Ein Highlight fehlt noch ganz zum Schluß: Hongkong, übersetzt “Duftender Hafen”. “Erstbegegnung” für mich, denn ich war noch nie dort und gebe zu, immer ein wenig Angst vor dieser Mega-City mit über 7 Millionen Einwohnern gehabt zu haben. Unverständlich, da ich schon in New York lebte und auch sonst herum gekommen bin. Trotzdem, die Nervosität ist da. Punkt 14.00 Uhr erhält die MS Europa die Freigabe für die Einfahrt in die Mündung des Perlflusses und in den Hafen im Zentrum der Stadt. Es ist grau, kühl und nieselt ein wenig. Toska und ich stehen mit zahlreichen anderen vorne am Bug und genießen das Schauspiel. Es werden Drinks gereicht.

Hong Kong

Es ist schon etwas ganz besonderes, sich auf dem Seeweg so einer Stadt zu nähern. Lautlos gleitet das Schiff entlang der Wohnhochhäuser, den Baustellen, kleinen Wohnhütten und Schaluppen (alt oder alt-neu?). Über den Lautsprecher von der Kommando Brücke erzählt Christian Rommel über die Stadt, in der er lebt und sein Büro besitzt. Dann versagt die Sprechanlage und es bleibt stumm, andächtig oder mit angehaltenem Atem wie im Kino, auf der Leinwand der Science Fiction Film. Das dunstige Licht tut sein übriges, um alles ein wenig surreal wirken zu lassen.

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Vor uns die Anleger mit dem alten Bahnhofsturm, der Bahnhof steht schon lange nicht mehr, die Stadt befindet sich im permanenten Wandel. Gegenüber des Zentrums mit der Bank of China, Wahrzeichen der Stadt.

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Und dann geht alles ganz schnell, letzte Teile in die Koffer packen, die gleich abholt werden für unseren Flug später am Abend. Kurzes Face-Control für die Papiere an Land und dann huschen Toska und ich mit unserem privaten City Guide Christian Rommel von Bord. Genau vier Stunden haben wir, um uns seine Stadt zeigen zu lassen. Mit der Fähre aus den 1950er Jahren setzen wir über …

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Mindestens 10 Schritte hinke ich immer hinter den beiden hinter her, meine Augen können sich nicht sattsehen. Alt und neu, poliert und schäbig, Schriften, Leuchtreklame, kleine Händler mit exotischen Auslagen: Vogelnester, eine exklusive und teure Delikatesse, getrocknete fliegende Hunde, Seesterne zum Knabbern …  Hinter der Skyline, die auf dem vorgelagerten Meeresgrund gebaut ist, entfaltet sich ein verwirrendes ursprüngliches Hongkong. – Sind sie nun rechts oder links abgebogen, während ich die getrockneten Seepferdchen fotografierte? Bloß nicht verloren gehen.

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Wir gehen entlang der Stände mit Souvenirs ohne etwas zu kaufen, zu groß die Auswahl, zu viel der Eindrücke. Unsere Lieben daheim haben das Nachsehen, keine Mitbringsel. Wir sind einfach zu absorbiert von einer Stadt, die uns aufsaugt mit seinen Details, seiner Vielfalt, seinen Gegensätzen. Es ist wie ein Puzzle von 10.000 Teilen, das sich nicht zusammenfügen lässt. Christian ist auf eigener Nostalgie Tour. Er zeigt uns sein Büro im 20. Stock, in dem er zehn Jahre gearbeitet hat. Das Foto von der Dachterrasse, das ein Freund und Stern Fotograf schoß, ist mittlerweile weltberühmt. Hier ist das meine.

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Davor ein Buddhistischer Tempel. Ebenfalls “Erstbegegnung”, ich war noch nie in einem und stelle plötzlich fest, wie wenig ich doch weiß von der Welt. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für Fragen, einfach nur Bilder sammeln. Geht es den anderen auch so, ich bin völlig ausgelaugt und brauche einen Imbiss.

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Wollen wir noch hoch zum Peak für die Aussicht über Hongkong mit all seinen vorgelagerten Inseln? Klar, das Taxi ist nicht teuer, nur sehen werden wir nichts. Unter uns ein feuchtes Nebelmeer. Selbst Caspar David Friedrich konnte mehr malen als wir sehen. Eine deutliche Aufforderung wieder zu kommen.

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Es wird dunkel, wir springen noch in die schmale Doppeldecker Tram, die uns in die Nähe der Anlegestelle bringt. Mit der Fähre geht es hinüber zur MS Europa, die mit Lichterkette vertäut an der Pier liegt. Vier Wochen war das unser Zuhause. Wie schön, elegant und selbstbewusst sie aussieht, kein protziges Gehabe, einfach nur stilvoll, so wie wir über 11.000 km (6.030 Seemeilen) stilvoll durch die Südsee gefahren sind, vier Zeitzonen überquert haben, die Anzahl der Längen- und Breitengrade habe ich vergessen. Egal, es waren viele und mit ihnen eine Vielzahl von beeindruckenden Erlebnissen.

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Mein Doktorvater sagte immer zu mir: “Den letzten Satz müssen Sie streichen.” – Gut, so mache ich es und denke mir meinen Teil. Es wäre ein schöner Satz geworden, aber das Unausgesprochene ist noch viel schöner.

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