Gelandet von Toulouse in Berlin-Schönefeld, und gleich empfängt einen das typisch schnodderig-schmuddelige Gesicht der Landeshauptstadt. Dieser Flughafen ist wirklich kein Aushängeschild für die Republik, keine Beschilderung Richtung S-Bahn, gleich ein boshafter Ticket-Kontrolleur, kein Lächeln und kein Hallo der Sitznachbarn. Na ja, dafür gibt es Toska’s Umarmung, Siegessäule und ein Essen in der Kultpizzeria ZOLA in Kreuzberg.

SiegessäulePizzeria Zola Berlin

Den morgendlichen Bericht über die Musketiere schrieb ich früh um 7.00 Uhr in dem Waschsalon gleich neben Toska’s Wohnung (sie hat kein Internet). So kultig ist die Stimmung hier zwischen den schleudernden Maschinen (Toska’s Handtücher wurden gleich mit gespült), vorbei das französische “bien”, es geht rauh herzlich zu mit Kaffee Einstein und free Internet.

Waschsalon

Anschließend Frühstücken und los geht’s, der Tag ist vollgepackt. Ich freue mich schon riesig auf den Besuch bei Duponts nur wenige Schritte von Toska’s Wohnung in Alt-Moabit entfernt. Klaus ist nicht da, mit einem Sammler auf Tour, dafür empfängt uns seine Frau Gundula mit ihrem herzlichen Lächeln an der Tür. Was dann kommt ist eine echte Wunderkammer.

Wunderkammer

Nur kurz zur Information: Wunderkammern entstanden zum Ausgang des Mittelalters in den Adelsschlössern. In diesen Kabinetten wurde gesammelt, was kurios und wertvoll war. Die Wunderkammern gelten als die Vorläufer der Museen und noch heute wirkt das Grüne Gewölbe in Dresden wie die Wunderkammer der Könige von Sachsen, allen voran August der Starke. Sofort erinnert mich alles, was wir gleich sehen, an den “Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmugul Aureng-Zeb”,von Johann Melichor Dinglinger aus dem frühen 18. Jahrhundert. (Und einige erinnern sich bestimmt an das Motiv oben, das wir in einer früheren Kollektion als Seidenschal verwendeten.)

800px-Hofstaat_zu_Delhi_am_Geburtstag_des_Großmoguls04

Aber zurück zu den Duponts und ihrem Zuhause, für das der Begriff “Wohnung” nicht mehr zutrifft, denn es ist ein Gesamtkunstwerk, in dem die Beiden leben. Das Auge kann sich nicht sattsehen, der Blick streift unablässig über jede noch so kleine Menagerie von Dingen, gesammelten Kleinode, Erinnerungsstücke und natürlich den Objets Trouvé von Klaus Dupont.

Klaus DupontKlaus DupontKlaus Dupont

Auch Toska kommt nicht aus dem Staunen. Sie kennt zwar von uns den Bohemien Lebensstil, aber so ein faszinierendes Mit-und-Nebeneinander hat sie noch nie gesehen. Während Gundula uns heißes Wasser kocht, dürfen wir uns umsehen und Fotos machen, im Badezimmer, im Schlafzimmer, im Flur – überall scheint es zu krabbeln, zu kriechen, zu fliegen, beredtes Schweigen in der Wunderkammer…

Klaus DupontKlaus DupontKlaus DupontKlaus DupontKlaus DupontKlaus Dupont

Toska hätte am liebsten die Skulptur mit dem Glasfisch vor dem Badezimmer-Spiegel, ich spekuliere auf den indischen Elefanten mit dem Reiter, oder lieber die Schildkröte, den Stier, das Pferd …? Am liebsten so gut wie alles, den jede Komposition entwickelt ihre eigene Poesie, ausbalanciert zwischen Sockel, Figur, Glas, Steinen und Perlen.

Klaus Dupont

Und dann geht es in den Keller, in das Reich von Klaus Dupont, wo er seine “Objets Trouvé” zusammensetzt. Schränke fein sortiert noch den “Zutaten” des Objekt-Bildhauers, metallene Figuren und Sockel, Federn und Hörner, Muscheln und Nautilus, Perlen und Steine, Gorgonien und Bambus-Korallen … Arbeitstische mit Sägen, Schneidewerkzeugen, Schraubenziehern und Pinsel. – Eine Wunderkammer unter der Wunderkammer.

Klaus DupontKlaus DupontKlaus DupontKlaus DupontKlaus Dupont

Als wir wieder auftauchen sind wir immer noch in Berlin – man hätte es kurz vergessen können – die Zeit drängt, denn es gibt noch einen weiteren Termin. Gundula trägt mittlerweile das Seidentuch mit den Motiven aus Jean de La Fontaines Fabeln. Ich halte ganz selbstvergessen einen kleinen afrikanischen Elefanten in der Hand. Was für ein entzückender Glücksbringer und zukünftiger Dupont. Es wird ihr Geschenk an mich. Überwältigt umarme ich sie, bin ganz ohne Worte.

Jean de la Fontaine

In Kampen auf Sylt zeigen wir die Objekte von Klaus Dupont und vor Weihnachten wir es auch in der MILCHSTRASSE 11 eine Präsentation geben. Ich kann es nicht abwarten, bis wir uns wiedersehen.

Klaus Dupont

Weiter geht es kreuz-und-quer durch Berlin Richtung Gesundbrunnen in das Atelier von Ulf Saupe. Es geht um “Wasser” und die Frühjahr/Sommer 2019 Kollektion. Aber davon ein nächstes Mal.