Jhon lebt in Pucallpa am Ucayali Fluss im Amazonas Dschungel. Er ist der junge Künstler der Shipibo-Conibo, dessen bestickten Paneele wir am Mittwoch ausstellen werden und aus denen wir erste Unikat-Modelle fertigen. Knapp 10.400 km Luftlinie trennen uns heute. Seine Adresse besitze ich nicht, und Rosa-Yvnés, die mich die ganze Zeit wunderbar unterstützte, meldet sich gerade nicht. Also schreibe ich meinen Brief an ihn einfach in das Skizzenheft, irgendwie wird er schon gefühlt bei ihm ankommen.


Ich erinnere noch genau, wie wir ihn besuchten in seiner einfachen Behausung, die wir Europäer Hütte nennen würden, mit dem Wellblech Verschlag und den riesigen Pfützen davor, über die sie Holzbretter gelegt hatten, damit man halbwegs trockenen Fußen zur Tür gelangen konnten. Er wohnt dort zusammen mit seiner Mutter, die ihm bei der Stickarbeit hilft. Die Einrichtung ist einfach, Transistorradio, aber Handy, Instagram.

Ein junger Mann zwischen der Tradition seiner Vorfahren und unserer modernen Welt. Was für Träume mag er haben, die einen unter dem Einfluss von Ayahuasca, Halucinationen, Geisterbeschwörungen, die anderen ganz konkret, reisen, andere Städte kennenlernen, erfolgreich sein? Ich weiß es nicht, allein, was mag Erfolg für ihn bedeuten?


Stich für Stich formt er Muster und Motiv, die für die Shipibo-Conibo die Struktur der oberen Welt bedeuten (breite Linien), oder auf die Geisterwesen verweisen (feine Linien). Als ich dort war, wollte ich mit ihm über den Preis handeln, aber dann erklärten sie mir, dass Jhon an einem der großen Bilder oft vier Monate lang sitzt. Ich verstummte. Das gilt es zu würdigen.


Und so schreibe ich ihm, dass wir mit Respekt und Sorgfalt seinen Stoff zerschneiden für unsere Modelle, den Rock, die Jacke. Nichts werfen wir weg. Was übrig bleibt, wird ein Kragen oder eine Manschette, ein Bündchen für den Rock. Selbst die kleinsten Schnipsel bewahre ich auf, um sie in mein Buch zu kleben, wo sie seine und meine Geschichten forterzählen. Es inspiriert mich.

Ach, ich hätte noch so viele Fragen, lieber Jhon, denkst Du viel an die Zukunft, sorgst Du Dich um den Klimawandel, wie er Euer Leben am Fluß verändern könnte? Welche Gedanken stecken in jedem Deiner Stiche? Was siehst Du in Deiner Fantasie? An welche Mächte glaubst Du, die Schlange, der Puma, der Kolibri? Was bedeutet der Schmetterling auf einem Deiner Bilder …?

Am kommenden Mittwoch, den 17. Juni, ab 18:00 Uhr stellen wir seine Arbeiten aus und unsere dazu. Man kann sie kaufen als Kunst an der Wand oder als Kunst, die man tragen kann. Dafür gibt es zwei verschiedene Preise, die die Kultur, Kreativität und das Handwerk würdigen (€ 300 – 2.500). Gruß an Jhon.


Auf Euch freue ich mich in ein paar Tagen upstairs. Johannes-Brahms-Platz 9, direkt gegenüber der Laeiszhalle. Voranmeldung unter: info@romaetoska.de
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WICKELROCK JHON, MULTI
€1.200,00 inkl. Mwst. -
BASIC BLUSE, WEISS
€449,00 inkl. Mwst.



