Dienstag. Ein Blick in den Spiegel, meine Haare sehen aus, als wäre der Fön explodiert, und gleich soll ich zwei der wichtigsten Fashion-Designerinnen Perus kennenlernen: Ani Alvarez Calderon und Meche Correa Anita organisiert einen Eiltermin bei ihrem Friseur um die Ecke: Waschen, Fönen, 45 Soles, umgerechnet € 12,00, und die Ladies dort verstehen ihr Handwerk.

Nach einer Dreiviertel Stunde bin ich draußen und fühle mich wieder repräsentabel.

Ani wohnt im Südosten von Lima, beinahe wirkt es wie eine Weltreise quer durch die Stadt. Nach einer halben Ewigkeit liefert mich der Fahrer an ihrer Haustür ab. Was für eine beeindruckende Villa. Ich werde von einem Dienstmädchen durch den Salon, vorbei an dem Garten mit dem riesigen Swimmingpool in ihr Atelier geleitet. Wie wird sie sein? Hoffentlich keine Fashion-Zicke. Auf was lasse ich mich ein? Am besten ich bin einfach ich und warte ab.

Dann kommt Ani mit ihrem ganzen natürlich fröhlichen Überschwang. Sie ist etwas jünger als ich, hat drei erwachsene Kinder, die Tochter arbeitet mit in ihrem Unternehmen, besitzt ihre eigene Linie. Genau wie ich studierte sie an der Rhode Island School of Design in den USA, machte dort ihren Abschluss mit Summa cum laude in Design, während ich an der Brown Universitäten nebenan Kunstgeschichte belegte. 1993 sie, 1984 ich.

Schnell wird es privat, wann Geburtstag, die Töchter am gleichen Tag, ah, beinahe tragen wir die gleiche Brille. Wir lachen. Wie einfach es ist, wenn man das Gefühl hat, sich schon lange zu kennen.

Dann zeigt sie mir ihre Kollektion. Fantastisch die Drucke, die Stickereien, die Passform der Boleros. Das ist Couture. Sie arbeitet eng zusammen mit den Shipibo-Conibo aus der Ucayali Region im Dschungel.

Aus einer Stunde werden mehrere. Wir probieren gegenseitig. Sie ist erstaunt, wie es mit meinen Prints zusammengeht, und ich bin begeistert, wie sich alles unglaublich kreativ wandelt. Natürlich müssen wir zusammenarbeiten, natürlich eine gemeinsame Präsentation machen in Hamburg, einen It’s a Dienstag im Mai! Sie mit ihrer Mode, ich mit meiner, beide mit dem Thema Peru. Wir umarmen uns als Freundinnen. Zwei Tage später lädt sie mich mit Anita zum Abendessen ein. So vertraut. Hier öffnet sich die neue Tür.

Weiter geht es zu Meche Correa. Sie wohnt mit ihrer Tochter im gleichen Viertel wie Anita, San Isidro. Meche öffnet die Tür, wieder eine starke Persönlichkeit, ich spüre es sofort, wenn auch ganz anders als Ani. Sie ist älter und betrachtet mich zunächst ein wenig skeptisch. Ihre Tochter Ali übersetzt.

Begeistert erzähle ich den beiden von meinen überwältigenden Eindrücken von Peru, und wie ich plane, es kreativ umzusetzen. Ob ich ihre Teile probieren darf?

Ihr Kollektions-Scherpunkt liegt auf der Formensprache der Cusco Bergregion. Sie mischt Indigenes mit kolonialen Elementen.

Stark sind die Farben, gestickte Blumen als Taschen und Applikationen, Seidenumhänge, Polleras. Alles besitzt eine große Geste.

Ich bin ebenso begeistert wie von Ani Alvarez Calderon. Auch hier verabreden wir eine Kooperation, allerdings für den Herbst-Winter 2026, wenn ich mit Alpaka und den Aymara Women arbeiten möchte. Meche und ihre Tochter versprechen ebenfalls, persönlich nach Hamburg zu kommen.

Herzlich ist die Verabschiedung für ein baldiges Wiedersehen. Noch eine Tür öffnet sich!