Manchmal liebe ich es, Wörter zu befragen, ihrem Klang auf den Lippen nachzuschmecken. So ging es mir einst mit “Fern-Weh”, was zu einem vielfach angeklickten Beitrag wurde. Nun kam mir spontan das Wort “ver-wunschen” in den Sinn, heute Morgen, als ich von oben in die Schneelandschaft blickte und mein Skizzenbuch durchblätterte. Es ist ein Adjektiv, das aus verschiedenen Elementen besteht: einer Vorsilbe “ver-“, einem gebeugten Verb “verwünschen” und dem “Wunsch”. Der Duden sagt dazu: “unter der Wirkung eines Zaubers stehend; verzaubert”.

Im Englischen heißt es “enchanted”, im Französischen “enchanté”, die Italiener sagen “incantato und die Polen “zaczarowany”. Ich erinnere mich, dass ich es als Wortfetzen zwischen der mir immer noch unverständlichen Sprache in Warschau hörte. Gewiss, als wir draußen in Głuchy waren, wo die Familie das Herrenhaus des Poeten Cyprian Norwid aus dem 18. Jahrhundert besitzt.

Warum ich gerade heute morgen über “verwunschen” schreibe? Ich schaute von meinem “Hochsitz” auf die Winterlandschaft. Der  Wetterdienst hat prognostiziert, dass das geschäftige Leben zum Erliegen kommen könnte. Schnee, Sturm, Glatteis. Dann lasst uns doch in aller Ruhe auf einem alten Wort herumkauen, bis es süß und verführerisch wird, uns in Träume entführt, auf Reisen gehen lässt.

Was sagt denn mein Lexikon dazu? “Verwirrtheit”, Verwittern, “Verwitterung”, “Verwurf”, “Verzahnung”. Es kennt kein “verwunschen”. Ich muss anders suchen. Darüber entdecke ich die “Wüstenpflanzen” und verharre einen Moment. Ich bin zu weit, wieder ein paar Seiten zurück. “Wunder”, da wollte ich hin, “ein Ereignis, welches den gewöhnlichen Lauf der Dinge durchkreuzt, aufhebt, suspendiert … “.

Gehören “Wunsch” und “Wunder” eigentlich etymologisch zusammen? Freundin Karen würde es wissen. Schon bleibe ich gedanklich einen Moment bei ihr und unseren Kunstvorhaben in diesem Jahr hängen.

“Wunschdinge”, heißt es wenig später in Meyer’s Konversationslexikon von 1895, “Kleider oder Geräte, welche die zauberische Eigenschaft haben, ihrem Besitzer jeden Wunsch zu erfüllen …” – Sie an, schon bin ich bei der Mode gelangt und meinem Stoff, der sich wie ein “Wunschding” anfüllt, mit dem man sich “unsichtbar”-sichtbar machen kann, um einen “nach jedem gewünschten Ort zu bringen”. Verwunschen!

Euch einen schönen Tag. Passt auf, wenn Ihr rausgeht, und wer lieber zuhause bleibt und vom Fenster aus in die Winterlandschaft blickt, dem schicken wir die Pakete mit Euren Wünschen! Von der 100-Euro-Stange bis Encyclopedia.

Zauber. Zauber!