Letztes Jahr war ich in der Osternacht mit Freunden in St. Severin in Keitum, als der Altar sich öffnete und das Licht von Pastorin Susanne Zingel hineingetragen wurde. Wir alle hielten unsere Kerzen und hörten die Osterglocken läuten. Fern und nah fühlt es sich an: letztes Jahr. Wer hätte gedacht, was alles bis zu diesen Ostern geschehen würde, von der großen Politik bis in das kleine Private hinein. Roma e Toska ist nicht mehr auf Sylt, meine Kolumne in Sylt Life wirkt wie ein Nachruf und gleichzeitig kündigt sie so vieles Zukünftige an. Heute sind wir auf einer anderen Insel, Roma, Toska, Bonnie und ich. Mein Mann begleitet uns aus einer anderen Welt.

Juist ist das neue Domizil meiner ältesten Tochter, die die Küche des Flughafen-Restaurants leitet. Ich werde morgen berichten von dem ersten Testlauf mit Blick über Wattenmeer und Dünen. Das obligatorische Bad im Meer gab es auch schon und das Eingeständnis, dass ich es doch vermisst habe, wie das eisige Wasser alles Ungemach von einem abwäscht für einen Moment des Glücks. Die Fotos entstanden direkt im Anschluss.

Die Marlene Hose hatte ich schon angekündigt als Teil meiner kreativen Arbeit, die mir in diesen Tagen so viel Kraft gegeben hat. Diese Freude, wenn etwas aus dem Atelier kommt, was richtig gut ist.

Die Bundfalten haben wir weggelassen, stattdessen ist das Modell schmal und hoch bis über die Taille geschnitten, um so eine schlanke Silhouette zu schaffen. Der Karostoff fließt weich das Bein entlang und verleiht der Hose einen coolen, extravaganten Look. Für mich ist sie wie ein modisches Ostergeschenk, weswegen ich heute über sie schreibe. Dazu der Blazer, den ihr schon kennt, der blaue Pullover für den kühlen Wind am Meer, die Arktik Fauna oder Pilz-Blusen, das weiße Hemd.

Ich trage zu der Karo-Marlene Hose das alte Checker Hemd meines Mannes. Es fühlt sich an wie seins und meins und gleichzeitig einfach nur lässig zu dem neuem Outfit. Siri Hustvedt schrieb in ihrem soeben erschienen Buch “Ghost Stories”: “Ein toter Mann braucht keine Hemden.” Sie entleerte den Schrank mit den Teilen ihres geliebten Paul Auster. Ich weiß es noch nicht, genieße den Schwebezustand.

Lassen wir erst einmal die See von Nordosten nach Nordwesten fließen, sammeln Muscheln, halten uns untergehakt und trinken später den Wein.

Frohe Ostern!