre besonders, damit entlang der Kunst in der Lagunenstadt zu flanieren.
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BLUSE IZCONAWA, SCHWARZ
€598,00 inkl. Mwst. -
MARLENE HOSE, BRAUN
€598,00 inkl. Mwst.



