Der Wind “brüllt”, “flüstert”, “säuselt”, “tobt und peitscht” und manchmal ist er auch ganz “leise und schweigt”. Alexander Hagen, mein Talkgast am vergangenen Dienstag, liest eine Liste von Wörtern vor, die alle belegen, dass er kein “Windflüsterer” ist, wie ich in meiner Einladung schrieb, sondern umgekehrt jemand, der dem Wind lauscht, der versucht, dessen Sprache zu verstehen. Bleibt er beständig oder frischt er auf, wird er seine Richtung ändern?


Er selbst bezeichnet sein Leben als “windgesteuert”, und man kommt nicht umhin, dem eine metaphorische Deutung zu verleihen, die ich in unserem Gespräch herauskitzeln möchte. Ein schwieriges Unterfangen, denn Segler reden gern, aber schweigen noch viel lieber, wo es wichtig wird.


Damit ahnt Ihr schon, dass es um die Zwischentöne geht, um den langen Blick Richtung Horizont, die Sehnsucht, die in den Erzählungen mitschwingt. Welches ist das Lied, das Dir der Wind mitgibt, fragte einer der Freunde in der Runde. Da ist es, plötzlich spürt man den Jungen, wie er das erste Mal mit zehn Jahren in Eiseskälte auf der Wakenitz bei Lübeck segelte. Zu dritt waren sie unterwegs, der Wind ging heftig, sie kenterten und mussten geretttet werden. Allesamt hockten sie später in der heißen Badewanne zuhause und Alex dachte nur: “Was für ein Abenteuer! So etwas möchte ich immer erleben.” Zu Weihnachten lag das Boot unter dem Tannenbaum. Segeln lernte er in wenigen Minuten, eine einfache Formel. Jede freie Minute verbrachte er auf dem Wasser, die erste Freundin wurde sein Schiff.

1981 und 1997 wurde er Weltmeister in der Starboot Klasse, Europameister, eigentlich gewann er so ziemlich alles, was man gewinnen konnte. Ist der Wind “launisch”, wechselt er seine Richtungen und seine Stärke, dann ist Alexander nicht zu schlagen, so hieß es unter den Kollegen. Der Windversteher, der Naturbursche, der Stratege. Rund um die Welt reiste er dem Wind hinterher, zu den Trainingslagern und Regatten in Amerika, in Mexiko, überall. Jede Region, jedes Gewässer besitzt seine eigenen Charakteristika.

Es ist ein unstetes Leben, mit dem man nicht reich wird, grummelt er neben mir halb in sich hinein. Frau und Kinder daheim, die den Ehemann und Vater kaum sehen. Aber Segler brauchen die Einsamkeit in ihrem Herzen, die ihre Sehnsucht nährt, wieder an Bord zu gehen, um die Elemente zu spüren. Ein ungeschriebenes Gesetz, selbst wenn er zweifelnd die Kopf wiegt, ob er es richtig gemacht hat. Ich bin mir sicher, er würde es genauso wieder tun. Windgesteuert ist windgesteuert.


Noch lieber als auf dem Schiff, steht er auf dem Brett und surft, dann vergisst er sein Alter und wird zum Tüftler, der die nächste Welle nehmen muss, die Wende perfektionieren, den Speed einfangen. Er träumt von einem Segel- und Surf-Festival in Großenbrode an der Ostsee, wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr, wo man entlang der langen Mole Geschwindigkeitsrekorde erstellen kann, 100 km/h und mehr, während die Zuschauer das Race hautnah verfolgen. Zusammen mit dem krebskranken 13-jährigen Piet hat er im Catamaran die erste Benchmarke vorlegt, er zeigt uns den kleinen Film dazu. Sechs Wochen später starb der Junge. Einen Moment ist es still zwischen uns, es macht den Abend auf besondere Weise reich und innig.

Kurz darauf bringt Alexander uns wieder zum Lachen, als er von seinen Rollerblades auf der Sea Cloud Spirit erzählt, deren Anteilseigner er ist. Die Kapitänin musste ihn schließlich bitten, die Dinger nicht an Deck einzusetzen, sondern nur an Land. Gewiss steckt in ihm eine Portion Peter Pan, der Junge, der nicht alt werden möchte. Ein Artikel über Alexander Hagen trugt die Überschrift: “Der alte Mann und das Meer”, dem stimme ich nicht zu, es ist nicht die Einkehr, die ihn prägt, sondern die Unruhe, wohin der Wind ihn führen mag.

Ein wunderschöner Auftakt in dieses Jahr. “Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.” Danke Alexander, danke Dorothee, dass Du den Abend so tatkräftig unterstützt hast, denn hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, auch wenn sie an Land wartet. Für das Catering war wie immer @foodiroma verantwortlich.


Am nächsten Dienstag geht es um die Kultur des Streitens, um “radikale Freundlichkeit”, wie es auf einem Buchtitel heißt, und warum Mediation besser sein kann als gerichtliche Auseinandersetzung. Mein Talkgast ist Dr. Bina Renken. 21.1.2026, ab ca. 17:30 Uhr (Gespräch ab ca. 18:30). Drinks und Snacks. Eintritt/Gutschein € 25,00. Voranmeldung unter info@romaetoska.de
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DELFTER LEUCHTE GROSS, BLAU
€2.600,00 inkl. Mwst. -
PUFFARM GLÜHWÜRMCHEN BLUSE, MULTI
Ursprünglicher Preis war: €498,00€400,00Aktueller Preis ist: €400,00. inkl. Mwst.



