Der Unterschied hätte nicht größer sein können: Meine Tochter Toska und ich am Elbstrand, die Magnolien blühen, mit Blick auf die Containerschiffe, und gleichzeitig das Handy in der Hand für die Nachrichten von Daniella und Rosa Ynés aus Pucallpa, der Dschungelregion von Peru. Sie besuchen Jhon, den jungen Künstler vom Stamm der Shipibo-Conibo mit seinen außergewöhnlichen Stickereien, die der Sprache seiner Vorfahren entnommen sind. Die abstrakten Muster, der Kolibri, der Puma, die Schlange und die Blüten der Landschaft des Rio Ucayalli.

Er und seine Mutter arbeiten mehr als zwei Monate an den großen Panelen, die ihre Geschichten erzählen. In der Hüte hinter dem Wellblechzahn gibt es keinen Fernseher, sondern nur Musik scheppert aus einem alten Tansistorradio. Ob sie sich Alltägliches erzählen, während sie die Nadeln mit den bunten Fäden zu zierlichen Kreuzstichen in den Stoff stechen? Vielleicht sind sie auch stumm, versunken in ihre Traumbilder. Ich nehme alle seine Arbeiten!

Ping. Ping. Ping. Weitere Fotos folgen mit schmalen Stoffen-Bahnen und der typischen Zeichensprache der Shipbo-Conibo. Rosa und zartes Türkis, Hellblau.

Ich sehe vor meinem inneren Augen, wie sich die Puzzle-Teile zusammensetzen von indigenen Stoffen mit Drucken von Tropenwald und Kolibris sowie den Tüllen aus Italien. Es wird ein aufwendiges Spektakel von Mode, die Kulturen verbindet, um Geschichten auf ganz eigene Weise fortzuspinnen. Genau das sollte es immer für mich sein: Unikate und Kleinserien, die von alter und neuer Handwerkskunst erzählen.

Dann brechen die Nachrichten für einen Moment ab. Mutter und Tochter sind auf dem Weg zu Felica, der alten Weberin der Yine, einer indigenen Gruppe, die verstreut entlang des Rio Ucayalli lebt. Um ihren Zusammenhalt zu verstehen, muss man Mario Vargas Llosa “Der Geschichtenerzähler” lesen oder einfach nur in das Gesicht dieser Frau schauen, wie sie vor ihren Schals und gewebten Stoffen sitzt.

Heute Morgen habe ich entschieden, dass ich auch von ihr alles kaufen werde, um es dann auf meine Modelle zu applizieren. Wie? Dass weiß ich jetzt noch nicht, dass wird sich finden, wenn die Hand über das Material streicht.

Jedes Teil wird ein kleines textiles “Kunstwerk” sein, das einen begleitet, getragen zu Jeans oder mit den Blusen aus Encyclopedia. Zunächst sind sie den Subskribentinnen vorbehalten und nach ihren Maßen und Wünschen gefertigt. Wer möchte nicht dabei sein für die nächsten Runde?!