“Wie poetisch der Raum wirkt”, schrieb mir Toska, als sie meine ersten Bilder von der Ausstellung “Polly Maher. Images of Familar” erhielt, da war sie gerade in Mexiko angekommen, wo sie den nächsten vier Monate als “Artist in Residence” bleibt. Von ihrer Ausstellung UPSTAIRS zur nächsten, von den Spinnweben Objekten und Fotografien zu den Malereien der jungen irischen Künstlerin. Jedes Bild besitzt sein Geheimnis, der Pinsel umkreist die Dinge und Szenerien der Alltags, mal pastos, mal dünn lasierend.

Polly und ich überlegen, wie wir die unterschiedlichen kleinen und mittelgroßen Formate hängen, Dialoge schaffen und eine Dynamik des Miteinanders. Wir beginnen mit den ersten drei Bildern in der Achse der Räume, jedes erzählt eine Geschichte für sich. In der Mitte die Rosen, rechts davon die Häuserecke mit dem Geranien und links davon das Haus.

Polly Maher, Öl auf Holz, je € 1.600

Die vielschichtigen Tonalitäten von grau und beige springen von dem einen Motiv zum anderen und schaffen eine feine Schwingung. Ich muss an die Romantik denken oder sogar darüber hinaus an die Duftigkeit des Rokoko.

Mehr darf nicht an die Wand, es würde die Eleganz der Arbeiten stören. Gemeinsam entscheiden wir, von dem früheren Muster ihrer Hängungen abzuweichen, in der alles in einer langen Reihung geordnet war. Besser “Inseln” schaffen, unterschiedliche Akzente setzen und immer wieder überraschende Wahlverwandtschafen suchen.

Polly Maher, Öl auf Holz € 1.600)

In der nächsten Gruppe dominiert das durchschimmernde Braun, Erinnerungsbilder an ein Früher, der Blick von der Küche hinaus in den Garten, die offene Tür in das Badezimmer. Wir kennen solche flüchtigen Momente, manchmal nachsinnend und melancholisch versunken. Daneben wieder eine Häuserwand, die sich aufzulösen scheint, ähnlich alten Fotografien, die über die Jahre verblassen. Die Künstlerin fängt Zeit und Vergänglichkeit ein.

Eine versponnene Novelle könnte ich schreiben über den Baum und die Krähen. Wir diskutieren, ob nebenander oder übereinander, allein oder als Paar. Beides geht. Unmerklich dehnen sich die Malereien in die Umgebung aus, die Bank, eine Schale, ein Krug, der Perserteppich. Ein Zauber liegt über diesem arrangierten Ensemble.

Polly Maher, “Tree” und “Crow”, Öl auf Leinwand, (je € 2.600)

Habe ich nicht gesagt, dass sich die Ausstellung über die Räume erstrecken wird. Die Wand zum Nachbarzimmer zeigt eine spannungsreiche Dreiergruppe. Kleinformatig bedeutet keineswegs weniger intensiv und eindrucksvoll. Ich mag nicht die neue Gigantonomie des Ausstellungsbetriebes.

Polly Maher, “Wood/Nails”, “Ledder” (je € 1.600), “Verteilerdose” (€ 900)

Die Wände im Esszimmer sind freigeräumt, verstaut sind die Bilder von Gaber aus Warschau und die Fotografien meines Mannes. Neue Kunst an den Wänden verändert, verleiht eine neugierige Frische. Nun hängt über dem Bücherregal das große blaue Bild von Polly Maher. Das Detail einer LKW Plane wird zu abstrakter Malerei. Was für eine Malfreude, die den Ausschnitt zur Hauptsache erklärt. Wir lernen das Sehen, Banalitäten werden zur künstlerischen Inspiration.

Polly Maher, LKW Plane, Öl auf Leinwand (€ 3.200)

Rechts daneben findet die “Pforte” mit ihren (Nacht-) Schatten ihren Platz. Ein kleines starkes Bild, das so viel irische Herkunft in sich birgt. “Laute Stille, stummer Lärm”. Schicksalhaft scheint die Enge ins Unendliche zu gehen, um hinter den Oberflächen mehr preisgeben zu wollen.

Polly Maher, “Pforte”, Öl auf Holz (€ 1.400)

Während wir ausmessen, fürs Foto posieren und hämmern, lässt sich Katerchen nicht beirren, sein Platz ist auf dem alten Fauteuil, den die Sonne tagsüber wärmt. Auch ein Stillleben, das dazugehören will. Perspektiven in die benachbarten Räume.

Polly Maher, Öl auf Holz (€ 1.600)

Schnell ist der richtige Ort für das “Esszimmer” gefunden, mit dem Tisch, auf dem in hell-dunkel Grauabstufungen Verschiedenes ausgebreitet liegt, Licht fällt durch die Gardinen. Im Hintegrund das Regal. Wer beginnt die Geschichte zu erzählen?

Polly Maher, Esszimmer (€ 2.200)

Und über allem ist diese Ruhe, als würde man mit einem Buch verträumt dasitzen, ab und an den Kopf heben, den Blick über die Wände gleiten lassen und sich wohlfühlen in diesen „Zufälligkeiten“. Behütet, vertraut, melancholisch, zuhause. Living with Art. Vielleicht wird es der “Stoff” für meine nächste Kollektion!

Ich freue mich sehr auf die Vernissage heute Abend! 18 – 21 Uhr. Roma e Toska Gallery, Johannes-Brahms-Platz 9, direkt gegenüber der Laeiszhalle. Voranmeldung: info@romaetoska.de oder 0172-4313905.

Und wer heute nicht kann, kommt vielleicht zur Matinee am Sonntag, den 1. November, 12 – 14 Uhr.