Heute gilt es, das letzte Türchen zu öffnen – was für eine schöne Zeit in Gedanken an Euch bei jedem Adventskalender-Tag. Gestern waren wir auf den Souks von Marrakech, um die kleinen Geschenke für Weihnachten zu kaufen: „Original Fake“ und verhandeln, bis man sich mit tiefem „Blick der Berbères“ die Hand schüttelt … und trotzdem über’s Ohr gehauen wird. Herrlich! Hinter der No.24 verbirgt sich das Erlebnis des Schenkens, das mit dem Ereignis des Kaufens beginnt, über die liebevollen Gedanken, bis hin zu der Freude, wenn der andere es bekommt.

Fake Chanel

„Madame“, „mes gazelles“, „pas chèr“, „good quality“ … Das Parfum ist nicht Gucci, aber „made by my brother“. Toska wird in eine Kamel-Decke eingewickelt. „Very original, good price“ … Wir starten bei 1.900 Dirham (ca. 190€) und enden bei 500. Die Familie ist schon vorgegangen, ich bin hin-und-her gerissen, aber nein, doch nicht. Jetzt werden die Kollegen gerufen und Schimpf und Schande über mich.

Souk Medina Marrakech

Weiter geht’s, immer tiefer in die Souks der Medina bis hin zu den Färbern, da wird’s dann endlich abenteuerlich, düster und verwegen. „Real silk, Madame. You must support the artisan.“ Sie wollen 1.200 Dirham für den Schal, ich will 400 zahlen. Wütend dreht er sich ab, die Mädels schauen schon verzweifelt.

Färber Souk MarrakechFärber Marrakech

Mein Mann ist in den Fängen der „Bleu Majorelle Steinverkäufer“. Nun werd selbst ich unsicher, bei diesen finsteren Gestalten und lege viel zu schnell nach: o.k. 600 Dh. Fehler, er spürt, da geht was. Wir rangeln weiter, ich werde jetzt wütend. Er will uns noch die Dachterrasse zeigen und schiebt uns eine dunkle Stiege hoch. Klar, jetzt geht’s uns ans Portemonnaie … Nein, alles easy, es soll nur den Preis treiben.

Souk Marrakech

Und dann, was für ein Blick über die Dächer der Färber, verwunschen. O.k., um es kurz zu machen: wir einigen uns auf 700 Dh und die fotografierten Färber bekommen davon jeder noch ein Taschengeld. Mein Mann hat inzwischen das Beutelchen mit Bleu Majorelle gefüllt und weiter geht’s.

Zischen all den Klimpre-Läden finden wir abgelegen ein kleines Geschäft mit einem alten Mann, der originale Fez verkauft, die Kappe der Marokkaner. Endlich wahrhaftige Qualität und es darf nicht (!) handelt werden.. Wie schön fühlt sich dieser Filz und das Leder zwischen den Finger an. Nun habe ich auch mein Geschenk für das nächste Fotoshooting und bin beglückt.

Fes Marrakech

Roma  ist mittlerweile in den Tiefen des schmalen Ladens für Kaftane verschwunden. „Madame, si vous achtez deux c’est moins chèr.“ – Klar, schon verstanden. Ich bringe mich in Stellung und lamentiere nun über das schwere Leben als Mutter, Ehefrau, Designerin. Da könnten einem die Tränen kommen. Er erzählt von seinem Daseinsdrama. Wir enden bei zwei zum Preis von einem. Immerhin …

Kaftan

Nun sind die Taschen voll und die Geschenke komplett: Gewürze, Tücher, Steine, Kaftane … – Wir sitze am Flughafen und später wird am Kamin Heilig Abend gefeiert mit frischen Erlebnissen aus der Welt von 1001 Nacht. Ab dem 26.12. werde ich Euch Syltern weiter berichten und die kleinen Mitbringsel für Euch auspacken. FROHE WEIHNACHTEN!

Kaftan