Als ich das 6. Motiv der Encyclopédia wählte, die “Alpenpflanzen”, kam es mir betörend pittoresk vor, die zarte Buntheit der Blüten, der blaue Enzian und das Edelweiß, der schmelzende Schnee und im Hintergrund die weißgekrönten Berge. Viel mehr habe ich mir nicht dabei gedacht, fühlte mich vielleicht noch an “Heidi”-Filme erinnert und den Alm-Öhi, die ich so gern mit den Kindern sah, als sie klein waren. Verklärte Bergwelt-Romantik, Goethe auf dem Weg nach Italien. Ich arbeite oft rein intuitiv, irgendetwas wird mir schon zur rechten Zeit assoziativ einfallen. Dass die Ereignisse der Hochgebirge so dramatisch in unser aktuelles Bewusstsein rücken, hatte ich nicht geahnt.

Plötzlich lernen wir Begriffe wie “Gletschersturz”, “Felsensturz”. Was bedeutet “Kryosphäre”? Altgriechisch für “Frost und Eiseskälte”, die Gesamtheit der Vorkommen von festem Wasser auf unserer Erde. Der Permafrost schmilzt, er ist der Kleber für das Gestein, ohne ihn kommt alles in Bewegung, beginnt zu rutschen, und führt unweigerlich zu Gletscher- und Felsenstürzen, die nun, nach dem heißen Sommer, die Schlagzeilen füllen.

Wo bleibt die German Angst, wenn man sie mal braucht?“, schreibt heute die Süddeutsche Zeitung. Nepal mag weit sein, aber die Alpen liegen vor unserer Haustür, sie sind der größte Süßwasserspeicher Europas. Was hier passiert, geht uns alle an, nicht nur die, die gerade mal keinen “Sommer-Ski” laufen können, weil ganze Regionen aus Vorsichtsmaßnahme gesperrt sind.

Als die 5. Auflage von Meyer’s Konversationslexikon 1895 erschien, begann man in der Schweiz mit den ersten Aufzeichnungen des Gletschereises. Besorgt registrierten die Wissenschaftler und Bergführer, dass sie weniger wurden. Aber so richtig Schwung in der Negativ-Spirale kam mit den 1990er Jahren. Und nun bräuchten wir sie, die “German Angst”, damit wir aus der Ignoranz und Lethargie heraus ins Handel kommen, konsequent Einfluss nehmen, etwas verändern, besonders auf politischer Ebene.

Wie ein Seidentuch mit einer Bergwelt-Idylle urplötzlich zu einem Statement werden kann! Die Natur ist aus dem Gleichgewicht geraten, die Alpenflora beginnt früher zu blühen, die Waldgrenze wandert nach oben. Es wird eng für Pflanzen und Tiere, gefährlich für liebliche Täler und beschauliche Dörfer an den Hängen.

Lest Euch durch die Berichte des Alfred-Wegner-Instituts, studiert die Ergebnisse des Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Gebt “Alpen” als Stichwort ein und “Gletschersturz” und “Kryosphäre”. Tragt dabei des neue Tuch, das Euch erinnert, was einst war, und was nicht mehr sein wird, wenn wir uns nicht einmischen.

Dazu gibt es für die ersten Bestellungen mit den Nummerierungen 1 – 10 ein kleines Knotentüchlein als Geschenk, um es am Taschengriff oder am Handgelenk zu tragen mit der stummen Aufforderung, unsere Stimme deutlich zu erheben, wenn es um den Klimawandel geht.