Vorgestern Abend lag ich im Bett in Hamburg, müde, war morgens schon kurz nach 4:00 Uhr aufgestanden. Mein Buch versteckte sich irgendwo an den Orten, an denen ich mich so aufhalte, nur nicht hier neben mir. Also scrollte ich ein wenig in der Mediathek von ARTE und stieß auf die Dokumentation “Jimmy Carter. Rock & Roll President”.

1924 in Georgia geboren, bekleidete Carter dort von 1971 – 1975 das Amt des Gouverneurs, zwei Jahre später wurde er der 39. Präsident der Vereinigten Staaten. Ein Außenseiter, “Jimmy Who?”, wie man ihn abfällig nannte. Dieser Begriff reichte sogar bis zu mir in die norddeutsche Provinz, wo ich in der Oberstufe gerade mit ganz anderen Dingen beschäftigt war als mit Weltpolitik.

Eine Amtszeit gab man diesem außergewöhnlichen Mann, den ich in dieser Dokumentation ganz neu kennenlerne. Dann folgte Ronald Reagan mit überwältigender Mehrheit, und statt des Gedankens der Versöhnung implementierte sich der Gedanke von “Amerika first”. Meine Müdigkeit ist verflogen, besonders ein Begriff fällt mir förmlich in die Seele: Soft Power! Die Macht von Bildung, von Kultur, von Musik in Verbindung mit der emphatischen Neugierde an dem anderen. 2002 erhielt Jimmy Carter den Friedensnobelpreis!

Er hat als Präsident sowie davor und danach versucht zusammenzufügen, was unvereinbar schien. John Wayne, der eingefleischte Republikaner half ihn bei dem Panama-Abkommen, Sadat und Begin umarmten sich in Camp David, in seiner Amtszeit fiel keine Bombe, abgefeuert von Amerikanern. Viele seiner Gespräche endete er mit dem Satz: Kann ich sonst noch etwas für Sie tun? Er konnte und er tat! “Jimmy Who?” ist genau der, der heute fehlt. Nachfolgend die ganze Dokumentarion.