Am 2. Juli hatten wir den MARE Verlag in der MILCHSTRASSE 11 in Hamburg-Pöseldorf zu Gast. Präsentiert wurden Klassiker des Verlages u.a. mit einer Lesung aus der Neuauflage von Daniel Defoe’s “Robinson Crusoe”. Alle Bücher aus dieser Serie sind mit großer Liebe zum Detail neuveröffentlicht, und ich sah mich – überschwänglich wie immer – veranlasst, jede Woche (bin wohl wahnsinnig) eine kleine Buchrezension zu schreiben. Seitdem stapelt sich die Lektüre neben meinem Bett und somnambule arbeite ich mich hindurch. Den Anfang macht Arthur Conan Doyle und sein vor 130 Jahren geschriebenes und lange verschollenes “Heute dreimal ins Polarmeer gefallen”.

Arthur Conan Doyle

Mit 21 Jahren heuerte er 1880 als junger Medizinstudent auf einem Walfänger Schiff an und fuhr bis hinauf nach Spitzbergen ins ewige Eis. Die Reise dauerte sechs Monate und sollte ihn ein Leben lang als Faszination für die Arktis begleiten. Es ist das Tagebuch eines sehr jungen Menschen, der das Abenteuer sucht, seine Kraft und Unerschrockenheit genießt (regelmäßige Boxkämpfe mit den Matrosen) und mit großem Feinsinn und Witz die Doppelsinnigkeit beschreibt.

Arthur Conan Doyle

Es ist kein Krimi, kein Abenteuer-Roman. Nichts, das man atemlos durchfliegt, kein Sherlock Holmes, kein Watson. Es besitzt aber die Vielschichtigkeit des Werdens, zeigt das junge Talent, das sich in den darauffolgenden Jahren zu einem der ganz Großen der Weltliteratur entfalten wird.

Arthur Conan Doyle

Stellt Euch vor, Ihr sitzt hier auf Sylt im Strandkorb und blickt immer wieder zwischen den Tagebuch-Eintragungen auf das Meer, lasst Euch abkühlen bei Erzählungen von Minusgraden querab von Spitzbergen, seht plötzlich eine kleine Gruppe vom Schweinswalen vorbeiziehen und taucht dann wieder ein in die Brutalität und Härte des Walfänger Alltags …

Arthur Conan Doyle

Plötzlich seid Ihr auf Seite 142: “Hier sind wir nun also am Ende des Logbuchs der Hope angelangt, das in Flaute und Sturm, bei Versagen und Erfolg geführt wurde; jeden Tag habe ich fromm meine Eindrücke und alles, was mir seltsam vorkam, niedergeschrieben und versucht, das Gesehene zu zeichnen.  …” – Versonnen blättert ihr weiter durch das Faksimile seiner Zeichnungen und Notizen und habt das Gefühl, ein kleines großes Buch in den Händen zu halten.

Arthur Conan Doyle

Arthur Conan Doyle. Heute dreimal ins Polarmeer gefallen. Tagebuch einer arktischen Reise. Mare Verlag, € 32,00. Bei Roma e Toska in Kampen erhältlich. Und wer Lust hat, verbringt heute mit der Lektüre den Abend am Strand von Kampen beim Iismeer Eis mit Musik und Sonnenuntergang.