Der letzte Tag in diesem Jahr gehört der Kreativität, der Mode und Roma e Toska. Es ist ein Rückblick und gleichzeitig ein Ausblick, den ich mit einer kleinen Begegebenheit beginnen möchte. Es war ein Abend am Ende des Sommers. Christine und ich gingen scherzend, lachend und dann wieder versunken in ernsten Gesprächen durch die Branderuper Heide, der Leuchtturm auf der einen Seite, das Wattenmeer auf der anderen, ein Hauch von Herbst lag in der Luft. Wir redeten über die Zukunft, was ist unsere Bestimmung, wohin mag es gehen? Ziemlich zum Ende des Spazierganges blieb sie stehen und sagte: “Sammele so viele Steine vom Boden auf, wie Du Probleme hast.”

Ich glaube, sie ging davon aus, dass ich mit vollen Händen wieder aufstehen würde. Stattdessen nahm ich nur ein Steinchen und sagte “Fashion”. Es kam so spontan aus mir heraus, dass wir uns beide verblüfft anschauten. Nur ein Problem? Und das auch noch Mode? Es traf mich tief, sollte ich etwa Roma e Toska aufgeben? War mein Ansatz falsch, Mode als meine inhaltliche Klammer zu betrachten, machte sie meine Welt zu eng?

Das Steinchen legte ich auf meine Fensterbank. Innerlich begann ich mich vom Kapitänshaus zu verabschieden, aber was sollte folgen? Politbüro, Bestseller-Autorin, Weltverbesserin? Da draußen wartet keiner auf mich, auf jeden Fall nicht mit einem Schnips “Hier-bin-ich”.


Und dann kam plötzlich alles gleichzeitig: Die Arbeit an Encyclopedia, der neuen Kollektion. Ich fühlte mich beflügelt, Meyer’s Konversations-Lexikon von 1895, die Premier Vision in Paris, die Stoffdesigner*innen, die so tapfer und unbeirrt weiter arbeiten an ihren exklusiven Materialien, Stefanie, Antoino, Federico, Aldo. Wir umarmten uns in Freundschaft, mit Respekt und Wertschätzung füreinander. Die Geschichte mit dem Fliegenpilz und der Blick der Schneeeule … Alles bekam einen Inhalt und schien sich zu verästeln wie das Netzwerk der Pilze unter der Erde.


Auf einmal ging es so leicht, auch Euch als Subskribenten zu begeistern. Ich fühlte, wie es mich sanft zog und schob ohne eine Richtung vorzugeben. Aus dem schöpferischen Alleinsein wurde ein inspirierendes Wir. Ich ließ mich ein, ohne es zu merken.


Dann kam die Reise nach Peru, und statt einer Tür öffneten sich ganze Tore für altes Kulturgut und ein in die Gegenwart gerettetes Kunsthandwerk. Ich schaute, hörte zu und lernte, wie Textilien und Kleidung mit Inhalten aufgeladen sind und die Identität eines Landes ausmachen. Sie möchten mit mir kooperieren, jene Frauen und Männer, die ich kennenlernte, wollen für mich Stoffe weben, Traumbilder sticken und Pullover stricken.


Was sich scheinbar trennte, begann miteinander zu verschmelzen, Kunst und Handwerk, Mode und Kultur, Schreiben und Erleben. So schnell konnte ich gar nicht sortieren, wie es geschah, aber es fühlte sich zu jedem Moment richtig an und hatte tief in meinem Inneren wieder mit mir zu tun. “Lerne die Namen der Pflanzen kennen”, wie Vievienne Westwood symbolisch schrieb.


Ich hatte das kleine Steinchen auf Sylt falsch gedeutet. Es hieß nicht, die Mode aufzugeben, sondern mich wieder mit all meinen Talenten auf sie einzulassen, ihre Vielfalt zu spüren und daraus ein Statement zu machen, das mit uns und unserem Menschsein zu tun hat.


Federico in der Nähe von Mailand arbeitet schon an Experimenten zur textilen Kunst der präkolumbianischen Völker Perus. Aldo wartet auf die nächsten Encyclopedia Vorlagen mit “Tropenwald” und “Kolibri”, Ani Alvarez Calderon hat begeistert ihr Kommen für Anfang Mai bestätigt, und ich schrieb soeben Rosa-Inès aus Pucallpa, dass ich gern mit ihr die Frühjahrskollektion zusammen machen möchte mit gewebten und bedruckten Stoffen der Yine und Stickereien der Shipibo-Conibo.



Vorgestern kamen die Futterstoffe mit den Motiven von Äpfeln, Pilzen und Artic Fauna in der Poolstrasse an. “Well done”, das Warten hat sich gelohnt. Die Drucke sind von exzellenter Qualität, es gibt keinen Unterschied zu den Vorlagen aus dem späten 19. Jahrhundert.

Die Tiere der Arctic besitzen ihre erzählerische Lebendigkeit, die Pilze sehen aus, als stünden sie im Wald mit leisem Nieselregen von den Bäumen, und die Äpfel leuchten in ihrer prallen Fülle.

Nun, da ich das Zeichen richtig verstanden habe, kann ich mir das künstlerisch Spielerische zurückerobern. Encyclopedia wird sich im Frühjahr mit Peru verbandeln, Mode mit Kunst, neue Freundschaften entstehen einmal halb um den Globus herum.


Wir werden Morgen nicht in einer besseren Welt aufwachen, aber wir fügen ihr mehr Individualität, Kreativität und Neugierde hinzu.
In diesem Sinne wünsche ich Euch ein gutes und erfülltes 2026!

PS: Wer sich heute (Sylvester) und morgen (Neujahr) noch als Subskribentin eintragen möchte oder die bisherige Summe aufstocken will, dem gebe ich € 100 als Extra-Bonus dazu. Den Betrag bestimmt Ihr.

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