Sonntag in der neuen Zeitrechnung. Der Zweite nach dem sanften Tod meines Mannes. Der Erste nach dem Besuch bei Roma auf Juist. Die Abfolge der Tage besitzt einen anderen Rhythmus. Würde ich eine Komposition schreiben, so müssten sich die Klänge überlagern, drängen und dann wieder schwebend ausdehnen. Eine Suche nach Ordnung in einer Gleichzeitigkeit von Tönen und Geräuschen. Ich muss an Alex Ewerth denken, die Künstlerin, wie sie neben mir oben im Tempel ihre mehrschichtigen Objekt-Bilder baute.

Oben: Ausschnitt aus einem Bild-Objekt von Alex Ewerth. Unten: Detail aus dem Apfel-Seiden-Print

Und dann gibt es wieder so etwas Klares und Leuchtendes wie die Alten Apfelsorten, gedruckt auf Seidenstoffe, über die ich eigentlich schreiben wollte, bis mich die Wörter einleitend woanders hintrieben. So ist das im Moment, alles auf einmal, getürmt wie in den Bildern eines Paul Klees … und schon bin ich wieder in einer anderen Welt. Aber zurück zu den Äpfeln!

Gestern stand die Tür in der Poolstrasse weit offen, die Sonnenstrahlen drangen von draußen rein und beleuchteten so frühlingshaft die Kollektion an den Stangen: die orange-gelben Äpfel, die Pilze mit den Karo-Blazern, Röcken und Hosen, die Arktische Fauna mit den durchsichtigen Pergament-Mänteln. Kundinnen kamen. Eine brachte einen Blumenstrauß mit Mohnblumen mit, als hätte sie es gewusst, dass es die Lieblingsblumen meines Mannes sind.

Genießerisch wanderte ich von rechts nach links, ordne neu, blättere durch mein Skizzenbuch, wieviele Geschichten und Notizen sich dort schon gesammelt haben. Dann gehe ich die noch ausstehenden Bestellungen durch. Die Apfel-Seide ist die erste, die sich dem Ende zuneigt.

Ein Final Call für die Äpfel.

Ein-zwei-drei letzte Wunschblusen kann es noch geben, dann ist Schluss. Ähnlich ist es bei den Tüchern. Ein Encyclopedia Kapitel schließt sich, das mich über die vergangenen Monate intensiv begleitet hat.

Ich denke an Heike und Klaus, die beiden Apfelbauern, die wir in den nächsten Wochen im Alten Land besuchen wollten. Dort macht sich die Apfelblüte bereit, die auch auf dem Stoffmustern zu sehen ist.

Wer heute bestellt (ab einem Warenwert von € 200), der bekommt das Buch von Birgit Haustedt über das Alte Land als Geschenk dazu und einen kleinen Apfelbrief mit einem ähnlichen Gedanken-Sammelsurium, wie ich es gerade geschrieben habe. Euch einen schönen Sonntag.