Die Überschrift könnte ein wenig diskriminierend klingen, deswegen die Klammer um die “Jungs”, denn in Deutschland gibt es mittlerweile eine beachtliche Zahl von Frauen, die sich auch für das Thema “Oldtimer” begeistern. Der Dienstag Salon in der Poolstrasse als weiblich dominierter Salon schaffte vergangene Woche mindestens ein 50:50 von interessierten Autokennern und Autokennerinnen. Und trotzdem, genießen wir das Funkeln in den Augen der Männer, wenn sie von den alten Schönheiten aus Blech, Lack und Leder sprechen. Mein Talkgast ist Ron Wischmann, der hier seine Erfüllung gefunden hat.

Aston Martin DB4, Anfang 60er Jahre. Alles im Originalzustand

Ich finde immer wieder beeindruckend, welche Schlingerkurse uns das Leben gehen lässt. Selten ist einem in die Wiege gelegt, was und wer man werden möchte. Ron, der unten auf dem Foto den Mercedes seines Vaters wäscht. Wer weiß, ob es damit schon längst klar war, was sich viele, viele Jahre später als “Traumberuf” realisierte?!

Auf jeden Fall gab es bei ihm ein beeindruckendes “Davor”, das zunächst dümpelnd und wenig vielversprechend schien, um dann auf die Überholspur zu wechseln: Mittlere Reife, lustlos, kaufmännische Ausbildung. Danach wurde er einer von Deutschlands erfolgreichsten Autoverkäufern. Doch er schmiss und machte sich selbstständig als Vertriebler für Abfüllmaschinen. Was immer wir in den späten 80er und frühen 90er Jahren in Dosen, Gläsern oder Flaschen kauften, von Hipp bis Zentis, standen meist Ron Wischmann und seine Maschinen dahinter. Schon beeindruckend, wie man Geld macht, wenn das Ziel Geld machen ist.

Mercedes SL320 von 1994

Mit Mitte Fünfzig hörte Ron auf. Frührentner oder Visionär, der ahnte, dass es da noch etwas anderes geben könnte, was ihn fasziniert. Mit seinem Mercedes SL320 von 1994 fing alles an. Er wollte die Sitze reinigen, und es gelang ihm ein kleines Wunderwerk. Freunde fragten, ob er es auch für sie machen könnte usw. usw. Erfolgsgeschichten laufen so, wie ein flüsterndes Lauffeuer. Ron tauschte den Anzug mit dem Blaumann.

Brauchte das Schicksal die Umwege, um dorthin zu gelangen, wo er sich richtig fühlt? Ich wollte solche Fragen stellen und hob dafür mehrfach an, aber dann unterbrach er mich regelmäßig, um mir einen nächsten Oldtimer, ein nächstes Projekt zu zeigen. So ist das wohl, wenn Leidenschaft die Gespräche prägt. Was soll mein Gelabere, wenn es um Kühlerhauben und Motoren geht, um Schönheit der Formen mit dem Duft von frisch aufgearbeitetem Leder.

300SL Roadster, 1961

In der Runde wird es lebhaft. Bilder und Infos werden ausgetauscht. Ein Ratespiel von Modellen und Jahrgängen. Amüsiert beobachte ich, wie Katharina, die Theologin, die einen klapprigen Nissan Micra aus den 2000ern fährt, sich alles genaustens erklären lässt. Hey, will sie umsteigen auf den Aston Martin DB4 aus den frühen 1960ern? Es wäre filmreif, eine neue Bestimmung.

Geht es um das Leder, ist Ron einer der ausgewiesenen Spezialisten in Deutschland, denn bei den seltenen Oldtimern, von denen es nur wenige Modelle gab, die eine besondere Geschichte besitzen und deren Wert in die Millionen geht, muss möglichst alles, also auch das Innenleben, original erhalten bleiben. Wie lässt sich ein zerrissenes altes Leder bearbeiten, dass es fast wie neu aussieht, mit der gediegenen Patina, die zu dem Rest passt? Vorher – nachher!

Sitze aus Austin Healey 100/4, 1955

Ron Wischmann ist der geborene Tüftler, der Perfektionist, der Künstler, der Leder versteht, wie man es wäscht und putzt, mit selbst erfundenen Tinkturen massiert und mit unendlich vielen Farbnuancen von alt-zu-neu-zu-alt erstrahlen lässt. Am Ende sieht das Innen wie aus einem Guss aus, mit den Spuren, die die Zeit hinterlassen darf.

Jaguar Coupé, Mitte 1950er. Hier war nichts zu retten, neues Leder auf alt patiniert.

Es gelang ihm u.a. den Perlmuttglanz der Sitze des Porsche 911 Jubiläums-Edition wieder herzustellen. Ein Geheimnis, für das das Unternehmen eine Menge Geld ausgeben würde. Aber die Rezeptur wird nicht verraten, denn es geht schon lange nicht mehr ums Geld, sondern wie man mit den eigenen Händen alte Schönheit zu neuem Leben zu erweckt.

“Wann ist mein Auto fertig?” – “Wenn ich zufrieden bin!” Wer solche Antworten geben kann, der lebt den echten Luxus, der nur dem eigenen Anspruch folgt. Und Millionäre und Milliardäre werden zu glücklichen Jungs, wenn sie ihre Oldtimer bei Ron abholen.

Ich wünschte, ich hätte damals bei dem Oldtimer-Kartenspiel besser aufgepasst, denn wüsste ich jetzt auch alle Kürzel von SL320 über Aston Marin DB4 bis hin zum Roadster 300SL von 1961, meinem Geburtsjahr. Nur eins kann ich, wünderschöne Linienführung erkennen und bewundern. Danke Dir Ron, dass wir das teilen konnten.