Ein schwieriges Unterfangen, dieses Jahr im Rückblick zu erfassen, immer wieder ertappe ich mich mit einem ungläubigen Kopfschütteln: War das erst in 2025? Es fühlt sich an, als lägen dazwischen Jahre. Ein Donald Trump, der die demokratischen Strukturen und europäischen Partnerschaften im Eiltempo zerlegte, übernahm erst offiziell am 20. Januar 2025 seine Amtsgeschäfte. Diese politische und ethische Eruption prägten die Monate und zeigten, wie sehr wir in Zeiten von Unsicherheit leben. Das Nicht-Planbare ist die neue Realität. Wie Ihr wisst, schlage ich mich jedoch auf die Seite der Optimisten, wenn es um das Wesentliche geht.

Am Anfang meiner Rückschau steht eine ganz besondere Freundin, Susanne Zingel, die Pastorin von St. Severin in Keitum. Die Glocken der Kirche läuteten uns in der stürmischen Silvesternacht 2024 in das neue Jahr, und die dicken Mauern schienen das Ungemach fernzuhalten. Ich erinnere mich deutlich, wie mich ihre Worte berührten.


Wir trafen uns wieder zum Fest der Drei Heiligen Könige, diesmal saßen andere Freunde neben mir. Zu Ostern schwebte die große Kimono-Arbeit von Nele Budelmann neben dem Altar. Spontan hatten Susanne Zingel und ich es verabredet, ihre Predigt handelte von dem Gewand. Kunst und Kirche gingen eine schöne Symbiose ein.


Dazwischen war die Pastron Talkgast an einem unserer Dienstage. Kaum zu fassen, das war auch in 2025. Und am liebsten hätte ich sie zusammen mit Paco und Katharina Jenner über das Universum diskutieren lassen, aber das verschieben wir in das kommende Jahr.

Susanne war es auch, die die richtigen Worte zum Tod der Freundin fand, als wir Weggefährt*innen auf der Rickmer Rickmers saßen und leise miteinander weinten. Sie hatte Astrid in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet, so wie wir, jede auf ihre Weise. Von ihr stammt auch der Satz, dass nicht alles einen Sinn ergeben muss. Es hat mich beschäftigt, und ich habe in diesem Jahr den Kreislauf des Leben begriffen, dass ein Regenbogen, wie meine Freundin Christine beschrieb, auch einen Bogen nach unten besitzt. “Mayakama”, sagen die Aymara in Peru, kein Abschied, sondern bis zum nächsten Mal.


Wir haben uns nicht oft gesehen, waren viel zu sehr beschäftigt mit den eigenen zahlreichen Dingen. Meine Kirchenbesuche blieben sporadisch. Aber wir begegneten uns an manch einem Event bei mir oder bei Robert Eberhardt im Felix Jud Cottage, im Herbst mit Josef Kleinheinrich und seiner Frau Bernadette in unserem Kapitänshaus-Wohnzimmer. Dicht gedrängt saßen wir um den Tisch, Kerzen, Kunst an den Wänden und die von Susanne gebackene Quiche. Es ging u.a. darum, wie man “Liebe in etwas hineingeben” sollte, wenn es sich verhärtet, einem feindlich gesonnen ist. Die einen nennen es “den Draht nach oben”, die anderen das “Universum”, ich kenne sogar eine, die spricht von “He-She”. Ganz egal, “die Adresse ist die gleiche”, fasste Susanne lachend zusamen. Unvergesslich dieser Abend, das Gesagte in der Runde hat mich in den Monaten danach begleitet.

Sie und ich schickten uns Textmessage einmal um den Globus, Susanne in Hongkong, ich in Peru. Und am Ende saß sie im halbleeren Haus in Kampen und überlegte, wie sie mir noch helfen könnte. Wir teilten das kurze Entsetzen, dass eine Zeit zuende gegangen ist, aber in der herzlichen Umarmung steckte auch die Zuversicht für das Zukünftige. Wir gehen uns nicht verloren.

Als ich am Heiligenabend in der festlich geschmückten Michaelskirche in Hamburg saß, gefüllt bis auf den letzten Platz, vorne die Bischöfin, die die Mitternachtsmesse leitete, da vermisste ich Susanne Zingel und die schützenden Mauern von St. Severin. Die Weihnachtsgeschichte fühlte sich so leer an, dabei steckt in ihr doch alles, was in diesem Jahr so schmerzlich fehlte auf der Welt: Nähe und Geborgenheit, Zuwendung und Liebe.

Deswegen habe ich der Pastorin und ihren Predigten meinen ersten Teil des Jahresrückblickes gewidmet. Worte müssen von Herzen kommen, um die Menschen zu erreichen. Damit gehe in das neue Jahr.

PS: Das Angebot von gestern gilt auch heute. Macht mir einen Vorschlag für Eure Wunschliste. Und morgen gibt es den nächsten Jahresrückblick, der dem Handwerk, der Kunst und der analogen Langsamkeit gewidmet ist.
-
DELFTER LEUCHTE GROSS, BLAU
€2.600,00 inkl. Mwst. -
DELFTER BASIC BLUSE, MULTI
€498,00 inkl. Mwst.




Susanne Zingel ist eine Ausnahmepastorin, ein Mensch für Menschen, mit beiden Beinen fest auf der Erde aber mit dem Kopf im Himmel und im Herzen knüpft sie die Verbindungen zu den Menschen und auch zwischen ihnen.
In Dankbarkeit für dieses Himmelsgeschenk,
Sabine und Jürgen
Liebe Birgit,
du findest geniale Worte, sie sind so zutreffend und sprechen mich an.
Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Erfolg und gutes Ankommen in der Neustadt.
Liebe Grüße
Michaela