Was für ein Auftakt gestern Abend: “Wednesday upstairs. Die Generalprobe”, das erste Mal oben im 4. Stock in den Wohnräumen und der Roma e Toska Gallery am Johannes-Brahmsplatz 9 in Hamburg. Erst ein paar Minuten zuvor war alles fertig geworden, was man so “fertig” nennt. Kisten und Kartons schnell zusammengeschoben. Die Bank von Magpie Art Collective gesellt sich vor Nele Budelmanns Bilder, eine kleine Auswahl “Encyclopedia” an der Stange im Büro, die liegende Kunst drappiert auf dem großen Bett vor der Fotoarbeit von Bernhard Prinz. Weingläser, selbstgebackenes Brot. Kerzen überall.

Liegende Kunst, Nele Budelmann, bemalte Leinwand, Collage, 320 x 242 cm (€ 3.800)
Dass ich ungefähr 30 Mal gefühlt die Treppen hoch und runter geeilt bin, ließ ich mir nicht anmerken, nun in den Highheels von Taglia Scarpe und in dem neuen One-Size-Dress mit der Arctic Fauna. Showtime!


So viele waren gekommen, alte Freunde, neue Freunde, Künstler und Künstlerinnen. Alle hat die Neugier getrieben, wie sieht es hier wohl aus, was wird gezeigt und wie lebt man mit Kunst. Das Thema des Abends.


Nanhee Kim und Katja Pillipenko, Masterabsolventen von Anselm Reyle
Karen Michels und ich führten das Gespräch. Nele Budelmann an unserer Seite, obwohl sie die Kunst und ihre Deutung dem Publium überlassen wollte. Richtig so, “maria, kleingeschrieben ist ein Tu-Wort” impliziert die Aufforderung, es sich nicht leicht zu machen mit den Arbeiten an den Wänden.


Karen greift zurück in das 18. Jahrhundert, als die klassischen Auftraggeber (Kirche und Adel) wegfielen und sich die Künstler*innen selbst organisieren mussten, um ihre “Märkte” zu finden, eine eigene unverkennbare Handschrift zu entwickeln, in jedem Werk ein Teil ihrer Persönlichkeit zu hinterlassen. Genau diese Kunst gilt es zu suchen, zu sammeln.


Magpie Art Collective, Frosted Glory Chandelier, € 3.900
In dem Gespräch übernehme ich den Part der Gastgeberin, Galeristin und Sammlerin. Einiges gehört uns schon seit langem, anderes ist dazu gekommen, für manches sind wir nur eine Zwischenstation, aber gemeinsam schafft es ein Zuhause und spiegelt unsere Vorlieben wider. Kunst wird persönlich. Ich bin überzeugt, dass es mehr denn je wichtig ist, aus der Beliebigkeit herauszukommen, um individuelle Kontexte zu schaffen. Schluss mit durchgestylten Wohnungen, in denen man keine Spuren hinterlässt.


Wir sprechen über die Auftragskunst. Ein Begriff, mit dem ich hadere, ich biete viel lieber Räume an, die Künstler*innen mit ihren Arbeiten “besetzen” können. Ähnlich wie Bernhard Prinz und Nele Budelmann die kleine Abstell-Kammer in ein Refugium verwandelten, in dem man verweilen möchte, schlafen, träumen. Schön zu sehen, wie der schmale Gang dorthin ständig von Gästen verstopft war, die sich magisch angezogen fühlten.


Bernhard Prinz, Sofatara, 2012 (€ 5.800), Nele Budelmann, Leinwand mit Kimono (verkauft). Bernhard Prinz/Karin Elmers, Verlockung 1 (€3.200)
Überall bilden sich Grüppchen, vertieft in Gespräche – über Kunst! Das gefällt mir, kein Society-Talk, kein Abklatsch von Allerwelts-Sterotypen. Die Atmosphäre hier oben setzt eigene Akzente.


Mit diesem Auftakt wollte ich zum Ausdruck bringen, dass das Leben mit Kunst eine andere Qualität besitzt als ohne. Es wird zu einem endlosen Zwiegespräch, zu einer Inspiration und zu einem Miteinander, in dem man sich nicht mehr einsam fühlt. Es entstehen Freundschaften ohne viele Worte.


Nele Budelmann “maria kleingeschrieben ist ein Tu-Wort”, € 2.600
Ich danke allen, die eifrig mitgeholfen haben, dass dieser Abend möglich wurde. Die Ausstellung ist nach Termin-Absprache zu besuchen. Noch habe ich zwanzig Tage, den letzten Raum, der noch im Dunkel liegt, aufzuräumen. Am 4. März 2026 geht es dort weiter mit dem “Kontor für junge Kunst” und der Südkoreanerin Nanhee Kim. Wednesday upstairs!

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ONE SIZE DRESS, ARCTIC FAUNA, MULTI
€698,00 inkl. Mwst. -
GROSSES ARCTIC FAUNA TUCH, MULTI
€249,00 inkl. Mwst.



